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Sesenheimer Liebeslyrik

Florian Russi

Während seines Studiums in Straßburg lernte Johann Wolfgang von Goethe die Sesenheimer Pfarrerstochter Friederike Brion kennen. Die beiden verliebten sich ineinander und Goethe wurde durch Friederike zu wundervollen Gedichten angeregt.

Einige von ihnen (Heideröslein, Mailied, Willkommen und Abschied u. a.) zählen zu seinen besten und beliebtesten überhaupt. In diesem Heft sind sie vorgestellt und mit Bildern und Erläuterungen angereichert.

Vom Rummelbooze zu  Halloween

Vom Rummelbooze zu Halloween

Herbert Kihm

Ein altes Brauchtum im Wandel

Für "Rübengeister-Bräuche" können verschiedene Kürbisse und Rüben benutzt werden.
Für "Rübengeister-Bräuche" können verschiedene Kürbisse und Rüben benutzt werden.

Rummelboozze, Rummelbòòzen:

Rummelbooze ist ein Wort aus dem rheinfränkischen Teil, Rummelbòòzen aus dem moselfränkischen Sprachraum des Saarlandes, das in Ostfriesland mit Kipkapköögels, in der Oberlausitz Flenntippln, in Schwaben mit Riabagoaschtern zu bezeichnen wäre. Es würde in hochdeutscher Übersetzung ungefähr soviel wie „Rübengeist" bedeuten. Dabei handelt es sich eigentlich nicht um einen Geist, sondern um eine ausgehöhlte Futterrübe mit einem eingeschnitzten furchterregenden Gesicht. Damit das Ganze im Dunklen wirklich gruselig wirkt, steckt man noch eine Kerze oder eine Glühlampe hinein.

Unter dem Begriff „Rübengeister" versammelt sich eine Gruppe von Bräuchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die vor allem Ende Oktober - Anfang November d.h. rund um Allerheiligen hauptsächlich von Kindern auf dem Land ausgeübt werden. Wichtigster Bestandteil dieser Bräuche ist wie gesagt das Aushöhlen von Futter- oder Zuckerrüben, welchen anschließend ein lustiges oder schauriges Gesicht geschnitzt wird.

Über die Geschichte der kunstvoll gestalteten Rüben

Die Rummelbooze reihen sich ein in die verschiedenen regionalen Licht-, Wärme- und Erntedank-Traditionen. Die Ursprünge des Brauches sind nicht eindeutig geklärt. Jedoch ähnelt das Rübengeistern in seinem heutigen Ablauf stark dem irisch-amerikanischen Halloween, allerdings mit dem wesentlichen Unterschied, dass keine Verkleidungen zum Einsatz kommen. Eine Abgrenzung beider Bräuche ist trotz der vielfach gehörten Behauptung, dass das Rübengeistschnitzen mit Halloween wenig zu tun habe, vielfach kaum noch möglich.

Rummelbooze
Rummelbooze

Rummelbooze/Rummelbòòzen: Saarland

Im Saarland ist bzw. war der Brauch weit verbreitet. Das Wort „Rummel" steht für Futterrübe und „Booze" für Verkleidung/Vermummung, wie z.B. der Faasebooze für Personen, die ein Fastnachtskostüm tragen.

Der Rummelbooze wird im Saarland meist vor der Haustür oder auf eine Fensterbank gestellt, damit er von außen gut sichtbar ist. Üblich war früher auch eine Verkleidung mit einem weißen Leintuch. Im Saarland hatte der Brauch seinen Höhepunkt in den 1920er bis 1950er Jahren. Insbesondere die Umstellung der Landwirtschaft auf Mais- statt Rübenanbau sorgte jedoch dafür, dass der Brauch heute fast ausgestorben ist.

In Niedaltdorf (Niedaltdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Rehlingen-Siersburg im Landkreis Saarlouis) versucht die Dorfgemeinschaft den Brauch jedoch seit einigen Jahren wieder aufleben zu lassen. (Das Saarländische Halloween, Bei dem alten Brauch, ... In Niedaltdorf wird der Brauch heute noch gepflegt, 31-10-2014, Sendung des ZDF.) Ein Bauer baut die Rüben eigens deshalb wieder an. 2012 entstanden so 160 Rummelbooze (wikipedia).

