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Unser Leseangebot

Weihnachten bei Familie Luther

Christoph Werner

Luthers jüngster Sohn erzählt vom Christfest

Paul Luther, der jüngste Spross der Lutherfamilie, gewährt dem Leser Einblick in sein Leben und das seiner Familie.
Er berichtet von seiner Kindheit in Wittenberg und der Krankheit seines Vaters, von seiner Verwicklung, die ihm als Leibarzt widerfuhren, und von den Intrigen am Gothaer Hof. Reichlich illustriert öffnen sie dem Leser die Tür zur Weihnachtsstube der Familie Luther.

Bappisch Gutzje

Eine hochrangige Begegnung aus saarländischer Sicht

Helmut Schmidt und Erich Honecker, 1981
Helmut Schmidt und Erich Honecker, 1981

Am 11. Dezember 1981 reiste der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt zu einem dreitägigen Besuch in die DDR, um sich mit dem dortigen Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker zu treffen. Der Besuch war ihm sehr wichtig. In der Bundesrepublik Deutschland standen wichtige Landtagswahlen bevor. Schmidt und seine SPD hatten schlechte Umfragewerte. Die Ostpolitik der Regierung jedoch wurde vom größten Teil der Bevölkerung mitgetragen. Die Opposition lehnte diese Politik mehrheitlich ab. Es hätte, so schien es, im Interesse der DDR-Regierung gelegen, Schmidt und seine Regierung zu stärken. Deshalb erwarteten viele, dass Honecker dem westdeutschen Kanzler bei den Gesprächen entgegenkommen und ihm einige spektakuläre Erfolge ermöglichen würde.

Stattdessen ließ Honecker Vorrichtungen ergreifen, dass Schmidt bei seinem Besuch weitgehend isoliert blieb und nicht, wie zuvor Willi Brandt, von der Bevölkerung jubelnd begrüßt werden konnte. Er gönnte ihm keinen öffentlichkeitswirksamen Auftritt und führte die Verhandlungen so, dass Schmidt mit den Ergebnissen in keiner Weise punkten konnte. Er ließ ihn schlichtweg auflaufen.

Im Fernsehen wurde dann gezeigt, wie Honecker seinen Gast am Bahnhof in Güstrow verabschiedete. Schmidt stand schon in seinem Abteil am Fenster, Honecker auf dem Bahnsteig vor ihm. Der Staatsratsvorsitzende griff in seine Jackentasche. Dann überreichte er Schmidt zum Abschied ein Bonbon. Das war sehr ungewöhnlich für ein diplomatisches Zeremoniell und die Öffentlichkeit nahm es teils erheitert, teils verlegen zur Kenntnis. Saarländer aber konnten es besser wissen. Wenn dort jemand zum Ausdruck bringen will, dass sich etwas nicht lohnt, sagt er beispielsweise „ich arbeite doch nicht für e bappisch Gutzje" und das bedeutet: „für ein klebriges Bonbon". Ähnlich hat es wohl der aus Neunkirchen im Saarland stammende Honecker ausdrücken wollen: Ihr Besuch bei mir, Herr Schmidt, hat sich für Sie nicht gelohnt. Honecker hatte gegenüber dem amtierenden Bundeskanzler offenbar erhebliche Vorbehalte (was nicht gegen Schmidt spricht).

 

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- Vorschaubild: Rita Dadder
- Foto Erich Honecker und Helmut Schmidt, Döllnsee 1981: Bundesarchiv, Bild 183-Z1212-049 / CC-BY-SA (Fotograf: Rainer Mittelstädt) via Wikimedia Commons