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Florian Russi (Hrsg.)

Liebe ist ein Thema, das jeden berührt...Ein manchmal ernüchterndes und zugleich poetisches Buch.

Als die Wikinger im Saarland ihr Unwesen trieben

Als die Wikinger im Saarland ihr Unwesen trieben

Ferdinand Luxenburger

Das Normannenkreuz, auch Bischof-Walo-Kreuz genannt, in Besch.
Das Normannenkreuz, auch Bischof-Walo-Kreuz genannt, in Besch.

In Besch, einem Ortsteil der Gemeinde Perl, steht ein Wegekreuz, das im Volksmund Normannen-Kreuz oder auch Bischof-Walo-Kreuz genannt wird. Die Bezeichnung „Normannen“ meint die skandinavischen Seeräuber des neunten Jahrhunderts, die man heute unter dem Namen Wikinger kennt. Aber wie kamen die Wikinger ins Saarland?

Im Jahre 793 überfielen besagte Wikinger die nordenglische Klosterinsel Landisfarne. Dies war kein singuläres Ereignis, sondern der Beginn einer Epoche von Überfällen der Wikinger auf ganz Europa. Mit ihren schnellen und hochseetüchtigen Schiffen waren die skandinavischen Seeräuber sehr rasch in allen Gewässern der nördlichen Halbkugel. Die „Geisel der Christenheit“, wie sie damals genannt wurden, unternahmen blitzartige Überfälle auf Städte, Handelsplätze sowie Klöster, mordeten, brandschatzten und machten meistens reichlich Beute. Sie verschwanden ebenso schnell wieder, wie sie gekommen waren. Sie mieden es, sich mit größeren Heeren anzulegen und schlugen immer dort zu, wo sie sich leichte Beute versprachen.

Das Frankenreich war nach der Herrschaft Karls des Großen spätestens ab dem Zeitpunkt politisch geschwächt, als die langanhaltenden Konflikte zwischen seinen Nachfolgern ausbrachen.

Nach Niederlagen in England und Frankreich waren zwischen 879 und 891 mehrere Wikinger-Heere in Europa unterwegs. Ende 881 zogen sie brandschatzend von Flandern rheinaufwärts bis Bonn, das Anfang 882 einen verheerenden Überfall erlebte. Danach suchten sie auch noch Aachen heim, wo sie die Pfalzkapelle Karls des Großen zwischenzeitlich als Pferdestall für die Pferde nutzten, die sie auf ihren schnellen Schiffen mitführten, um auch auf dem Land blitzartige Vorstöße unternehmen zu können.

Die Mosel zwischen Nennig und Remich, im Hintergrund die Moselbrücke
Die Mosel zwischen Nennig und Remich, im Hintergrund die Moselbrücke

Auf diesen Pferden gelangten sie nach Prüm in der Eifel, wo sie in ihrer Eroberungswut die Abtei Sankt Salvator niederbrannten und auch noch einen Trupp kampfunerfahrener Bauern, die sich ihnen entgegenstellten, niedermetzelten. Klöster waren wegen ihres Reichtums oft Ziele der Wikinger, versprachen sie doch besonders reiche Beute.

Von dort zogen sie raubend und mordend über Andernach nach Koblenz, wo Ihnen dank der noch intakten römischen Stadtmauern nur die außerhalb der Stadt liegenden Gebäude und Häuser zum Opfer fielen. In der Karwoche 882 erreichten sie Trier, das sie an Gründonnerstag einnahmen und tagelang plünderten.

Blick auf Nennig, links im Hintergrund Schloss Berg
Blick auf Nennig, links im Hintergrund Schloss Berg

Besonders betroffen waren die zahlreichen Kirchen und Klöster mit ihren Bibliotheken und Archiven, die laut einem Chronisten allesamt geplündert und in Brand gesteckt wurden, mit Ausnahme des Klosters St. Paulin, das die Eroberer nicht einnehmen konnten. Der Trierer Erzbischof Bertolf konnte in letzter Minute zu seinem Amtsbruder nach Metz flüchten. Im Dom konnten in späterer Zeit noch Brandspuren nachgewiesen werden, die auf den Überfall der Wikinger zurückzuführen sind.

Nachdem sie nun Trier verwüstet hatten, zogen sie moselaufwärts Richtung Metz. Die Schreckensnachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer und die Bevölkerung brachte alles Wertvolle, vor allem aber die Reliquien aus den Kirchen in Sicherheit. Auf der rechten Moselseite bei Nennig und Besch stellte sich der Metzer Bischof Walo, der von seinem Amtsbruder Erzbischof Bertolf von Trier und Graf Adelhard II. von Metz unterstützt wurde, den Eindringlingen mit einer lokalen Streitmacht entgegen. Die Schlacht, deren Verlauf unklar ist, musste ein schreckliches Gemetzel gewesen sein, in dessen Verlauf Bischof Walo getötet wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde die römische Villa von Nennig vollends zerstört.

Blick auf Remich, rechts im Hintergrund die Mosel
Blick auf Remich, rechts im Hintergrund die Mosel
Am Ende siegten wieder die Wikinger, die aber nicht weiter auf Metz vorrückten, sondern sich nach dieser Schlacht wegen des immer härter werdenden Widerstands zurückzogen und ihre Beute in Sicherheit brachten. In die Geschichte ist diese kriegerische Auseinandersetzung als Schlacht von Remich eingegangen. Sie markierte den südlichsten Punkt, zu dem die Wikinger in den Rheinlanden vorgedrungen sind.

Das eingangs erwähnte Kreuz wurde 1688 von einem LORENTZ SURWIN (Lorenz Sauerwein) gestiftet. Ob es tatsächlich an die Schlacht gegen die Wikinger erinnern soll oder ein einfaches Pestkreuz ist, bleibt unklar, denn ein Bezug zur Schlacht lässt sich nicht herstellen. Nach verschiedenen Umsetzungen ist der ursprüngliche Standort nicht mehr bekannt, der eventuell noch Rückschlüsse zugelassen hätte. Unklar ist auch, wieso der Volksmund vom Normannen-Kreuz oder Walo-Kreuz spricht. Allerdings erinnern in Besch heute noch die Normannenstraße und die Bischof-Walo-Straße an die Schlacht gegen die Wikinger.


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Die Inschrift auf dem Normannenkreuz heißt soviel wie:
'Lorenz Sauerwein hat dieses Kreuz anfertigen lassen'.

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