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Familie Stauffenberg: Hitlers Rache

Ursula Brekle

Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg war als Ehefrau von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Schlüsselfigur im Widerstand gegen Hitler, von Anfang an in die Widerstandspläne ihres Mannes einbezogen. Sie bewies Mut und Stärke, obwohl sie nach der Ermordung ihres Mannes im Gefängnis und im KZ leben musste. Auch durch den Verlust von Angehö-rigen durchlebte sie eine leidvolle Zeit. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 drohte Himmler:
„Die Familie Stauffenberg wird ausgelöscht bis ins letzte Glied.“
Vor Ihnen liegt die spannungsreiche Geschichte, die beweist, dass es Himmler nicht gelungen ist, die Drohung wahrzumachen. Die jüngste Tochter von fünf Geschwistern Konstanze wurde noch während der mütterlichen Haft geboren. Sie berichtete vom 90. Geburtstag ihrer Mutter Nina, auf dem über 40 Nachkommen zusammengekommen waren. Die Nationalsozialisten haben trotz Hinrichtungen und perfider Sippenhaft nicht gewonnen.

Siegfried Wack

Siegfried Wack

Florian Russi

Mittler an den Grenzen

Die älteren Saarländer wissen, was Grenze bedeutet. Nach dem 2. Weltkrieg konnten sie sich in ihrem 2570 km² großen Ländchen kaum drehen, ohne an Grenzen zu stoßen. Urlaub außerhalb des Saarlandes? Die Zöllner an den Grenzen zu Frankreich, Luxemburg oder der Bundesrepublik Deutschland warteten schon. Besuche bei den Verwandten in Lothringen oder im „Reich"? Kontrollen hüben und drüben erwarteten einen. Selbst wenn man, was fast schon ehrenrührig war, nichts zu schmuggeln hatte, bedeuteten die Grenzübergänge immer Geduldsproben und Stress. Gerade Saarländer wissen daher um die Bedeutung von Grenzpfählen, Schlagbäumen, Douane und Zoll. Sie zählen zu den engagiertesten Befürwortern des Vereinten Europas. Auf dem Beruser Berg haben sie dessen Vorkämpfern ein Denkmal gesetzt.

In der saarländischen Gemeinde Gersheim, 7.000 Seelen stark und unmittelbar an der Grenze zu Lothringen gelegen, nutzte Siegfried Wack die Lage des Ortes, um deutsch-französische Kontakte aufzubauen und zu pflegen. Von 1974 bis1991 war er Bürgermeister von Gersheim, das im Süden des Saar-Pfalz-Kreises an dem Fluss, der Blies heißt, in landschaftlich schöner Umgebung gelegen ist. Wack organisierte und förderte deutsch-französische Begegnungen und Friedensinitiativen. Er hielt Kontakt mit seinen lothringischen Bürgermeisterkollegen, von denen mehrere auch in der nationalen französischen Politik, im Senat, der Nationalversammlung oder im Europäischen Parlament eine Rolle spielten. Er war Mitinitiator des „Europäischen Kulturparks" der im deutsch-lothringischen Grenzgebiet kulturelle und historische Sehenswürdigkeiten zusammenfasst. Im Gersheimer Ortsteil Reinheim trafen sich regelmäßig saarländische und lothringische Jugendliche im „Reinheimer Kreis" und stellten, begleitet von spektakulären Aktionen, Forderungen an die europäischen Regierungen.

1991, nach 17-jähriger Amtszeit, legte Wack sein Amt als Bürgermeister nieder und engagierte sich im „Aufbau Ost", zunächst als Landrat im vorpommerschen Landkreis Ueckermünde. Nach einer Kreisreform nahm er die Arbeit als Geschäftsführer der oberschwäbischen Bildungseinrichtung Kloster Heiligkreuztal auf. Er folgte aber nach 3 Jahren Bildungsarbeit dem Ruf des neuen Landkreises Uecker-Randow und wurde 1997 dort zum Landrat gewählt. Auch der neu gebildete Landkreis Uecker-Randow lag in einem Grenzgebiet. Diesmal hieß das Nachbarland Polen. Wieder ergriff Wack eine Reihe von Initiativen. Er wurde Mitbegründer und Präsident der Kommunalgemeinschaft Euroregion Pomerania, welche die wirtschaftliche, kulturelle und strukturelle Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Polen und Südschweden befördert.

Im Jahr 2004 schied er als Landrat aus, blieb aber seiner zweiten Heimat weiter treu verbunden. Von 2004 bis 2009 war er Stadtpräsident von Ueckermünde und half entscheidend mit, diese Region zu beleben und zu entwickeln. Auch hierbei verlor er das Nachbarschaftsprinzip nicht aus den Augen und gründete mit Freunden die Deutsch-Polnische-Gesellschaft-Mecklenburg-Vorpommern.

Familiäre Gründe führten ihn dann wieder zurück an die Saar. Seine Wohnung und sein Engagement in Ueckermünde behielt er jedoch bei. Eine Hälfte des Jahres verbringt er dort, die andere Hälfte im Saarland. Seit Herbst 2013 ist er Vorsitzender der Deutsch-polnischen-Gesellschaft des Saarlandes. Mit Genugtuung stellt er fest, dass eine Reihe der von ihm als Bürgermeister initiierten Veranstaltungen, wie die zusammen mit seinem ehemaligen Klassenkameraden, dem saarländischen Unternehmer Richard Weber, etablierten jährlichen Radetappenrennen Bestand haben; Trofeo Karlsberg, ist mittlerweile einer der weltweit 6 jährlich stattfindenden Nationencups für Junioren, der vom Internationalen Radsportverband (UCI) durchgeführt wird. Darüber hinaus gehört Siegfried Wack den Kuratorien der Europäischen Akademie in Külz/Kulice (Polen), der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Mecklenburg-Vorpommern und des Trägerwerks Soziale Dienste an.

Wegen seiner Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung am Tag des EU-Beitritt Polen am 1. Mai 2004 wurde er von der Wojewodschaft Westpommern mit dem Goldenen Greif, dem höchsten Wojewodschaftsorden, ausgezeichnet. Aus gleichem Grund bekam er 2006 das Bundesverdienstkreuz am Bande durch Herrn Harald Ringstorff dem damaligen Ministerpräsidenten in MV ausgehändigt. 

Siegfried Wack hat 3 Kinder und lebt, wenn sie im Saarland sind, mit seiner Frau in Blieskastel.

 

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Fotos: Florian Russi