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Saarbrücken

Die 99 besonderen Seiten der Stadt

Rita Dadder und Florian Russi

Saarbrücken, Landeshauptstadt des Saarlandes und unmittelbar an der deutsch-französischen Grenze gelegen, ist eine Stadt mit vielen Reizen. Es hat eine lange und wechselvolle Geschichte. Von Goethe wurde es besucht und beschrieben und von Kaiser Barbarossa teilweise zerstört. Heute ist Saarbrücken eine moderne Metropole mit Universität, Museen und vielfältiger Kultur. Hier lebt man nach der Devise: »Wir wissen, was gut ist«, ist gastfreundlich und lässt sich gerne »entdecken«.


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Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

Bim, Bam, Bum

Bim, Bam, Bum

Christian Morgenstern

Warum die Glocken nach Rom fliegen

Sicherlich kennen viele von Ihnen den Brauch in der Karwoche, der in vielen saarländischen Gemeinden üblich war und augenblicklich wieder eine Renaissance erlebt, dass nämlich die Messdiener mit Ratschen oder Klappern durch die Straßen zogen. Der Ursprung dieser Sitte ist im Mittelalter zu finden. Früher zogen Bettelmusikanten mit einer Schnarre durch die Straßen, wovon sich die Bezeichnung Schnorrer (jiddisch: ???????) ableitete.

In katholischen Gegenden ziehen Messdiener damit zum Ratschen durch die Gemeinde, um die Kirchenglocken zu ersetzen, die in der Zeit vom Gloria der Messe vom letzten Abendmahl am Gründonnerstag und der Feier der Osternacht nicht läuten. Mir wurde, wie den anderen Kindern auch, damals erzählt, dass sie nach Rom geflogen sind, um zu beichten und erst, wie oben erwähnt, zum Gloria in der Osternacht wieder zurück kommen werden. Natürlich habe ich das geglaubt, obwohl die Tatsache, dass ja die Orgel auch verstummte aber dann offensichtlich nichts zu beichten hatte, mein Misstrauen hätte wecken müssen.

So nagten dann später doch Zweifel an mir, und ich versuchte die wahren Gründe dieses „Fluges" nach Rom heraus zu finden.

Der wahre Grund ist nämlich trivial und nicht religiös, sozusagen „ nur zu menschlich". Er betrifft drei Glocken(töne) namens : BIM, BAM und BUM, wobei die Glockentönin „Bim" und der Glockenton „Bum" in der Tat Grund gehabt hätten, um zur Beichte nach Rom zu fliegen, wie man gleich lesen kann. Dass „Bam" dabei in die falsche Richtung fliegt, ist übrigens unerheblich, denn bekanntlich führen alle Wege nach Rom.

Hier nun also die Lösung, wie sie uns der Dichter Christian Morgenstern (* 6. Mai 1871 in München; † 31. März 1914 in Untermais, Tirol) präsentiert und die für mich absolut überzeugend klingt.

Herbert Kihm

*****

Bim, Bam, Bum

Ein Glockenton fliegt durch die Nacht,
als hätt er Vogelflügel,
er fliegt in römischer Kirchentracht
wohl über Tal und Hügel.

Er sucht die Glockentönin BIM,
die ihm vorausgeflogen;
d.h. die Sache ist sehr schlimm,
sie hat ihn nämlich betrogen.

"O komm", so ruft er, "komm, dein BAM
erwartet dich voll Schmerzen.
Komm wieder, BIM, geliebtes Lamm,
dein BAM liebt dich von Herzen!"

Doch BIM, dass ihr's nur alle wisst,
hat sich dem BUM ergeben;
der ist zwar auch ein guter Christ,
allein das ist es eben.

Der BAM fliegt weiter durch die Nacht
wohl über Wald und Lichtung.
Doch, ach, er fliegt umsonst! Das macht,
er fliegt in falscher Richtung.

 

*****

Gedicht aus: Christian Morgenstern, Galgenlieder, (erstmals erschienen 1905 im Verlag Bruno Cassirer, Berlin.)

Bildquellen:
-Vorschaubild: Christian Morgenstern (Foto von 1910, Public Domain, bearb. von Herbert Kihm)
- Glocke: Kirchenglocke von 1695 (Poppenreuth (Fürth), Fotograf: Keichwa, Lizenz: CC-BY-SA 3.0 via wikimedia commons

 

 

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