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Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

Viez

Viez

Florian Russi

Süffiges aus dem nördlichen Saarland

Vom lateinischen Wort „Vice" = Stellvertreter hat er seinen Namen. Wen oder was aber sollte er vertreten? Die Römer tranken viel Wein, schon um das nicht immer keimfreie Leitungswasser damit zu desinfizieren oder schmackhafter zu machen. Wo immer möglich, wurde deshalb von ihnen Wein angebaut. So auch an der Mosel, die in ihrem Oberlauf ein Schiefergebirge durchfließt, das für den Weinbau besonders geeignet ist und ebenso an der oberen Saar. Die Nachfrage war groß, doch nicht immer war genug davon da, nicht jede Region war für den Anbau geeignet und manche Menschen konnten sich den Wein nicht leisten. Da kam irgendjemand auf die Idee, Äpfel statt Weintrauben zu keltern und daraus ein alkoholisches Getränk zu gewinnen, das den Wein ersetzte also dessen Vice, Stellvertreter, wurde. In Frankreich nannte man es „cidre", in Südwestdeutschland „Apfelwein" in Frankfurt / Main „Äppelwoi". Im Saarland aber setzte sich kurz und griffig der Name Viez durch.

Als ein besonders geeignetes Apfelanbaugebiet erwies sich schon damals das Gebiet um Merzig, später auch als „Merziger Apfelkiste" bezeichnet. Zu Hause in Saarlouis hatten wir immer ein Fass Viez im Keller. Für regelmäßigen Nachschub sorgte der Bauer Oberkonz aus Mechern, der auch ein hervorragender Flötist war. Sein Apfelwein schmeckte recht herb. Das hatte aus der Sicht unserer Eltern den Vorteil, dass wir Kinder selten in Versuchung kamen, heimlich ans Fass zu gehen und von seinem Inhalt zu trinken. Der Akoholgrad war, so erinnere ich mich, nicht gerade gering.

Neulich war ich im Parkhotel in Weiskirchen zu Gast und habe ein Glas Viez bestellt. Man brachte mir einen aus der Merziger Apfelmosterei. Er schmeckte mild, ausgesprochen süffig und erfrischend. Ich war sehr überrascht. Merzig und das Saarland sollten mit diesem Getränk „mehr daher machen".

 

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Fotos: Florian Russi