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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Katharine Weißgerber

Katharine Weißgerber

Florian Russi

Eine heldenhafte Frau, genannt „Schulze Kathrin"

Grab von Katharine Weißgerber auf dem Ehrenfriedhof im Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken
Grab von Katharine Weißgerber auf dem Ehrenfriedhof im Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken

Mitten im Schlachtgetümmel am Spicherer Berg im Jahr 1870 war sie es, die nicht Freund oder Feind unterschied, sondern allen selbstlos half und dabei ihr eigenes Leben riskierte. Die als „Schultze Kathrin" bekannt gewordene Bergmannstochter arbeitete als Haus- und Kindermädchen in einer Saarbrücker Familie. Als französische Truppen zu Beginn des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 in Saarbrücken einfielen, versorgte sie einen Schwerverwundeten und kümmerte sich darum, dass er im Sterben geistlichen Beistand erhielt.

Die Erfahrung, einem Soldaten in schwerster Stunde geholfen zu haben, war wohl der Antrieb für sie, auch zu Hilfe zu eilen, als am 6. August preußische Truppen die Spicherer Höhen erstürmten und sich mit den Franzosen eine militärstrategisch wenig bedeutsame, aber sehr blutige Schlacht lieferten. Aus freien Stücken lief sie zwischen den kämpfenden Soldaten hin und her und kümmerte sich, ohne an die eigene Sicherheit zu denken, um Verwundete und Sterbende beider Kriegsparteien.

Immerhin führte dies dazu, dass im heutigen Saarland fast niemand mehr die Namen der kriegsführenden damaligen Generäle kennt, wohl aber die aus Schwarzenholz, einem heutigen Ortsteil der Gemeinde Saarwellingen, stammende Schultze Kathrin vielen etwas bedeutet.

Auch Preußenkönig Wilhelm, der wenig später zum ersten deutschen Kaiser ausgerufen wurde, erfuhr von dem heldenhaften Einsatz der damals 52-jährigen Frau. Er verlieh ihr das Verdienstkreuz für Frauen und Jungfrauen.

Katharine Weißgerber, genannt Schultze Kathrin, starb am 06. August 1886, auf den Tag genau sechzehn Jahre nach der Spicherer Schlacht. Sie wurde auf dem Ehrenfriedhof für die 1870/71 Gefallenen beerdigt. Dieses „Ehrental" genannte Gelände ist heute Teil des Deutsch-Französischen Gartens in Saarbrücken. Der Grabstein trägt die Inschrift: „Dem heldenmütigen Mädchen zum ehrenden Gedächtnis gewidmet von ihren Mitbürgern." 

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Bildnachweise:
- Vorschaubild oben links: Foto von Katharine Weißgerber, Datum vor 1900, (bearb.)
- Foto: "Grab von Schultze Kathrin auf dem Ehrenfriedhof im Deutsch-Französischen Garten": Florian Russi