Saarland Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.saarland-lese.de

Weiterempfehlen

Unser Leseangebot

Sesenheimer Liebeslyrik

Florian Russi

Während seines Studiums in Straßburg lernte Johann Wolfgang von Goethe die Sesenheimer Pfarrerstochter Friederike Brion kennen. Die beiden verliebten sich ineinander und Goethe wurde durch Friederike zu wundervollen Gedichten angeregt.

Einige von ihnen (Heideröslein, Mailied, Willkommen und Abschied u. a.) zählen zu seinen besten und beliebtesten überhaupt. In diesem Heft sind sie vorgestellt und mit Bildern und Erläuterungen angereichert.

Viez

Süffiges aus dem nördlichen Saarland

Vom lateinischen Wort „Vice" = Stellvertreter hat er seinen Namen. Wen oder was aber sollte er vertreten? Die Römer tranken viel Wein, schon um das nicht immer keimfreie Leitungswasser damit zu desinfizieren oder schmackhafter zu machen. Wo immer möglich, wurde deshalb von ihnen Wein angebaut. So auch an der Mosel, die in ihrem Oberlauf ein Schiefergebirge durchfließt, das für den Weinbau besonders geeignet ist und ebenso an der oberen Saar. Die Nachfrage war groß, doch nicht immer war genug davon da, nicht jede Region war für den Anbau geeignet und manche Menschen konnten sich den Wein nicht leisten. Da kam irgendjemand auf die Idee, Äpfel statt Weintrauben zu keltern und daraus ein alkoholisches Getränk zu gewinnen, das den Wein ersetzte also dessen Vice, Stellvertreter, wurde. In Frankreich nannte man es „cidre", in Südwestdeutschland „Apfelwein" in Frankfurt / Main „Äppelwoi". Im Saarland aber setzte sich kurz und griffig der Name Viez durch.

Als ein besonders geeignetes Apfelanbaugebiet erwies sich schon damals das Gebiet um Merzig, später auch als „Merziger Apfelkiste" bezeichnet. Zu Hause in Saarlouis hatten wir immer ein Fass Viez im Keller. Für regelmäßigen Nachschub sorgte der Bauer Oberkonz aus Mechern, der auch ein hervorragender Flötist war. Sein Apfelwein schmeckte recht herb. Das hatte aus der Sicht unserer Eltern den Vorteil, dass wir Kinder selten in Versuchung kamen, heimlich ans Fass zu gehen und von seinem Inhalt zu trinken. Der Akoholgrad war, so erinnere ich mich, nicht gerade gering.

Neulich war ich im Parkhotel in Weiskirchen zu Gast und habe ein Glas Viez bestellt. Man brachte mir einen aus der Merziger Apfelmosterei. Er schmeckte mild, ausgesprochen süffig und erfrischend. Ich war sehr überrascht. Merzig und das Saarland sollten mit diesem Getränk „mehr daher machen".

 

*****

Fotos: Florian Russi