Halloween:

Halloween wurde ursprünglich nur in katholisch gebliebenen Gebieten der britischen Inseln gefeiert, vor allem in Irland. Von dort kam es mit den zahlreichen irischen Auswanderern im 19. Jahrhundert in die Vereinigten Staaten und gehörte zum Brauchtum dieser Volksgruppe. Aufgrund seiner Attraktivität verbreitete es sich bald und entwickelte sich zu einem wichtigen Volksfest in den Vereinigten Staaten und Kanada.
Jack o’Lantern
Jack o’Lantern

Der Brauch, Kürbisse zum Halloweenfest aufzustellen, stammt wie gesagt aus Irland. Dort lebte einer Sage nach der Bösewicht Jack Oldfield. Dieser fing durch eine List den Teufel ein und wollte ihn nur freilassen, wenn er Jack O fortan nicht mehr in die Quere kommen würde. Nach Jacks Tod kam er aufgrund seiner Taten nicht in den Himmel, aber auch in die Hölle durfte Jack natürlich nicht, da er ja den Teufel betrogen hatte. Doch der Teufel erbarmte sich und schenkte ihm eine Rübe und eine glühende Kohle, damit Jack durch das Dunkel wandern könne. Der Ursprung des beleuchteten Kürbisses war demnach eine beleuchtete Rübe, doch da in den USA Kürbisse in großen Mengen zur Verfügung standen, höhlte man stattdessen einen Kürbis aus. Dieser Kürbis war seither als Jack O'Lantern bekannt. Um böse Geister abzuschrecken, schnitt man Fratzen in Kürbisse, die vor dem Haus den Hof beleuchteten.

Zu diesem Brauch in Nordamerika, der sich in Deutschland mehr und mehr ausbreitet (auch durch entsprechende Bewerbung in den Medien und Kommerzialisierung) gehört es, dass Kinder von Haus zu Haus gehen und mit „Süßes, sonst gibt's Saures" (verkürzt: „Süßes oder Saures", englisch: trick or treat - „Streich oder Leckerbissen") die Bewohner auffordern, ihnen Süßigkeiten zu geben, weil sie ihnen sonst Streiche spielen. Verkleidungen sind zu Halloween nicht nur sehr beliebt, sondern gehören unbedingt dazu. Kinder wie Erwachsene verkleiden sich als Feen, Fledermäuse, Geister, Hexen, Kürbisse, Skelette, Zombies, Tote, Vampire und Ähnliches.

Halloween heute, eine weltweit verbreiteter Partyspaß:

Zu einem Party-Event entwickelte sich Halloween zuerst in Amerika. Dort wird Halloween mit Monster-Kostümen, Gehirn-Wackelpudding und Friedhofs-Romantik gefeiert - und hat einen ähnlichen Stellenwert wie hierzulande der Karneval.

Geschnitzte Kürbisse
Geschnitzte Kürbisse

Diese amerikanische, lustige Variante des Halloween-Festes hat inzwischen auch Deutschlands Privatpartys und Discotheken längst erreicht und die Rummelbooze längst verdrängt. Gleichgesinnte treffen sich zum "Dance of the Dead" oder einer "Beiß-Mich-Party" und die Medien werden nicht müde, uns „Stars im Halloween-Fieber" vorzuführen. Natürlich gehört zu einer zünftigen Party auch das entsprechende Essen und Trinken: Wie wär's z.B. mit „Friedhofserde"(eine Art Schokopudding), mit „Schimmeligem Brot", mit „Glubschaugenbowle" oder „Augäpfel in Eiter" (alle Halloweenrezepte im Internet zu finden).

Inzwischen hat der Handel den kommerziellen Wert von Halloween erkannt und bietet ein breites Sortiment an Grusel-Utensilien: von Masken und Kostümen über Gummi-Spinnen und -schädel bis zu Dekorationsartikeln für den Partyraum. Natürlich dürfen auch Kürbisse nicht fehlen - echte, aus Kunststoff oder auch gedruckte als Aufkleber.

So sehen die Einen in Halloween einen beliebten Anlass zum schaurigen Verkleiden, die Anderen eher einen Auswuchs der Spaßgesellschaft. Tatsache ist, dass sich über die Jahrhunderte ein vollständiger Wandel der Bedeutung vollzog. Ein ursprünglich wohl keltischer Totenkult wurde christlich überformt - die Kirche bezeichnete das heidnische Fest im 9. Jahrhundert als "All Hallows Eve", als den Abend vor Allerheiligen am 1. November. Evangelische Christen erinnern am 31. Oktober mit dem Reformationstag daran, dass der Mönch Martin Luther 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen hat, und schlussendlich entwickelte sich das Fest zu einer „Spaßveranstaltung mit einem gewissen „Gothic-Touch".

 

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Bildnachweis:
- Vorschaubild: Halloween-Kürbis, Urheber: Der Schueler, CC-BY-SA-3.0, via wikipedia
- Foto oben rechts "Kürbisse und Rüben für Rübengeister-Bräuche": Rita Dadder
- Rommelbooze (Runkelrübe, Zuckerrübe, Kelten, Brauchtum). Urheber: LoKiLeCh, CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons.
- Jack o'Lantern (made for the Holywell Manor Halloween celebration in 2003). Urheber: Toby Ord, CC-BY-SA-2,5 via Wikimedia Commons
- Geschnizte Kürbisse (Carved_pumpkins). Urheber: Sarah Stierch, CC BY SA 4.0, via Wikimedia Commons