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Karlheinz Fingerhut 
Kennst du Franz Kafka?

Was für ein komischer Kauz muss dieser Kafka wohl gewesen sein, dass kaum ein Lehrer so recht weiß, wie ihn vermitteln. Dabei ließen sich Kafkas Texte mit Träumen vergleichen, und die kennt doch jeder.
Karlheinz Fingerhut ermöglicht in diesem Buch einen leichteren Zugang zum Menschen Kafka und zu seinen teils verwirrenden Werken.

Wallerfangen

Repräsentantin saarländischer Geschichte

Pfarrkirche St. Katharina
Pfarrkirche St. Katharina

Im westlichen Saarland, im Grenzgebiet zu Frankreich, liegen idyllisch im Saartal und über den anschließenden Saarlouiser Gau verteilt, die 11 Ortsteile der Gemeinde Wallerfangen. Das Gebiet war, wie Funde bezeugen, schon in der Jungsteinzeit (3500-2500 v. Chr.) besiedelt. Auch Kelten, Römer, Franken, Lothringer, Franzosen und Deutsche ließen sich später dort nieder und hinterließen ihre Spuren. Im Jahr 962 n. Chr. wurde die fränkische Siedlung Uualdelevinga erstmals urkundlich erwähnt. Im Mittelalter war der Ort unter dem Namen Walderfingen Hauptstadt der Ballei Deutsch-Lothringen. Später geriet er unter französischen Einfluss und erhielt den Namen Vaudrevange. Während des 30-jährigen Krieges wurde der Ort im Jahr 1635 von dem kaiserlichen Generalleutnant Graf von Gallas erobert und geplündert. Als im Jahr 1680 der französische König Ludwig XIV. in unmittelbarer Nachbarschaft die Festungsstadt Saarlouis erbauen ließ, veranlasste er, dass die Bürger von Wallerfangen in die neue Stadt umzogen. Im Heimatkundeunterricht war uns gesagt worden, er habe sie mit Steuerprivilegien gelockt. Neuere Forschungen kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass sie dazu gezwungen wurden und man der Einfachheit halber ihre Wohnhäuser abgerissen und deren Steine beim Bau von Saarlouis mit verwendet hatte. Vom bisherigen Ort Vaudrevange blieben nur einige Bauernhöfe bestehen. Nur langsam wuchs die Zahl der Einwohner wieder heran. Hundert Jahre nach der erzwungenen Umsiedlung waren es 580.

Ende des 18. Jahrhunderts fiel die ganze Region unter die Vorherrschaft Napoleons, anschließend wurde sie preußisch. Von 1920 bis 1935 gehörte sie zum vom Völkerbund verwalteten „Saargebiet", danach zum nationalsozialistischen „Dritten Reich", von 1947 bis 1957 zum teilautonomen „Saarprotektorat", das wirtschaftlich und zunächst auch politisch, eng an Frankreich angeschlossen war. Vom 1. Januar 1957 an wurde sie Teil der Bundesrepublik Deutschland. Was die Wallerfanger unmittelbar erlebten, war saarländisch-lothringische Grenzgeschichte.

Einfahrt zu "Papens Park"
Einfahrt zu "Papens Park"

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts errichtete der in Metz geborene Kaufmann Nicolas Villeroy in Wallerfangen eine Steingutfabrik, die bald zum führenden Arbeitgeber in der Region wurde. Im Jahr 1836 schloss er mit Jean-François Boch einen Fusionsvertrag und gründete mit ihm die Firma Villeroy und Boch, die sich zu einem Keramik-Weltkonzern entwickelte. Das Stammhaus der Familie Villeroy, ein an der Saar gelegenes kleines Schloss, ist bis heute Familienwohnsitz und gehört zu den Wahrzeichen Wallerfangens.

Im Jahr 1905 heiratete der aus Westfalen stammende Berufsoffizier und spätere Reichskanzler sowie Vizekanzler (1933-1934) unter Adolf Hitler, Franz von Papen, Martha von Boch-Galhau, eine der Villeroy & Boch-Erbinnen. Zu ihrem Erbe gehörte ein an der Hauptstraße von Wallerfangen zur Saar hin gelegenes Hofgut, das im Volksmund „Papens Park" genannt wird und bis heute besteht. Ich erinnere mich, dass es in früheren Zeiten frei zugänglich war. Als Kind habe ich mich einige Male dort herumgetrieben und bin dabei auch dem alten Herrn von Papen begegnet, der andernorts wohnte aber gerade dabei war, den Baumbestand des Parks in Augenschein zu nehmen. Papen starb 1969 und ist auf dem Wallerfanger Friedhof beerdigt. Ebenso beherbergt der Friedhof das Grab des bedeutenden französischen Generals und Mathematikers Charles-Nicolas Peaucellier.

Rathaus Wallerfangen
Rathaus Wallerfangen

Hausberg von Wallerfangen ist der ca. 350 Meter hohe Limberg, ein Höhenzug aus Buntsandstein, der sich vor dem Saargau erhebt. Auf seinem Plateau liegt der Ortsteil Oberlimberg, ein bei Wanderern beliebtes Ausflugsziel. Zwischen Oberlimberg und dem Ortsteil Gisingen befindet sich ein attraktiver Golfplatz, der erste, der im Saarland errichtet wurde. Ebenso kann man in Gisingen das „Lothringerhaus" besuchen. Es handelt sich dabei um ein altes Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert, das im damals typischen Lothringer Landhausstil erbaut und mit Lothringer Bauernmöbeln ausgestattet wurde. Weithin bekannt ist auch der Ortsteil St. Barbara. Er liegt auf der ersten Anhöhe des Saargaus und ist in der Region bekannt als „Erdbeerdorf". Vom Dorf aus hat man einen sehr guten Blick auf das Saartal und die Städte Saarlouis und Dillingen. Im Berg, auf dem sich die Siedlung befindet, wurde schon in frühgeschichtlicher Zeit Kupfer und später auch Azurit abgebaut. Aus dem Azurit wurde die als „Wallerfanger Blau" bekannte und begehrte Farbe gewonnen, die bis Italien exportiert wurde und mit der auch Albrecht Dürer gemalt hat.

Im Ortsteil Düren, an einer früheren römischen Heeres- und Handelsstraße gelegen, befindet sich ein kleiner Flughafen, der vor allem von Sportfliegern und von Besuchern des  Golfplatzes genutzt wird. Unmittelbar an der Grenze zu Lothringen liegt der Ortsteil Leidingen. Er repräsentiert in besonderem Maß die deutsch-französische Geschichte. Die Landesgrenze verläuft mitten durchs Dorf. Der Schriftsteller Alfred Gulden hat sich literarisch mit ihm befasst.

Die Gesamtgemeinde zählt 9.500 Einwohner. Ihnen steht eine großzügige Wohnfläche von 42,2 km² zur Verfügung. In Wallerfangen lässt sichs angenehm leben.

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Fotos: Florian Russi