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Hans-Jürgen Malles
Kennst du Friedrich Hölderlin?

Seine Werke gehört neben denen Goethes und Schillers zu den bedeutendsten der deutschen Klassik, auch wenn sein Leben im Wahnsinn endete. Eine Hinführung zum Verständnis von Hölderlins Persönlichkeit und Werk bietet Deutschlehrer Malles hier. Der Leser erhält Einblicke in ein facettenreiches Leben voller Höhen und Tiefen und darf teilhaben an Hölderlins Begeisterung für die Französische Revolution und die griechische Antike. Auch die Liebe zu Susette Gontard soll nicht unerwähnt bleiben.

St. Wendelins Grablegung

St. Wendelins Grablegung

Hans Leiner

St. Wendelin als Schäfer - Statue am Brunnen in St. Wendel
St. Wendelin als Schäfer - Statue am Brunnen in St. Wendel

 

Noch bevor Bonifatius der „Apostel der Deutschen", von Papst Gregor II. den Auftrag erhielt, den ungläubigen Völkern östlich des Rheins „das Geheimnis des Glaubens bekannt zu machen", kam der irische Mönch Wendelinus in das Gebiet des nördlichen Saarlands, um dort im Auftrag des Bischofs von Trier der Bevölkerung den christlichen Glauben zu vermitteln. Die ebenfalls im Land an der Saar im Gebiet des heutigen Berus als Krankenhelferin und Missionarin wirkende heilige Oranna soll seine Schwester gewesen sein. 

Wendalinus war ein sehr frommer Mann. Er lebte das sog. „weiße Martyrium" vor, das heißt, er war äußerst bescheiden und aufopferungsvoll und half seinen Mitmenschen vor allem durch seine Heilkunst und seine Kenntnisse in der Land- und Viehwirtschaft. Bald sprach sich auch herum, dass er Wunder zu wirken im Stande war.

Um leben zu können, verdingte er sich bei einem Gutsherrn als Viehhirt. Bis heute wird er deshalb auch als Schutzpatron der Hirten verehrt. Am liebsten hielt sich Wendalinus in einer von ihm errichteten Klause auf, wo er wie ein Eremit lebte, betete, arbeitete und studierte.

Als Wendelin starb, beerdigte man ihn vor dem Hochaltar der Klosterkirche von Tholey. Doch schon bald war das Grab aufgebrochen und der Sarg stand mitten in der Kirche. Man stellte ihn in seine Gruft zurück, doch wenig später fand man das Grab wieder geöffnet und den Sarg auf dem Kirchenboden stehend. Als sich dies ein weiteres Mal wiederholte, sagten sich die Gläubigen: „Es ist klar erkennbar, dass der Heilige an einem anderen Ort beerdigt werden will".
Sarg des Hl. Wendelin in der Basilika St. Wendel
Sarg des Hl. Wendelin in der Basilika St. Wendel

Sie nahmen den Sarg, luden ihn auf einen Wagen und spannten zwei Ochsen davor. Sofort setzten die Ochsen sich in Bewegung und zogen den Wagen wie von unsichtbarer Hand gelenkt bis zu dem Ort, an dem Wendalinus seine Klause errichtet hatte. Dort blieben sie stehen und weigerten sich weiterzugehen. Da waren die Hinterbliebenen überzeugt, dass es der Wunsch des Heiligen war, an dieser Stelle beerdigt zu werden. So geschah es denn auch, und bald schon kamen aus allen Richtungen Pilger herbei und im Land verbreitete sich die Kunde von vielen Wundertaten, die St. Wendelin an ihnen gewirkt hatte. Zunächst baute man über seinem Grab eine Kapelle und schließlich, nachdem die Pilger immer mehr Opfergaben herbeibrachten, eine große Wallfahrtskirche. 

Um diese Kirche siedelten sich immer mehr Gläubige an, bauten Hütten und Häuser, Straßen und Anlagen. So entstand die heutige Kreisstadt St. Wendel, die nicht nur den Namen des populären Heiligen führt, sondern auch seine sterblichen Reste und sein geistiges Erbe bewahrt.

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Sage nacherzählt von Hans Leiner
Textquellen:
-Sagen, Märchen und Legenden aus dem Saarland, gesammelt von Helge Dettmer, herausgegeben von der Saarbrücker Zeitung, Phönix Werbung und Verlag, Lahn 1988.
- mündliche Überlieferung
Bildnachweise:
- Vorschaubild: Wendelinus-Statue in der Basilika St. Wendel (Barock). Urheber: EPei; CC BY-SA 3.0; via Wikipedia
- Foto: Wendelinus als Schäfer am Brunnen in St. Wendel . Urheber Lokilech; CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
- Foto: Sarg des heiligen Wendelinus in St. Wendel. Urheber Lokilech; CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons