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Saarbrücken

Die 99 besonderen Seiten der Stadt

Rita Dadder und Florian Russi

Saarbrücken, Landeshauptstadt des Saarlandes und unmittelbar an der deutsch-französischen Grenze gelegen, ist eine Stadt mit vielen Reizen. Es hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Von Goethe wurde es besucht und beschrieben und von Kaiser Barbarossa teilweise zerstört. Heute ist Saarbrücken eine moderne Metropole mit Universität, Museen und vielfältiger Kultur. Hier lebt man nach der Devise: »Wir wissen, was gut ist«, ist gastfreundlich und lässt sich gerne »entdecken«.


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Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

Schlachtfest und „Worschdsupp“ - Dorfleben damals

Schlachtfest und „Worschdsupp“ - Dorfleben damals

Herbert Kihm

Schlachteplatte
Schlachteplatte

Meine Kindheit verbrachte ich in dem Dorf Biesingen, heute ein Stadtteil von Blieskastel. Neben dem Elternhaus meines Vaters stand der Bauernhof vom „Groh Hannes" mit Kühen, Schweinen, Hühnern, Katzen, Hunden und zwei Kaltblütern als Zugpferde. Im der Winterzeit wurde dann traditionell eine „Sau geschlacht", eine Aktion an der natürlich die Nachbarschaft , wie damals üblich, teilnahm.


Das tote Tier wurde in einem Trog abgebrüht und von den Borsten befreit. Dann band man das Tier kopfüber an eine Leiter, das Tier wurde aufgeschnitten und die Eingeweide entfernt - oder wie es bei Interburg& Co hieß: ... „dann zieht man raus die Schwärme, der vielgewundnen Därme, gereinigt von dem Kot, kommt Wurst rein für das Brot"... Das alles fand im Freien auf dem Hof zwischen „Mischtkaul" und Hofgebäude statt.


Das Schwein wurde dann vom Metzger fachgerecht zerlegt, damit - es gab ja noch keine Tiefkühltruhen - die Fleischstücke dann gepökelt, geräuchert oder sofort verwendet werden konnten.


Die Würste kochte man in einem großen (Wasch-)Kessel in der Küche, wobei die Nachbarn interessiert und „probierend" teilnahmen, ob dabei „zur Verdauung" der Schnaps des letzten Brennens" getrunken wurde, erinnere ich nicht mehr. Da immer bei dem Kochen auch einige Würste aufplatzten, entstand die ersehnte kräftige „Worschdsupp", die bei dem nun folgenden gemeinsamen Essen auf den Tisch kam, aber auch an die Nachbarn verteilt wurde, die sie mit ihren mitgebrachten Milchkannen nach Hause trugen. In der Brühe kochte auch das „Wellfleisch" mit, das aus dem Bauch- und Kopffleisch des Schweines bestand. Heute ist es zusammen mit Blut-und Leberwürsten meist Bestandteil der „Schlachtplatten" in der Pfalz und im Elsass, meist mit Sauerkraut und Kartoffeln.


Diese Tradition der Hausschlachtung und somit des Schlachtfestes ist heute so gut wie verschwunden, Schlachtfeste gibt es aber immer noch in der Pfalz in Bayern und in Norddeutschland, dann jedoch meist von ländlichen Gaststätten veranstaltet.

„Die gudd Worschsupp“

Wurstbrühe
Wurstbrühe

Vielleicht war dies ja der „Urahne" der „Worschdsupp": „Blutsuppe oder „Schwarze Suppe" (gr. μ?λας ζωμ?ς melas zomós) ist die Bezeichnung eines Hauptgerichtes der Spartiaten. Die Suppe, ein typisches Soldatengericht, bestand aus scharf gewürztem Schweinefleisch, -blut, Essig und Salz und war eines der wenigen namentlich bekannten Gerichte der männlichen Vollbürger Spartas. „ - ganz sicherlich war sie aber bei einem Schlachtfest kein „Soldatengericht", obwohl in der Wurstsuppe immer auch Flocken der geplatzten Blutwürste zu finden waren (s. auch: hamburg-lese, Schwarzsauer).


Diese Suppe, die wie gesagt beim Garen der Würste zusammen mit „Wellfleisch" im Kessel zubereitet wurde, war eher ein „Festschmaus" bei uns zu Hause. Meist wurden in der Wurstbrühe noch gewürfelte, altbackene Brötchen mit erhitzt, angeblich ein typisches Alltagsgericht im Nachkriegsdeutschland.
Wie dem auch immer sein mag, die „Worschdsupp" oder „Metzelsuppe" hat es immerhin zu literarischem Ruhm gebracht, denn kein geringerer als Ludwig Uhland (Johann Ludwig „Louis" Uhland,* 26. April 1787 in Tübingen; † 13. November 1862 ebenda) hat ihr in seinem „Metzelsuppenlied" ein Denkmal gesetzt:

...„So säumet denn, ihr Freunde, nicht,
die Würste zu verspeisen,
und laßt zum würzigen Gericht
die Becher fleißig kreisen!
Es reimt sich trefflich: Wein und Schwein,
und paßt sich köstlich: Wurst und Durst;
bei Würsten gilt's zu bürsten...

..Wenn solch ein Fleischchen, weiß und mild,
Im Kraute liegt, das ist ein Bild
Wie Venus in den Rosen....


....Und wird von schönen Händen dann
das schöne Fleisch zerleget,
das ist, was einem deutschen Mann
gar süß das Herz beweget.
Gott Amor naht und lächelt still
und denkt: nur daß, wer küssen will,
zuvor den Mund sich wische!

*****

Bildquellen: wikipedia commons  

1. Schlachtplatte, Codc,CC-By-SA 3.0

2. Wurstbrühe beim Kochen (Hausschlachtung), Jens Jäpel, CC-BY-SA 2.5
 

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