Saarland Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.saarland-lese.de
Unser Leseangebot

Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

De Räänscherm

De Räänscherm

Herbert Kihm

Uff de Schdrooß kiwweld‘s knibbeldick,
doo laaft ääns one Scherm erum,
isch hann änner vum e Freind - zum Glick,
geklaut, der nemmnst ned krumm!
Isch laaf zu ihr,ganz Kavalier,
un biet‘ mei Schutz ihr an,
un ganz charmand saad sie zu mir:
„Du bisch joo eschd noch e Galan!"

Vun meim Scherm e Schdick,
fier e kleenes Glick,
S'war lieb, grad wie e Engel.
So han isch fier das bißje Glick
ingetauschd vum Scherm e Schdick!
Mir ging‘s viel besser als vorher
trotz Rään, was will isch mehr?

Scheen wie mir sesamme uff de Schtrooß
der Melodie han dann gelauschd,
wie der Rään jetzt pauselos
nieder uff das Schermdach rauschd.
Geträmt han isch, dass der doo Rään
wie bei der Sindflut weiter geht,
unn ääs dann - so mei Plän‘
dachelang an meiner Seid dann geht!

Vun meim Scherm e Schdick,
fier e kleenes Glick,
S'war lieb, grad wie e Engel.
So han isch fier das bißje Glick
ingetauschd vum Scherm e Schdick!
Mir ging‘s viel besser als vorher
trotz Rään, was will isch mehr?

Doch lääder fier'n a bei'm Gewitter,
die Schdroße weiter in es Land e naus,
ball isch ihr Dorf komm, das war bitter
denn all die Drämerei war aus!
So is es dann halt fortgang,
hat herzlich:"Danke!" noch gesaad,
ich guck ihr noo, noch ziemlisch lang,
dann war se weg - was mehr als schaad!

Vun meim Scherm e Schdick,
fier e kleenes Glick,
S'war lieb, grad wie e Engel.
So han isch fier das bißje Glick
ingetauschd vum Scherm e Schdick!
Mir ging‘s viel besser als vorher
trotz Rään, was will isch mehr?


 (dem Chanson „Le Parapluie" von Georges Brassens nachempfunden)

 

*****

Bildquellen:

- Vorschaubild "Regenschirme im Garten": Herbert Kihm
- Bild im Text: Gustave Caillebotte, Rue de Paris, temps de pluie (1877), Art Institute of Chicago, via wikimedia commons; cropped.

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Vum Zuheere!
von Herbert Kihm
MEHR
Doodesunndaa
von Rudi Kleinpeter
MEHR
Ich han disch gäär
von Herbert Kihm
MEHR
Quetschekuchezeit
von Herbert Kihm
MEHR
Anzeige: