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Karlheinz Fingerhut 
Kennst du Franz Kafka?

Was für ein komischer Kauz muss dieser Kafka wohl gewesen sein, dass kaum ein Lehrer so recht weiß, wie ihn vermitteln. Dabei ließen sich Kafkas Texte mit Träumen vergleichen, und die kennt doch jeder.
Karlheinz Fingerhut ermöglicht in diesem Buch einen leichteren Zugang zum Menschen Kafka und zu seinen teils verwirrenden Werken.

Karl August Woll

Karl August Woll

Herbert Kihm

Eine herausragende Gestalt des St. Ingberter Kulturlebens

Neben dem Maler Albert Weisgerber (siehe: saarland-lese.de) gehört Karl August Woll zu den beiden größten Künstlern der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts seiner Heimatstadt.

Karl August Woll wurde am 10. Februar 1834 als Sohn eines St. Ingberter Bäckers in der Kaiserstraße geboren. Die Eltern ermöglichten ihm ein Studium am Bischöflichen Konvikt in Speyer, 1854 begann er dann ein Jurastudium in München (St. Ingbert gehörte damals zur bayerischen Rheinpfalz), brach dieses aber auf Wunsch seiner Mutter ab, um Theologie zu studieren. In den Jahren 1861 bis 1864 arbeitete er als Hauslehrer bei wohlhabenden Winzerfamilien in Deidesheim. Diese Zeit bezeichnete er im Nachhinein als die schönste seines Lebens. 1863 übernahm der bei der „Pfälzischen Zeitung“ in Speyer die Redaktionsleitung des heimatlichen Beitrages „Palatina“. Als Redakteur zeigte er sich ausgesprochen reformfreudig und bismarckkritisch. Er wollte die bayerische Souveränität über die Zeit retten und befürchtete eine Übermacht Preußens. Im Deutsch-Französischen Krieg wurde er, der perfekt Französisch sprach, als Sanitäter eingesetzt.

Ab 1871 wurde er Waisenhausinspektor für das Unterelsass in Straßburg und übte das Amt bis 1891 aus. Diese Zeit war die fruchtbarste im Schaffen Wolls. Das geplante Buch über den Bliesgau blieb allerdings unvollendet, von den 30 Manuskriptbüchern dazu sind leider nur drei im Zweiten Weltkrieg erhalten geblieben.

Karl August Woll starb am 17.April 1893 in Straßburg; sein Grab befindet sich auf dem St.Ingberter Alten Friedhof.

Das literarische Schaffen von Karl August Woll:
Woll gehört zu den fünf „Klassikern der Pfälzer Mundart“. Aber nicht nur die Pfälzer Mundart lag Woll am Herzen; er war wohl der Erste, der sich intensiv mit der Geschichte seiner saarpfälzischen Heimatstadt und des Bliesgaues beschäftigte. Mit seiner heimatbezogenen Lyrik, seinem pfälzischen Humor, der von Grund auf erfreute, hat er sich weit über die Grenzen einen Namen gemacht.

Das Saumagenlied

Preisend mit viel schönen Reden
ihrer Speisen Wert und Zahl
saßen kompetente Männer
einstens froh im Speisesaal.
"Herrlich schmeckt" - so sprach der erste -
"stets die Leber einer Gans,
aber erst bei Brück in Landau
kommt sie zu dem wahren Glanz."
"Lieber ist mir" - sprach der zweite -
"von den Gänsen stets die Brust:
Ja sogar die alten Pommern
haben dies schon längst gewußt."
"Höret" - sprach darauf der dritte -
"eure Sachen sind wohl fein,
doch ich lobe mir vor allem
Leberwurst von Worms am Rhein."
"Ja, die Wormser sind vortrefflich" -
Sprach der viert' -, "ich kenne sie:
Doch es sind die Otterberger
delikater noch als die."
Und der fünfte sprach: "Ich schätze
jeden hehren Wurstgenuß,
doch am Schwein ist stets das Feinste
so ein Ohr und eine Schnuß."
"Diese Sachen" - sprach der sechste -
"kenn' ich alle sehr genau,
doch es geht mir über alles
stets der Magen einer Sau.
Gut gefüllt wie sich's gebühret,
hergerichtet mit Verstand,
ißt ihn froh bei Weib und Kinde
jeder Untertan im Land."
Und es stimmt der Leberlober,
Wurst- und Schnußverzehrer ein:
"Sauenmagen ist das Beste,
dieser Füllsel-Edelstein."

Karl August Woll (1835-1893)

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Bildquelle: Fotoporträt Karl August Woll (1834-1893), Archiv des Saarpfalz-Kreises, via wikipedia commons, gemeinfrei