Saarland-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Saarland-Lese
Unser Leseangebot

Saarbrücken

Die 99 besonderen Seiten der Stadt

Rita Dadder und Florian Russi

Saarbrücken, Landeshauptstadt des Saarlandes und unmittelbar an der deutsch-französischen Grenze gelegen, ist eine Stadt mit vielen Reizen. Es hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Von Goethe wurde es besucht und beschrieben und von Kaiser Barbarossa teilweise zerstört. Heute ist Saarbrücken eine moderne Metropole mit Universität, Museen und vielfältiger Kultur. Hier lebt man nach der Devise: »Wir wissen, was gut ist«, ist gastfreundlich und lässt sich gerne »entdecken«.


Unser Leseangebot

Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

Die Schule im Dorf: Jugendkult und Erziehung in den Jahren 1935 – 1945*)

Die Schule im Dorf: Jugendkult und Erziehung in den Jahren 1935 – 1945*)

Horst Wilhelm

Eine saarländische Schule in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft 

1935 wurde das Saargebiet in das seit 1933 von den Nationalsozialisten regierte Deutsche Reich eingegliedert. Die neue Herrschaft und Ihre Ideologie wirkten sich in allen staatlichen und gesellschaftlichen Bereichen aus. Den Einfluss, den die NSDAP auf die Schulen nahm, zeigt Horst Wilhelm am Beispiel der Volksschule in Heiligenwald. Sein Buch „Die Schule im Dorf" stützt sich auf Aufzeichnungen von Nikolaus Schmitt, der viele Jahre Rektor dieser Schule war.

Durch die fortwährende Bevorzugung und Überbewertung jugendlichen Verhaltens wurde in der ganzen Nation ein Drang verbreitet, nicht altersgemäß, sondern so jugendlich wie möglich sich zu geben und zu leben ... Die Formationen wurden forciert, der Marsch gestampft, es wurde geschrien, nicht gesungen. Alles Stille, Sanfte und Schöne wurde verlacht und unterdrückt. Das Laute brach sich überall Bahn ...

Nicht minder gefährlich war die Untergrabung der Moral in den Herzen der Jugend. Mit Sprüchen wie: "Recht ist, was dem Volke dient" - "Recht ist, was Erfolg hat" und ähnlichen Schlagworten wurde der sittlich-moralischen Haltung des eigenen Gewissens der Boden entzogen ...

Bekenntnis zum Führer

Wir hörten oftmals deiner Stimme Klang
und lauschten stumm und falteten die Hände.
Da jedes Wort in unsre Seelen drang.
Wir wissen alle: Einmal kommt das Ende.
das uns befreien wird von Not und Zwang.

Was ist ein Jahr in dieser Zeitwende!
Was ist da ein Gesetz, das hemmen will!
Der reine Glaube, den du uns gegeben,
durchpulst bestimmend unser Junges Leben.
Mein Führer! Du allein bist Weg und Ziel!

Ingeborg Crussenbach

Für Nikolaus Schmitt ist die "Erziehung zur Gewissenlosigkeit", die "so schlimme Wirkungen gezeigt hat" die gefährlichste Schädigung, die "unsere Jugend aus der nationalsozialistischen Zeit in den neuen Anfang hinübergebracht hat." In seiner Bilanz zum Wiederbeginn stellt Schmitt darüber hinaus einen "sehr tiefen Stand des Wissens und Könnens unserer Schuljugend" fest. Die Ursachen hierfür sieht er:

  • in der Geringschätzung des Wissens und in der Desavouierung des geistigen Le-bens
  • in der Schürung des Gegensatzes zwischen Lehrern und Schülern in den vergangenen 10 Jahren;
  • in der Bevorzugung und Auszeichnung solcher Erziehungspersonen, die mehr politische als erzieherische Begabung und Verdienste hatten;
  • in der moralischen Zersetzung der Jugend infolge Untergrabung von Moral und Anstand;
  • in den vielfachen Unterrichtsstörungen durch Aktivitäten der Jugend-Formationen, die stets Vorrang hatten;
  • im Mangel an guten Schulbüchern; die vorhandenen waren mit nationalsozialistischem Ideengut überfrachtet und schließlich
  • in der Erziehung zur Unselbständigkeit und der Zerfahrenheit durch billige Tagesschlagworte.

-----

*) Text, Foto und Zeichnung aus:
Horst Wilhelm: Die Schule im Dorf, Rita Dadder Verlag, Saarbrücken, 1989,

Weitere Beiträge dieser Rubrik

An meine Arbeiter
von Carl Ferdinand von Stumm-Halberg
MEHR
Anzeige:
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen