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Schloss am Strom von Christoph Werner

Christoph Werner:
Schloss am Strom
Die Geschichte vom Leben und Sterben des Baumeisters Karl Friedrich Schinkel.

Die Klause bei Kastel

Wo Kelten, Römer und Franziskaner das Saartal im Blick hielten und ein blinder König seine Ruhe fand

Wenn mein Vater ausländische Gäste hatte, gehörte neben der Saarschleife und dem römischen Mosaikboden in Nennig auch ein Besuch der Kasteler Klause zum Standardprogramm. Ein Gast aus Frankreich war von der Idylle so angetan, dass er anerkennend zu seinen Begleitern sagte: „Il connait bien son coin" - zu deutsch etwa: „Er kennt sich gut aus in seiner Heimat". — Zugegeben, politisch gehört der Ort nicht mehr zum Saarland, wenn man von einer kurzen Periode von 1946 bis 1947 absieht. Doch er liegt unmittelbar im Grenzgebiet, neun Kilometer von Mettlach entfernt, im romantischsten Teil des Saartals, der vor der Saarschleife beginnt und hinter Saarburg endet.
Blick von der Klause ins Saartal
Blick von der Klause ins Saartal

Dreifach interessant ist diese Stelle: durch ihre Lage, ihre bauliche Gestaltung und durch ihre Geschichte. Kelten, Römer, Franziskaner und Preußen haben hier gelebt, gewirkt und ihre Spuren hinterlassen. Das Hochplateau, das sich zwischen der Klause am Hang zum Saartal und dem heutigen Ort Freudenberg erstreckt, wurde schon im 4. Jahrhundert von Kelten besiedelt. Es waren die Vorfahren des Stammes der Treverer, die in Caesars Bericht „Vom Gallischen Krieg" eine Rolle spielen und von denen die älteste Stadt im heutigen Deutschland, Trier, ihren Namen hat. Die Kelten errichteten auf dem Plateau ein Oppidum, eine befestigte Stätte, innerhalb deren Mauern die Bewohner in Holzhäusern lebten.

Nachdem Caesar die Treverer besiegt und ganz Gallien bis zum linken Ufer des Rheins unter römische Herrschaft gebracht hatte, übernahmen die Römer das Oppidum und bauten es aus zu einem Castellum, einem Militärlager, das dazu beitragen sollte, Roms Machtanspruch im Gebiet der unteren Saar zu sichern. Der Ort war hierfür bestens geeignet. Vom Felshang, an dem sich heute die Klause befindet, hat man einen weiten Blick über das Saartal und dessen Zugänge von und nach Trier.

Kirche "St. Johannes der Täufer" erbaut im 12./13. Jahrhundert
Kirche "St. Johannes der Täufer" erbaut im 12./13. Jahrhundert

Schon früh scheint die Siedlung christianisiert worden zu sein. Umgeben von einem kleinen Friedhof steht nahe dem Hang zum Saartal und unweit der Klause eine Kirche, deren Ursprung auf das 5. Jahrhundert nach Christus datiert wird. Bis 1442 war sie die Pfarrkirche des Ortes. Ihr Turm entstand im 12., das Kirchenschiff im 13. Jahrhundert. Romanische und gotische Stilelemente bestimmen bis heute das Bauwerk. Das Gelände um die Kirche diente schon zur Römerzeit als Begräbnisstätte. Nach dem 2. Weltkrieg wurde unmittelbar daran anschließend ein Ehrenfriedhof für gefallene Soldaten angelegt.

Direkt hinter dem Soldatenfriedhof beginnt das Anwesen um die Klause. Es umfasst einen Teil des felsigen, von Sträuchern und Bäumen bewachsenen Berghangs zum Saartal, rund um den Ort, an dem die römischen Soldaten ihren Beobachtungsposten unterhielten. An dessen Stelle findet man heute die Klause, die um das Jahr 1600 von Franziskaner-Eremiten errichtet wurde. Sie ist teilweise in ein Massiv aus Buntsandstein eingehauen und andernteils daran angebaut.

Die Klause ist teilweise in den Fels eingehauen und teilweise angebaut.
Die Klause ist teilweise in den Fels eingehauen und teilweise angebaut.

