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Gudrun Schulz
Kennst du Bertolt Brecht?

Neugier wecken für einen Autor, der mit frechem neuen Ton die bürgerliche Gesellschaft attackierte und das Theater revolutionierte. Dies gelingt der Literaturwissenschaftlerin Gudrun Schulz in diesem Band. Brecht selbst kommt mit Briefen, Gedichten und Auszügen auas einigen seiner Werke selbst zu Wort. Dem Buch liegt eine CD mit 13 Hörbeispielen bei.

Fazit : Ein Buch für alle, die noch selbst denken können. 

 

Fürst Wilhelm Heinrich

Graf von Nassau-Saarbrücken

Nicht ohne Grund haben die Saarbrücker ihre größte Brücke sowie eine Straße nach ihm benannt. Wie kein anderer hat er das Erscheinungsbild der heutigen saarländischen Landeshauptstadt geprägt. Der am 6. März 1718 in Usingen (Hessen) geborene Wilhelm Heinrich war der vorletzte der in Saarbrücken herrschenden Grafen. Mit 23 Jahren trat er 1741 dieses Amt an und behielt es bei bis zu seinem Tod am 24. Juli 1768. Vorangegangen war, dass im Jahr 1728 Graf Friedrich Ludwig von Nassau-Ottweiler, der von 1723 an zugleich die Grafschaft Saarbrücken regiert hatte, ohne direkten Thronerben verstarb.

Das Geschlecht der Nassauer, benannt nach einer Burg an der Lahn im heutigen Bundesland Hessen, war eine in viele Linien geteilte Fürstenfamilie. Ihr gehörte seit 1381 durch Heirat auch die Grafschaft Saarbrücken. Bis heute spielen die Nassauer in Europas Adel eine bedeutende Rolle. König Wilhelm der Niederlande ist ein Fürst von Nassau-Oranien und im Fürstentum Luxemburg regiert Henri Herzog von Nassau.

Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken
Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken
Wilhelm Heinrich war der zweite Sohn von Wilhelm Heinrich von Nassau-Usingen und Charlotte Amalie, Gräfin von Nassau-Dillenburg. Der Vater starb kurz vor Wilhelm Heinrichs Geburt. Bis er das 23. Lebensjahr erreicht hatte übten seine Mutter und nach deren Tod sein Bruder Karl die Vormundschaft über ihn aus. Wilhelm Heinrich genoss eine umfangreiche Bildung. Er wurde calvinistisch erzogen, studierte in Straßburg, kam in Kontakt zum Hof von König Ludwig XV. in Frankreich und lernte die Gedanken der französischen Enzyklopädisten (Diderot, Voltaire, Rousseau u.a.) kennen. Seine Mutter war es auch, die den Baumeister Friedrich Joachim Stengel beauftragte, für ihren Sohn die Renovierung der vernachlässigten und heruntergekommenen Saarbrücker Schlossanlage zu planen. Wilhelm Heinrich nahm Stengel später in seine Dienste, nahm ihn mit auf eine Reise nach Paris und Versailles und beförderte ihn schließlich zum Generalbaudirektor und Wirklichen Kammerrat sowie zum Forstkammerpräsidenten von Nassau-Saarbrücken. Die Verbindung zwischen den beiden erwies sich als Glücksfall für Saarbrücken. Stengel ließ das baufällige Schloss abreißen und im Barockstil neu erbauen. Er gestaltete die Schlossanlage und den sie umgebenden Park neu und gab mit vielen weiteren Bauten der Stadt ein beeindruckendes Gesicht. Der vor allem durch seine Benimmregeln berühmt gewordene Freiherr von Knigge (1752-1796) bezeichnete das Schloss als „eine der schönsten Fürstenwohnungen in Deutschland" und nachdem Johann Wolfgang von Goethe im Jahr 1770 von Straßburg aus Saarbrücken besucht hatte, notierte er: „diese kleine Residenz war ein lichter Punkt in einem so felsig waldigen Lande." Für Wilhelm Heinrich entwarf Stengel auch einen zentralen Kirchenplatz, der dann allerdings erst unter dessen Sohn und Nachfolger Ludwig gebaut wurde. Er heißt heute nach seinem Erbauer Ludwigsplatz und gehört mit der wundervollen Ludwigskirche zu den größten Sehenswürdigkeiten des Barockbaus in Deutschland.
Schloss Saarbrücken nach 1748
Schloss Saarbrücken nach 1748

Nach allem, was uns überliefert ist, hat die Bevölkerung seines Landes Wilhelm Heinrich als einen guten und gerechten Herrscher erlebt. Als er sein Amt antrat, bestand seine Grafschaft aus vier kleinen Städten (Saarbrücken, St. Johann, Ottweiler und Homburg) und 140 Dörfern, die alle zusammen nicht einmal 13.000 Bewohner zählten. Als er 28 Jahre später starb, war die Bevölkerung auf 22.000 Einwohner angewachsen. Den Wohlstand seines Landes förderte er durch viele Maßnahmen, die zum Teil in dieser Zeit als revolutionär erschienen.

Um eine größere Steuergerechtigkeit zu erzielen, ließ er seinen Baumeister Stengel das Land neu vermessen. Er verstaatlichte die Kohlegruben, gab die Eisenhütten in fachkundige private Unternehmerhände, förderte die Glasindustrie und andere Produktionsstätten. Saarbrücken baute er zu einem Handelszentrum aus, wovon heute noch der rekonstruierte Saarkran Zeugnis gibt. Aus der waldreichen Umgebung von Saarbrücken lieferte er Holz in die Niederlande, um im Gegenzug von dort Spezereien und Kolonialwaren einzuhandeln. Ähnlich wie Friedrich der Große (1712-1786) förderte er den Anbau der aus Südamerika eingeführten Kartoffel. Das führte dazu, dass Kartoffelgerichte wie Dibbelabbes, Hoorische und Gefillde bis heute zu den bekanntesten saarländischen Gerichten gehören.

Enge Verbindungen hielt Wilhelm Heinrich zu Frankreich und zu König Ludwig XV. Der übertrug ihm sogar die Führung eines Regiments. Nationalstaatliches Denken war damals in Deutschland nicht üblich.

Verheiratet war Wilhelm Heinrich mit Sophie, Tochter des Grafen Georg Wilhelm zu Erbach. Daneben hielt er sich wie fast alle seine Fürstenkollegen Mätressen und Geliebte. Die Geschichte von den blauen Kostümen, die sein Nachfolger Graf Ludwig seinen Mätressen aus Paris mitgebracht haben soll, wird auch über ihn, den Vater, berichtet.

Insgesamt führte Wilhelm Heinrich eine sehr aufwendige Herrschaft und hinterließ seinem Nachfolger viele Schulden. Der brachte es mit Hilfe und durch hartes Sparen tatsächlich fertig, den Schuldenberg abzubauen und zugleich den Plan des nach ihm benannten Ludwigsplatzes zu verwirklichen. Gedankt wurde es ihm nicht. Er wurde 1793 durch die französische Revolution außer Landes vertrieben.

Sein Vater, Wilhelm Heinrich, verstarb nach einem Schlaganfall am 24. Juli 1768 hochgeehrt in Saarbrücken. Er wurde in der Saarbrücker Schlosskirche beigesetzt.

 

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Literatur:
Horst Heydt: Ludwigskirche und Ludwigsplatz zu Alt-Saarbrücken. Kliebenstein-Alkan Verlag, Saarbrücken 1991.

Bilder gemeinfrei
- Vorschaubild: Bearbeitung Rita Dadder