Was möchte uns der Autor, Guido König, mit diesem Gedicht wohl verkünden? Nun ja, deutlich wird auf jeden Fall eines: Das Leben, die Natur und auch deren Kreislauf quillt über voller Widersprüche, die sich aber insgesamt immer wieder ausgleichen, in Waage halten. So ist es auch mit dem Leben der Menschen, dass viele Höhen und Tiefen, im kleinen Privaten, aber auch im großen Gesellschaftlichen und Politischen erfährt. Königs Fazit zu dieser philosophischen Auseinandersetzung ist jedoch, dass jeder irgendwann einmal sterben muss. Ob er sich über das Leben und dessen Kreislauf beschwert, oder ob er sein Dasein auf die glücklichen Momente seines Lebens konzentriert, ist dabei unerheblich. Fraglich ist am Ende nur noch, welche der beiden Lebenseinstellungen erstrebenswerter erscheinen mag.
Carolin Eberhardt
Mancher Vogel sperrt den Schnabel
Auf und singt sein Lied ins Weite
Ohne Mikrofon und Kabel
Vor dem Flug zur Mückenbeute.
Dieser Zwiespalt gilt für alle
Lebewesen auf der Erde.
Friedenslied und Kriegerkralle
Sind die Reiter aller Pferde.
Fressen und Gefressenwerden
Sind Vehikel unsers Lebens.
Sein und Nichtsein sind Gefährten
Und Bedingung jeden Strebens.
Dennoch lieben Menschen Vögel
Und die Vögel Menschenkinder.
Durst und Hunger sind die Siegel
Bieder und nicht nur im Winter.
Alles hält sich stets die Waage,
und im Gleichgewicht bleibt alles.
Es erhebt sich nur die Frage:
Braucht das Dasein Bruch und Dalles?
Ja und nein, behaupten Weise
Und begeben sich zur Ruhe.
Sie genießen`s Lied der Meise.
Jeder liebt halt sein Getue.
Nobel geht die Welt zugrunde
Noch im Tanzen auf Vulkanen.
Allen schlägt die Todesstunde
Mit und ohne düstres Mahnen.
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