Saarland Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.saarland-lese.de

Weiterempfehlen

Unser Leseangebot

Ingrid Annel
Glücksdrachenpech

Schaurige, lustige, gruselige und witzige Geschichten von Wassermännern, Drachen, Irrlichtern und dem Teufel, mit Illustrationen von Marga Lenz

Auch als E-Book erhältlich 

Der „Werzwisch

Der „Werzwisch" an Mariä Himmelfahrt

Herbert Kihm

Ein alter Brauch in vielen katholischen Gemeinden Bayerns, der Pfalz oder im Saarland ist das Binden und die Weihe des Würzwisches an Mariä Himmelfahrt. Dabei werden viele Kräuter, abhängig von der Vielfalt der vor Ort wachsenden Pflanzen, zu einem Strauß zusammengebunden, der häufig an die Spitze einer Gerte des Haselstrauches befestigt wird. Gehörten früher 77 Kräuter in einen solchen Strauch, so sind es heute deutlich weniger; es müssen mindestens jedoch 7 sein, man kennt auch den 9er, 12er, 15er und 19er-Buschen.

In der Mitte des Büschels thront stets die Königskerze, um sie herum sind die anderen Pflanzen gruppiert.

Kräuterbüschel an Mariä Himmelfahrt in der Gengenbacher Stadtkirche St. Marien
Kräuterbüschel an Mariä Himmelfahrt in der Gengenbacher Stadtkirche St. Marien

Sieben (als die alte heilige Zahl der vollkommenen Gesamtheit der 4 Elemente mit den 3 Gliedern der Familie, im Christentum Symbol für Vollkommenheit, Vollständigkeit, nach der Weisheit Gottes) oder neun (also drei mal drei, die Drei war schon die magische Zahl der Kelten und ist im Christentum Symbol der Dreifaltigkeit – Gott Vater, Sohn, Hl. Geist) sind normale Kräuter, die dabei neben der Königskerze eingebunden werden. Verwendung finden unter anderem: Alant, Johanniskraut, Beifuß, Rainfarn, Schafgarbe, Tausendgüldenkraut, Brennnessel, echtes Eisenkraut, Frauenmantel aber auch Wiesenknopf, Kamille, Thymian, Baldrian, Odermennig, Klee, Dost, Mädesüß, Ringelblume, Gartenkräuter wie Salbei, Dill oder Pfefferminze und die verschiedenen Getreidearten. Vermutlich sollten seit dem frühen 9. Jahrhundert heidnische Erntebräuche christlich überformt werden, wie wir das aus vielen anderen christlichen Festen und Bräuchen kennen.

Das Fest Mariä Himmelfahrt (15.August), also die leibliche Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel, wurde seit dem Mittelalter gefeiert, aber erst 1950 erklärte Papst Pius XII das Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel als Dogma.

Tizian: Marä Himmelfahrt
Tizian: Marä Himmelfahrt

Die Kunde über die Heilkräuter war früher weit stärker im Volksglauben verwurzelt als man es sich heute vorstellen kann. Besonders gerne brachten die Gläubigen den Strauß dann zur Weihe in die Klosterkirchen der Kapuziner und Franziskaner (z. B. Wallfahrtskirche in Blieskastel), da man diesen besonders hohe Weihekräfte zuschrieb. Mit dieser Weihe so glaubte man, verstärke sich auch die Wirkung der Heilkräuter.

Mit dem Festtag sind bis heute zahlreiche Bauernregeln verbunden. „Wie das Wetter am Maria Himmelfahrtstag, so der ganze Herbst sein mag“, heißt eine; „Mariä Himmelfahrt Sonnenschein, bringt meistens uns viel guten Wein“ eine andere.

Mit dem Fest Mariä Himmelfahrt beginnt übrigens der sogenannte Frauendreißiger. Das ist die Zeit zwischen dem 15. August und dem 12. September, dem Fest Mariä Namen. Diese Tage gelten als ideale Zeit zum Sammeln von Kräutern, denen man dann eine besondere Heilkraft zuspricht. Einer Legende nach wird in dieser Zeit auch die Erde von Maria gesegnet. So finden in der Frauenheilkunde einige während des Frauendreißigers gesammelte Kräuter unter anderem gegen Menstruations- oder Schwangerschaftsbeschwerden Verwendung.

*****

Bildquellen:
- Vorschaubild: Krautwischtag 2006 in der
Pfarr- und Wallfahrtskirche "Mariä Himmelfahrt", Auw an der Kyll, Chorbereich mit Hochaltar, Marienaltar (links) und Mutter-Anna-Altar (rechts). Urheber:Heckos89 via wikipedia conmons, gemeinfrei.
- Kräuterbüschel an_Mariä Himmelfahrt in der Gengenbacher Stadtkirche St. Marien. Urheber: Andreas Schwarzkopf [CC BY-SA 3.0(https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
- Tizian: Maria Himmelfahrt, Hochaltar für Santa Maria Gloriosa dei Frari in Venedig, 1516–1518; via wikipedia commons, public domain