Der Name „Klause", entstammt dem lateinischen Wort „claudere", das zu- bzw. einschließen bedeutet. Im kirchlich-religiösen Bereich bezeichnet es einen Raum, in den Mönche, Nonnen oder Eremiten sich zurückziehen und vom „weltlichen" Leben abgeschlossen sind. Auch das Kloster hat von „claudere" seinen Namen. Durch die Franziskaner-Mönche wurde der Ort im 17. Jahrhundert zu einer beliebten Wallfahrtsstätte.

Nach dem Ende der napoleonische Kriege waren 1815 auf dem Wiener Kongress viele linksrheinische Gebiete, darunter auch das Land an der Saar, dem Königreich Preußen zugesprochen worden. Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. betraute seinen Sohn und späteren Thronfolger Friedrich Wilhelm im Jahr 1830 damit, die Präsenz Preußens in dem als „Rheinprovinz" bezeichneten Gebiet zu verdeutlichen. Herrschaft dokumentierte sich zur damaligen Zeit besonders in Prachtbauten, Schlössern, Burgen und Denkmälern. Deshalb beauftragte Friedrich Wilhelm den genialen Baumeister Friedrich Schinkel mit dem Bau bzw. der Sanierung von Monumenten, mit denen Preußens Gloria sich in den hinzugewonnen Regionen präsentieren konnte. So restaurierte und erweiterte Schinkel auch die Klause und die sie umgebenden Anlagen in klassizistisch-neuromanischem Stil.

Sarkophag in der Klausenkapelle
Sarkophag in der Klausenkapelle

Bei einem Besuch, den Friedrich Wilhelm im Jahr 1833 dem saarländisch-luxemburgisch-lothringischen Industriellen Jean-Francois Boch abstattete, hatte ihm dieser berichtet, dass er in einer Truhe die Gebeine von Johann II., dem „blinden König von Böhmen" ausbewahre. Johann II. lebte von 1296 bis 1346 und stammte aus dem Hause Luxemburg. Erfolgreich hatte er auf vielen Turnieren gekämpft und galt als der „letzte Ritter" in Europa. Gern wäre er wie sein Vater Heinrich VII. römisch-deutscher König und Kaiser geworden, doch fand er nicht die Unterstützung der Kurfürsten. Im Jahr 1310 wurde er stattdessen König von Böhmen und 1313 Graf von Luxemburg. Durch Krankheit verlor er sein Augenlicht, weshalb er als „blinder König" in die Geschichte einging.

Schon erblindet ergriff er im sog. „Hundertjährigen Krieg" aktiv Partei auf Seiten Frankreichs gegen England und kam 1346 in der berühmten Schlacht von Crécy ums Leben. Die siegreichen Engländer erwiesen seiner Leiche Respekt und ließen sie in das Benediktinerkloster von Luxemburg bringen. Von dort wurde sie noch zweimal umgebettet und gelangte schließlich in den Besitz eines Bäckermeisters, der sie Jean François Boch überantwortete.

Friedrich Wilhelm ließ sich Johanns sterbliche Überreste von J. F. Boch übergeben und sie in einem ebenfalls von Schinkel entworfenen Sarkophag in der Klause aufbewahren. Dort ruhten sie bis zum Jahr 1946. Danach wurden sie in den Dom von Luxemburg verbracht.

An das Wirken des Erbprinzen und späteren Königs erinnert eine Gedenktafel mit dem Text:
„Des ... Königs Friedrich Wilhelm IV. hoher Sinn hat diese Römer Veste der Vergessenheit entrissen. Er hat der irdischen Hülle des stamm verwandten Heldenkönigs Johann von Böhmen hier ein Ruhestätte erbaut."

Bis heute ist die Kasteler Klause ein Ort der Geschichte und der Romantik, den zu besuchen sich lohnt.

 

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Literatur:
Werner Bornheim gen. Schilling, Klause bei Kastel, Hrsg.: Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz, Koblenz 2008.

Fotos: Florian Russ             

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Diesen Beitrag widme ich dem freundlichen Verwalter der Kasteler Klause, Herrn Norbert Krause.

Florian Russi