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Unser Leseangebot

Goethe hat ihn bewundert

Goethes Begegnungen mit Felix Mendelssohn Bartholdy.

Horst Nalewski

Der Musikkenner und international geachtete Literaturwissenschaftler Horst Nalewski erzählt anhand fünf ausgewählter Beispiele von dem außergewöhnlichen Aufeinandertreffen und Zusammenwirken zweier Künstler. Eine CD mit den Musikstücken liegt diesem Büchlein bei.

Der Teufelsschornstein auf dem Eisenkopf

Der Teufelsschornstein auf dem Eisenkopf

Wandert man von Mettlach die Saar entlang weiter zu Tal, so kommt man nach Saarhölzbach. Gegenüber liegt der Eisenkopf. Ein Felsblock am Bergabhang heißt der „Deuwelsschurschde". Man weiß auch, wie er zu dem Namen gekommen ist.

In Petschbach lebte einmal ein Schmied, das war ein großer starker Mann, der den Amboss mit Leichtigkeit über den Kopf hob. Dabei war er aber ein arger Raufbold, fluchte wie ein Türke und glaubte weder an Gott noch Teufel. Woher er gekommen war, wusste man nicht.

Als er eines Tages Hufeisen schmiedete, sprang das erste, das er fertig zur Seite schob, entzwei. Da fluchte er laut, nahm ein zweites unter den Hammerschlag, aber auch dies zersprang. Da nahm er ein drittes und schrie wütend: „Wenn das wieder zerspringt, soll auch mich der Teufel holen!" Und es zersprang wieder. Gleich stand auch der Teufel vor ihm. Da besann sich der Schmied kurz und sagte, er wolle mitgehen, aber der Teufel müsse vorher noch ein Probestück abgeben. Der Teufel war's zufrieden, und in der Nacht wollten sie sich auf dem Eisenkopfe treffen.

Der Schmied erwartete den Teufel dort in einer hohlen Buche und hatte seinen schwersten Zuschlaghammer zur Hand. Plötzlich tat sich die Erde auf, dicker Qualm kam heraus und der Teufel erschien. Nun sagte der Schmied zu ihm, er solle von 12 bis 1 Uhr alle Grenzmarksteine des Trierer Landes hier zusammenbringen, und von 1 bis 3 Uhr alle wieder einsetzen, aber verwechselt. Da pfiff der Teufel und aus dem Teufelsschornstein stiegen unzählige Gesellen von ihm hervor, und Schlag 12 ging es an die Arbeit.

Bald regnete es Grenzsteine, und noch vor 1 Uhr lagen alle zusammen. Als es aber ans Zurückbringen ging, gab es Streit unter den Teufeln, keiner wollte nach den Orten hin, die am weitesten weg lagen.

Da schaffte der Schmied heimlich einen Stein beiseite, zerschlug ihn mit seinem Hammer zu Staub und trug den eiligst zu dem nahen Bach. Dann lief er in seine Buche zurück. Kaum war er darin, da kamen auch schon die Teufel und wollten ihn holen, denn alle Steine wären fortgeschafft. Der Schmied sagte aber, es fehle noch einer. Da merkten die Teufel, was geschehen war und drangen wütend auf ihn ein. Aber der Schmied schlug sie auf die Köpfe, die klirrten wie Eisen. Endlich aber hatte er keine Kraft mehr, da gelobte er in seiner Angst, ein besserer Mensch zu werden, wenn er mit heiler Haut davon käme.

Da schlug von Mettlach her die Turmuhr drei, und mit lautem Gebrüll flohen die Teufel zum Teufelsschornstein hinein und verschlossen ihn mit einem Felsblock.
Der Schmied aber sank zu Boden. Als er wieder zu sich kam, war er grau geworden. Er wankte zu seiner Hütte, zerstörte sie, warf das Werkzeug in die Saar und pilgerte in das Heilige Land, um dort Buße zu tun bis an sein Lebensende.

Der Berg aber, auf dem er den Teufeln die Köpfe gedroschen hat, heißt heute noch der Eisenkopf.

 

*****

Diese Sage entdeckte unser Autor Herbert Kihm in seinem alten Lesbuch:
Schau ins Land, Lesebuch für Neun-und Zehnjährige, Herausgegeben im Auftrag des Ministeriums für Kultus, Unterricht und Volksbildung von saarländischen Lehrern, West-Ost-Verlag, Saarbrücken, ohne Jahreszahl.

Illustrationen:
- Vorschaubild: C.v. Briesen, Urkundliche Geschichte des Kreises Merzig Saarlouis, 1863, Lithographie von Mettlach mit Altem Turm, 1863. bearb. von Herbert Kihm
- Bild im Text: "Porträt des Pat Lyon in der Schmiede" Ölbild von John Neagle (1829). bearb. von Herbert Kihm.