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Familie Stauffenberg: Hitlers Rache

Ursula Brekle

Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg war als Ehefrau von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Schlüsselfigur im Widerstand gegen Hitler, von Anfang an in die Widerstandspläne ihres Mannes einbezogen. Sie bewies Mut und Stärke, obwohl sie nach der Ermordung ihres Mannes im Gefängnis und im KZ leben musste. Auch durch den Verlust von Angehö-rigen durchlebte sie eine leidvolle Zeit. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 drohte Himmler:
„Die Familie Stauffenberg wird ausgelöscht bis ins letzte Glied.“
Vor Ihnen liegt die spannungsreiche Geschichte, die beweist, dass es Himmler nicht gelungen ist, die Drohung wahrzumachen. Die jüngste Tochter von fünf Geschwistern Konstanze wurde noch während der mütterlichen Haft geboren. Sie berichtete vom 90. Geburtstag ihrer Mutter Nina, auf dem über 40 Nachkommen zusammengekommen waren. Die Nationalsozialisten haben trotz Hinrichtungen und perfider Sippenhaft nicht gewonnen.

Bim, Bam, Bum

Bim, Bam, Bum

Christian Morgenstern

Warum die Glocken nach Rom fliegen

Sicherlich kennen viele von Ihnen den Brauch in der Karwoche, der in vielen saarländischen Gemeinden üblich war und augenblicklich wieder eine Renaissance erlebt, dass nämlich die Messdiener mit Ratschen oder Klappern durch die Straßen zogen. Der Ursprung dieser Sitte ist im Mittelalter zu finden. Früher zogen Bettelmusikanten mit einer Schnarre durch die Straßen, wovon sich die Bezeichnung Schnorrer (jiddisch: ???????) ableitete.

In katholischen Gegenden ziehen Messdiener damit zum Ratschen durch die Gemeinde, um die Kirchenglocken zu ersetzen, die in der Zeit vom Gloria der Messe vom letzten Abendmahl am Gründonnerstag und der Feier der Osternacht nicht läuten. Mir wurde, wie den anderen Kindern auch, damals erzählt, dass sie nach Rom geflogen sind, um zu beichten und erst, wie oben erwähnt, zum Gloria in der Osternacht wieder zurück kommen werden. Natürlich habe ich das geglaubt, obwohl die Tatsache, dass ja die Orgel auch verstummte aber dann offensichtlich nichts zu beichten hatte, mein Misstrauen hätte wecken müssen.

So nagten dann später doch Zweifel an mir, und ich versuchte die wahren Gründe dieses „Fluges" nach Rom heraus zu finden.

Der wahre Grund ist nämlich trivial und nicht religiös, sozusagen „ nur zu menschlich". Er betrifft drei Glocken(töne) namens : BIM, BAM und BUM, wobei die Glockentönin „Bim" und der Glockenton „Bum" in der Tat Grund gehabt hätten, um zur Beichte nach Rom zu fliegen, wie man gleich lesen kann. Dass „Bam" dabei in die falsche Richtung fliegt, ist übrigens unerheblich, denn bekanntlich führen alle Wege nach Rom.

Hier nun also die Lösung, wie sie uns der Dichter Christian Morgenstern (* 6. Mai 1871 in München; † 31. März 1914 in Untermais, Tirol) präsentiert und die für mich absolut überzeugend klingt.

Herbert Kihm

*****

Bim, Bam, Bum

Ein Glockenton fliegt durch die Nacht,
als hätt er Vogelflügel,
er fliegt in römischer Kirchentracht
wohl über Tal und Hügel.

Er sucht die Glockentönin BIM,
die ihm vorausgeflogen;
d.h. die Sache ist sehr schlimm,
sie hat ihn nämlich betrogen.

"O komm", so ruft er, "komm, dein BAM
erwartet dich voll Schmerzen.
Komm wieder, BIM, geliebtes Lamm,
dein BAM liebt dich von Herzen!"

Doch BIM, dass ihr's nur alle wisst,
hat sich dem BUM ergeben;
der ist zwar auch ein guter Christ,
allein das ist es eben.

Der BAM fliegt weiter durch die Nacht
wohl über Wald und Lichtung.
Doch, ach, er fliegt umsonst! Das macht,
er fliegt in falscher Richtung.

 

*****

Gedicht aus: Christian Morgenstern, Galgenlieder, (erstmals erschienen 1905 im Verlag Bruno Cassirer, Berlin.)

Bildquellen:
-Vorschaubild: Christian Morgenstern (Foto von 1910, Public Domain, bearb. von Herbert Kihm)
- Glocke: Kirchenglocke von 1695 (Poppenreuth (Fürth), Fotograf: Keichwa, Lizenz: CC-BY-SA 3.0 via wikimedia commons

 

 

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