Saarland Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.saarland-lese.de

Weiterempfehlen

Unser Leseangebot

Das Torhaus

Helga Drehers Roman ist eine Hommage an die Stadt Weimar. Coudrays lange unsaniert stehendes Torhaus wird zum Augangpunkt einer Nachwendegeschichte. Eine junge Frau erfährt Freundschaft und Hilfe, findet ihre eigenen Wege und zuletzt auch die Liebe.

St. Sebastian

Das Wappen der Stadt Blieskastel

Wappen der Stadt Blieskastel
Wappen der Stadt Blieskastel

Das Wappen der Stadt Blieskastel zeigt den Hl. Sebastian, auch die dortige Katholische Pfarrei trägt seinen Namen. Apropos Namen: Sebastian leitet sich vom altgriechischen „Σεβαστ?ς sebastós „ehrwürdig" ab, dazu aber noch später.

Der Ursprung des Stadtwappens geht auf ein Siegel zurück, das aus dem 16. Jahrhundert stammt. Es wurde 1837 durch den bayerischen König Ludwig I. genehmigt und am 24.12.1845 durch den deutschen Kaiser durch: „Allerhöchste Cabinettsordre" bestätigt. Sebastian war Schutzpatron der 1668-1680 erbauten und 1928 abgebrochenen Kirche. Auch die sog. Schlosskirche, der Hl. Anna und dem Apostel Philippus geweiht, zeigt in dem großen Deckengemälde das Martyrium des Hl. Sebastian.

Sebastian (Gedenktag 20. Januar) wird von der katholischen und der orthodoxen Kirche als Heiliger verehrt und ist z.B. Patron der Städte San Sebastián und Palma de Mallorca, obschon oder gerade weil das Leben des Heiligen fast ausschließlich auf Legenden beruht.

Statue des Heiligen Sebastian in Blieskastel
Statue des Heiligen Sebastian in Blieskastel

Nach dem Zeugnis des Kirchenvaters Ambrosius von Mailand (*339 in Trier, †397 in Mailand) wurde Sebastian in Mailand geboren, nach anderer Quelle in Narbonne. Da nur das Grab bekannt war (S. Sebastiano fuori le mura) entwickelte sich die Heiligenlegende von der Bedeutung seines Namens („erhaben", „ehrwürdig" s.o.) her. Danach diente er als Hauptmann der Prätorianergarde am Hofe Kaiser Diocletians (Marcus Aurelius Gaius Valerius Diocletianus; * zwischen 236 und 245 in Dalmatia † um 312 in Spalatum). Auf Grund seiner Stellung soll er zahlreichen Glaubensgenossen im Gefängnis geholfen haben. Auch soll er weitere Römer bekehrt haben, Wunder gewirkt und Märtyrer beerdigt haben.

Als der Kaiser von seinem christlichen Glauben erfuhr, ließ er ihn, an einen Baum gebunden, von numidischen Bogenschützen beschießen, der Körper blieb an der Hinrichtungsstätte liegen. Eine Christin, Irene, die ihn beerdigen wollte, stellte fest, dass er noch am Leben war und pflegte ihn gesund. Nach seiner Genesung trat er wieder vor den Kaiser und warf diesem öffentlich seine grausame Christenverfolgung vor, worauf er im Hippodrom des Palastes auf dem Palatin erschlagen wurde. Die Leiche warf man in die "Cloaca maxima", den größten Abwasserkanal der Stadt.

Im Traum soll Sebastian dann der Christin Lucina erschienen sein und auf den Ort, wo seine Leiche zu finden sei, hingewiesen haben. Man bestatte ihn im Coemeterium an der Via Appia, den Katakomben des Sebastian. Im 4.Jahrhundert wurde an diesem Friedhof die Apostelkirche erbaut, eine der sieben ersten frühchristlichen Pilgerkirchen. Im 9. Jahrhundert dann wurde die Kirche in „S. Sebastiano fuori le mura" (s.o.) umbenannt.

Das Martyrium hat den Charakter eines epischen Romans und fasst wohl mehrere römische Märtyrergeschichten zusammen, was der weit verbreiteten und volkstümlichen Verehrung seit dem 6. Jahrhundert keinen Abbruch tat. Reliquien finden sich in zahllosen Kirchen Italiens und Spaniens, in Hagenau (Elsass) ebenso wie in Ebersberg (Bayern). Papst Pius II. (1405-1464) schenkte dem Kloster Bebenhausen (heute ein Ortsteil von Tübingen) einen Pfeil, der auf Sebastian abgeschossen worden sein soll. Dieser befindet sich heute in der Martinskirche in Hirrlingen bei Tübingen. 

Albert Weisgerber: Gefesselter Sebastian im Walde
Albert Weisgerber: Gefesselter Sebastian im Walde

Um den Heiligen entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte eine enorm vielfältige Verehrung, so gilt er u.a. als Patron der Schützengilden, Soldaten, Eisengießer, Gerber, Steinmetze und vieler anderer Berufe. Angerufen wurde/wird er auch gegen Pest und Seuchen, Geschwüre, Wunden, kranke Kinder und in jüngster Zeit gilt er als Patron der Homosexuellen und Helfer gegen Aids.

Selbst viele Bauernregeln findet man im Zusammenhang mit dem Heiligen Sebastian, so z. B.: „An Fabian und Sebastian fängt Baum und Tag zu wachsen an"/ „An Fabian und Sebastian, da steigt der Saft den Baum hinan".


Zum Schluss seien exemplarisch zwei Künstler von der schier unüberschaubaren Zahl derer erwähnt, die sich mit dem Hl.Sebastian beschäftigt haben.

So hat sich der saarländische Maler Albert Weisgerber mit Sebastian in seinem sog. „Sebastian-Zyklus" ausgiebig auseinandergesetzt. (z. B. Sebastian an der Mauer, 1911, Sebastian mit blauem Tuch, 1913, Sebastian o.J., Bleistift auf gelblichem Papier, alle auf: www.kuenstlerlexikon.saar.de)

Rainer Maria Rilke hat das folgende Gedicht über das Martyrium des Hl. Sebastian verfasst (Neue Gedichte, 1. Teil, 1907):

Sankt Sebastian

Wie ein Liegender so steht er; ganz
hingehalten von dem großen Willen.
Weitentrückt wie Mütter, wenn sie stillen,
und in sich gebunden wie ein Kranz.

Und die Pfeile kommen: jetzt und jetzt
und als sprängen sie aus seinen Lenden,
eisern bebend mit den freien Enden.
Doch er lächelt dunkel, unverletzt.

Einmal nur wird seine Trauer groß,
und die Augen liegen schmerzlich bloß,
bis sie etwas leugnen, wie Geringes,
und als ließen sie verächtlich los
die Vernichter eines schönen Dinges.

 

*****
- Vorschaubild „Statue des Heiligen Sebastian in Blieskastel": Herbert Kihm
- Foto" Statue des Heiligen Sebastian in Blieskastel": Herbert Kihm
- Ölbild von Albert Weisgerber: Gefesselter Sebastian im Walde. (1910)
Public Domain, Quelle: Wikimedia Commons.