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Familie Stauffenberg: Hitlers Rache

Ursula Brekle

Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg war als Ehefrau von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Schlüsselfigur im Widerstand gegen Hitler, von Anfang an in die Widerstandspläne ihres Mannes einbezogen. Sie bewies Mut und Stärke, obwohl sie nach der Ermordung ihres Mannes im Gefängnis und im KZ leben musste. Auch durch den Verlust von Angehö-rigen durchlebte sie eine leidvolle Zeit. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 drohte Himmler:
„Die Familie Stauffenberg wird ausgelöscht bis ins letzte Glied.“
Vor Ihnen liegt die spannungsreiche Geschichte, die beweist, dass es Himmler nicht gelungen ist, die Drohung wahrzumachen. Die jüngste Tochter von fünf Geschwistern Konstanze wurde noch während der mütterlichen Haft geboren. Sie berichtete vom 90. Geburtstag ihrer Mutter Nina, auf dem über 40 Nachkommen zusammengekommen waren. Die Nationalsozialisten haben trotz Hinrichtungen und perfider Sippenhaft nicht gewonnen.

Fastnachtsbräuche im Saarland

Fastnachtsbräuche im Saarland

Nikolaus Fox

„Noch einmal in sorgloser Freude feiern"

Mit der Fastenzeit beginnt der Osterfestkreis; das Volk ist bestrebt, noch einmal in sorgloser Freude zu feiern, um dann mit Ernst die Fastenzeit durchleben zu können. In vielen Ortschaften werden vor der Fastenzeit die Lehen ausgerufen, entweder am Vorabend des Fastnachtsonntags oder an dem des ersten Sonntags vor Fastnacht oder auch am ersten Samstag nach Fastnacht (am Vorabend des ersten Fastensonntags).

Die Fastnachtstage werden von dem jungen Volke nach überlieferten Sitten gefeiert. Umzüge aller Art finden statt, alle möglichen Verkleidungen werden erfunden, die alten Trachtenstücke werden der Rumpelkammer oder der alten Truhe entnommen, um den „Fasenbo'tz" zu kleiden. In den ländlichen Saarstädten fanden bis ins 20. Jahrhundert hinein große Umzüge mit geschmückten Leiterwagen statt. Auf einem Gaul ritt Prinz Karneval voran, dann folgten, von Pferden gezogen, die einzelnen Wagen. Der erste Wagen war von den Fastnachtsrichtern besetzt. Richter und Schöffen saßen auf erhöhtem Platz, und auf der Anklagebank hockten die Sünder, meistens Frauen, die von verkleideten Männern dargestellt wurden. Das Gericht verlas auf dem Markte die Anklage, die sich hauptsächlich gegen klatsch- und zanksüchtige Weiber und gegen Pantoffelhelden richtete. Auf einem zweiten Wagen kreischten zankende Frauen, auf einem dritten saß der Chronist, der eine lustige Jahreschronik verlas, und so folgte ein Wagen auf den anderen mit lebenden Bildern und in komödienhafter Aufmachung. Derartige Umzüge waren auch in den großen Dörfern des Saarlandes allgemein. In unserer harten Zeit sind die theatralischen Umzüge nicht mehr in der Übung, die Ansätze zu einer Wiederbelebung dieser uralten Volksbelustigung machen sich aber allmählich bemerkbar. Der Umzug der Mordgeschichtensänger ist kurz nach dem Kriege wieder inszeniert worden. Die „Mordgeschichte" ist ein großes Gemälde, auf dem in Serienbildern die lustigen lokalen Ereignisse des Jahres dargestellt sind. Der Sänger singt zu den einzelnen Bildern entsprechende Verse, und die Zuschauer antworten nach jedem Vers mit dem Refrain.

Das bunte Leben entwickelt sich am Nachmittag des Fastnachtsonntags. Einzelne Gruppen ziehen durch die Gassen, singend und scherzend, dann findet sich alles zu dem groBen Umzug zusammen, und am Abend treffen sich die „Bo'tzen" („Bo'ken", ,,Fasenbo'ken", „Fasenbo'tzen", „de Hären" = die Heiden, Zigeuner) in den Tanzlokalen. Während des Umzuges werden die mundartlichen Fastnachtslieder gesungen.

 

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Textquelle: Nikolaus Fox, Saarländische Volkskunde Fritz Klopp Verlag, Bonn 1927.

Bilder:
- Vorschaubild: Faschingsmaske ( gemeinfrei)
- Bild im Text: Faschingsumzug 1914. Ausschnitt aus Noten-Deckblatt zum englischen „Mardi Gras Rag" von George Lyons und Bob Yosco aus dem Jahr 1914.