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Die verlassene Schule bei Tschernobyl - Lost Place

Nic

Am 26. April 1986 kam es im Atomkraftwerk Tschernobyl zu einer der schlimmsten Nuklearkatastrophen. Die freigesetzte Radioaktivität entsprach dem zehnfachen der Atom-Bombe von Hiroshima 1945. Erst drei Tage später wurde die 3 km entfernte Stadt Prypjat evakuiert und alle Bürger mussten ab 14 Uhr "vorübergehend" ihren Wohnort verlassen. Seither ist die Mittelschule der Stadt verwaist.

30 Jahre Leerstand hinterlassen Ihre Spuren. Doch genau die machen den Ort sehenswert. Der Großteil der Mittelschule ist in einem unberührten Verfallszustand. Die Wände verlieren ihre Farbe, die alten Schulbücher erinnern an den einstigen Schulalltag. Das Heft zeigt Klassenräumen, Flure, die Turnhalle und die große Schulaula.

Das Heft bietet in der Mitte ein doppelseitiges Poster.

ISBN: 978-3-86397-121-2

Preis: 3,00 €

Zweikönigstreffen im Hause Boch

Zweikönigstreffen im Hause Boch

Florian Russi

Ein Kronprinz auf Saarlandreise

Jean-François Boch
Jean-François Boch
Im Jahr 1833 bereiste der preußische Kronprinz Friedrich Wilhelm (1795-1861) das Gebiet der unteren Saar. Es gehörte zur damaligen Rheinprovinz, die beim Wiener Kongress 1815 Preußen zugesprochen worden war. Der Vater des Kronprinzen, Preußenkönig Friedrich Wilhelm III, hatte ihn 1830 beauftragt, sich in dem zugewonnenen Gebiet umzusehen und Projekte zu entwickeln, welche die preußische Präsenz dokumentierten. Geeignete Logiermöglichkeiten gab es in der Region für den Prinzen kaum, und so nahm er gerne die Einladung des Mettlacher Unternehmers Jean-François Boch (1782-1858) an. Beim Abendessen eröffnete ihm sein Gastgeber, dass er an diesem Tag die Ehre habe, zwei königliche Hoheiten unter seinem Dach zu beherbergen. Auf die verwunderte Nachfrage des Prinzen erzählte ihm Boch, dass er die Gebeine des 1346 in der Schlacht von Crécy gefallenen „blinden Königs von Böhmen" in einer Truhe aufbewahre. Johann II. von Böhmen stammte aus dem Hause Luxemburg. Sein Vater war der deutsche Kaiser Heinrich VII. Nach Johanns Tod wurde seine Leiche in die Benediktinerabtei von Luxemburg verbracht. Wegen Umbauten musste sie dann zweimal umgebettet werden und gelangte schließlich in den Besitz eines Bäckermeisters, der sie Jean-François Boch überantwortete.
Die Fabrik Boch in Mettlach (zeitgenössischer Stich)
Die Fabrik Boch in Mettlach (zeitgenössischer Stich)

Friedrich Wilhelm zeigte sich sehr an dieser Geschichte interessiert. Vier Männer aus dem Geschlecht der Luxemburger waren römisch-deutsche Könige und Kaiser gewesen und Friedrich-Wilhelm zählte Johann II. zu seinen Vorfahren. Er ließ sich die Truhe mit den sterblichen Überresten des „blinden Königs" übergeben und sie in einen Sarkophag in die Kasteler Klause verbringen.

Diese Geschichte hörte ich erstmals in einer Runde von Kanuten, Lehrern und Heimatforschern. Sie ist historisch belegt. Nicht zutreffend war dagegen die andere in diesem Kreis geäußerte Meinung, wonach die Familie Boch geadelt worden sei, weil der Kronprinz bei keinem bürgerlichen Gastgeber hätte wohnen dürfen. In Wirklichkeit wurde erst Jean-François‘ Sohn Eugen Boch, der als sein Nachfolger viele Jahre die Firma führte und Mitglied des Landtags der preußischen Rheinprovinz war, wegen seiner unternehmerischen und gesellschaftlichen Verdienste im Jahr 1892 in den erblichen Adelsstand erhoben.

 

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Bildnachweise:
- Vorschaubild: Friedrich Wilhelm IV als Kronprinz. Quelle: Wikipedia
- Jean-François Boch. Quelle: Wikipedia
- Fabrik und Firmensitz in Mettlach (zeitgenössischer Stich)

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