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Familie Stauffenberg: Hitlers Rache

Ursula Brekle

Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg war als Ehefrau von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Schlüsselfigur im Widerstand gegen Hitler, von Anfang an in die Widerstandspläne ihres Mannes einbezogen. Sie bewies Mut und Stärke, obwohl sie nach der Ermordung ihres Mannes im Gefängnis und im KZ leben musste. Auch durch den Verlust von Angehö-rigen durchlebte sie eine leidvolle Zeit. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 drohte Himmler:
„Die Familie Stauffenberg wird ausgelöscht bis ins letzte Glied.“
Vor Ihnen liegt die spannungsreiche Geschichte, die beweist, dass es Himmler nicht gelungen ist, die Drohung wahrzumachen. Die jüngste Tochter von fünf Geschwistern Konstanze wurde noch während der mütterlichen Haft geboren. Sie berichtete vom 90. Geburtstag ihrer Mutter Nina, auf dem über 40 Nachkommen zusammengekommen waren. Die Nationalsozialisten haben trotz Hinrichtungen und perfider Sippenhaft nicht gewonnen.

Schinderhannes

Schinderhannes

Nikolaus Fox

Der Mann, der den Hunsrück und das nördliche Saarland in Schrecken versetzte*

Bronzebüste des Schinderhannes
Bronzebüste des Schinderhannes

Johannes Bückler, Schinderhannes genannt, ist wohl der vollkommenste Räubertypus. Er hat schon zu seinen Lebzeiten schwärmerische Köpfe begeistert und sich gewogen gemacht, er stand trotz der bewegten napoleonischen Zeit in dem Mittelpunkt des Interesses vieler Menschen. Kurz nach seinem Tode erschienen mehrere Lebensbeschreibungen, die ihn zum Teil in ein gutes Licht rückten, und die Anekdoten vom Räuberhauptmann Schinderhannes mehrten sich von Tag zu Tag. Ein schreibgewandter Franzosenhasser und Judenfeind verfasste um die Mitte des vorigen Jahrhunderts sogar einen zweibändigen Schinderhannesroman, in dem der Held der Erzählung als ein edler Mensch geschildert wird, als ein Weltverbesserer, der sich an der Bibel erbaute und an Schillers Räubern schulte, als ein schneidiger Kavalier, der sowohl den Bauernmädchen des Hochwalds als auch adligen Frauen sympathisch war.

Schinderhannes wurde im Jahre 1781 in einem Dörfchen an der Nahe geboren und kam als Vierzehnjähriger zu einem Schinder in die Lehre, der ihn aber wegen eines Hammeldiebstahis davonjagte.

Kugelbeutel des Schinderhannes
Kugelbeutel des Schinderhannes
Er schlug sich zu dem schwarzen Peter, einem finsteren Gesellen, der durch unglückliche Zusammenhänge auf die Räuberlaufbahn geraten war. Der schwarze Peter hauste, so wird im Hochwald erzählt, in einem Walde bei dem Dörfchen Damflos (Ldkrs. Trier). Er war mehr ein Judenverfolger als ein Räuber. Wie lange Schinderhannes bei dem schwarzen Peter weilte, weiß man nicht. Er schwang sich trotz seiner Jugend binnen kurzer Zeit zum Hauptmann einer über hundert Mann starken Bande auf, die er fünf Jahre lang befehligte. Tausenderlei Abenteuer erlebte er in diesen Jahren; sein kurzes Leben entbehrt nicht der Romantik. Er war ein kluger Kerl; seine Fähigkeiten und seine Begabung wurden später von dem Richter hervorgehoben. Der Volksmund erzählt - und die Gerichtsakten bestätigen es - dass Schinderhannes stets bei armen Leuten Unterschlupf und Schutz gefunden habe. Er sei berühmt und im Volke beliebt gewesen, viele hätten ihm auch aus Furcht ein Versteck angewiesen.
J. Bückler (Schinderhannes) mit seiner Frau und Tochter
J. Bückler (Schinderhannes) mit seiner Frau und Tochter

Schinderhannes wurde im vierten Jahre seiner Unternehmungen eingefangen und in Saarbrücken eingekerkert; er brach wieder aus, geriet aber bald wieder in Gefangenschaft. In Mainz wurde er am 28. Oktober 1803 mit zehn seiner Spießgesellen zum Tode verurteilt. Zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde „Julie Bläsius, Beyschläferinn des Schinderhannes, 21 Jahre alt, eine Musikantin von Badenweierbach gebürtig. Sie hat ein Kind mit ihm gezeugt, mit welchem sie in ihrer Gefangenschaft niederkam, und welches auf Kosten der Nation erzogen wird." Am 21. November 1803 wurde Schinderhannes guillotiniert. Er war kaum 24 Jahre alt. Am Tage seiner Hinrichtung wurden Schinderhannesbildnisse und Broschüren mit seiner Lebensbeschreibung verkauft. Man sang Spottlieder, Moritaten und Gassenhauer, darunter ein ellenlanges Räuberlied, das mit der Strophe schließt:

Schinderhannes:
So wandre ich dann stille
Zur Schreckensbühne hin,
Mein einz'ger Wunsch und Wille,
Mein ganzer Herzenssinn
Sei an die liebe Jugend
Mit diesen Worten hier:
„Befleißigt euch der Tugend,
So sterbt ihr nicht wie wir!"

Besonders im Hochwald singt man das Schinderhanneslied „In der Welt bin ich herumgegangen".

 

 

*****

* Der berühmte Räuber Schinderhannes trieb sein Unwesen vor allem im Gebiet des Hunsrücks, suchte aber auch Orte im Saarland heim und hatte dort einige Verstecke. Von seinen 130 protokollierten Verbrechen beging er mindestens 3 in saarländischen Gemeinden, so in Sötern und Illingen.

Bilder:
- Vorschaubild: Porträt des Johannes Bückler (Schinderhannes) von Karl Matthias Ernst (1803), heutiger Standort: Stadtarchiv Mainz.
- oben rechts: Bronzebüste des Schinderhannes im Museum der Kreisstadt Simmern, hergestellt von Jutta Reiss (2011), Fotograf: Manfred.reiss, Lizenz CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
- Kugelbeutel des Schinderhannes. Austellungsstück im im Schinderhannes-Turm in Simmern. Fotograf: CTHOE (2013)., Lizenz CC-BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
- Johannes Bückler, genannt Schinderhannes oder Robin Hood vom Hunsrück und seine Frau Juliana Bläsius mit der gemeinsamen Tochter, gemalt von K. H. Ernst (1803)