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Strandgut
Ein Inseltagebuch

Berndt Seite

Die Ostsee ist ein Sehnsuchtsort, an dem man seine Gedanken mit dem Meer schweifen lassen kann. Beim Anblick der Wellenbewegungen kommen Erinnerinerungen an das Auf und Ab des Lebens auf. In eindrucks- und stimmungsvollen Bildern beschreibt Berndt Seite in seinem Tagebuch philosophische Reflexionen in Rückblick auf sein privates und poltisches Leben. Das raue und derbe Klima der Ostsee, die verschiedenen Jahreszeiten am Meer haben dabei ihren ganz eigenen Charme und helfen ihm, alte Dinge abzustreifen und wieder zu sich selbst zu finden.

Leopold Sello

Von Sanssouci an die Saar

Der Vater war für irdi­sche Schätze zu­ständig, der Sohn für unterirdische. Leopold Sello wurde am 25. Ok­tober 1785 in Potsdam als Sohn des Königlichen Hofgärtners Jo­hann Wilhelm Sello geboren und stieg auf zum Chef aller preußi­schen Bergwerke an der Saar. Das Land war nach dem Wiener Kongreß 1815 größtenteils Frie­drich Wilhelm III. zugefallen.

Leopold Sello war auch an der Saar ein Verfechter preußischer Tu­genden: Von seinen Mitarbei­tern verlangte er Disziplin und Loyalität zu König und Vater­land. Unsinnige Vorschriften bekämpfte er bis in höchste Stel­len. Politischen Unruhen wie 1830 und 1848 versuchte er die Wucht zu nehmen, indem er sich u. a. dafür einsetzte, dass sich die Wohnbedingungen für die Bergarbeiter verbesserten. Der Potsdamer wurde rasch hei­misch: 1821 heiratete er in Ondweiler die Tochter eines Hütten­herrn.

Der Sohn des Hofgärtners Sello war als Chef der preußischen Bergwerke auch ein Eisenbahnpionier
Der Sohn des Hofgärtners Sello war als Chef der preußischen Bergwerke auch ein Eisenbahnpionier

Sello wurde, so würde man heute sagen, Konzernchef, in ei­ner Sparte, deren Stern gerade erst zu leuchten begann. Am 16. Mai 1816 trat er seinen Job in Saarbrücken an. Als „Bergmei­ster“ wird er Vorsitzender der „Königlichen Preußischen Bergamtskommission“. Nach dem Geologie-Studium in Berlin (1801 bis 1803) hatte er zunächst zahlreiche Bergbaure­gionen kennengelernt, war in Tarnowitz und Kupferberg (Schlesien), in Freiberg, im Harz und im Rheinland, aber auch in Belgien und Nordfrankreich. Die 18 saarländischen Kohlengru­ben, denen Sello nun Vorstand, die meisten in preußischem Staatsbesitz, beschäftigten über 1100 Arbeiter und förderten an­fangs 90 000 Tonnen Kohle. Sello erkannte früh, dass es zur Steige­rung des Absatzes leistungsfähi­ger Verkehrsverbindungen be­darf. Bisher beförderte man die Kohle auf dem Wasserweg und mit Pferdekarren. Sechs Rösser wurden vor die schweren Wa­gen, die eine Tonne aufnehmen konnten, gespannt. Die Fahrt war langwierig, und sie hinterließ tiefe Spuren. 1835 waren die Straßen von Saarbrücken nach Saargemünd und Luisenthal kaum noch zu benutzen, weil sie sechs bis acht Zoll tiefe Rillen hatten.

Die Eisenbahn wurde für Sel­lo zum wichtigsten Verkehrsmit­tel. Noch vor 1820 ließ er die er­ste Bahnstrecke, 2,5 Kilometer lang, zwischen der Grube Bau­ernwald und dem Verladeplatz Luisenthal anlegen. Doch die aus Berlin gelieferte Lok gab nach der Probefahrt den Geist auf. So mussten erst Menschen, dann Pferde die Wagen ziehen. 1821 bekam die Trasse eiserne Flachschienen, 1825 wurde sie zweigleisig. Sello dachte an wei­tere Strecken, man kam aber nie über das Projekt hinaus.

Eröffnungszug der Pfälzischen Ludwigsbahn in Bexbach 1849
Eröffnungszug der Pfälzischen Ludwigsbahn in Bexbach 1849

Als sich Ende 1835 nach der Eröffnung der Linie zwischen Nürnberg und Fürth ein regel­rechtes Eisenbahnfie­ber ausbreitete, witter­te auch Sello Morgen­luft. Am 26. Januar 1836 rief er ein Komitee ins Leben, dem führen­de Männer aus der Wirtschaft angehörten, um für eine Strecke Saarbrücken - Rhein­schanze (heute: Lud­wigshafen) Druck zu machen. Zwei Millio­nen Taler sollte sie ko­sten, 10 000 Aktien zu je 200 Taler wurden ausgegeben. Einige Wochen später war die Summe erbracht.

Aber noch elf Jahre sollte es dauern, bis der Bau begann, auf Staatskosten. Erst 1847 kam es zu einer Einigung zwischen Bayern und Preußen.

Beim Bahnbau beschäftigte Sello einige hundert Bergleute, für die es wegen einer Absatz­krise 1848 und 1849 keine Arbeit gab. Im Februar und März 1848 drängte Sello die zuständigen Regierungsstellen auf beschleu­nigten Beginn der Arbeiten. Er fühle sich nicht in der Lage, den derzeitigen Stand der Beleg­schaft noch länger als vier Wo­chen zu halten. Bei Entlassun­gen aber würde „für die Ruhe und Sicherheit der Kreise Saar­brücken und Ottweiler die ernstliche Besorgnis zu hegen sein“. Am 1. August 1850 fuhr der erste Kohlezug von der Gru­be Heinitz in die Pfalz. Im Sep­tember wurde der Abschnitt Neunkirchen-Bexbach eröffnet. Und immer mehr Gruben gin­gen ans Netz.

Sellos Einsatz für die Bahn trug Früchte. Der Absatz wurde vervielfacht. So konnten allein in der Grube Friedrichsthal 1869 etwa 210 100 Tonnen Koh­le abgebaut werden, 1850 waren es nur 14 200 Tonnen.

Neben seinen vielen wirt­schaftlichen Bestrebungen ist Sello auch politisch aktiv: 1860 wird er Deputierter des preußi­schen Abgeordnetenhauses für die Kreise Saarbrücken-Ottweiler und St. Wendel. Hochbetagt stirbt er am 17. Mai 1874 in Saarbrücken.


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Bildnachweise:
- Vorschaubild: Leopold Sello (Porträtfoto). Saarberg, Zentrales Lichtbildarchiv
- Die erste Eisenbahn in Deutschland zwischen Nürnberg und Fürth. Lithographie vom Eröffnungstag, 7. Dezember 1835
- Eröffnungszug der Pfälzischen Ludwigsbahn in Bexbach 1849. Datum 4. Februar 2014. Quelle:
www.saarpfalz-kreis.de