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Florian Russi
Papier gegen Kälte

Manfred Hoffmann, ehemals Klassenbester, ist ein angesehener Kinderarzt mit eigener Praxis und strebt nach dem Professorentitel. Stets bemüht, allen in ihn gesetzten Erwartungen zu entsprechen, steuert sein Leben in eine Sackgasse. Die jahrelange wissenschaftliche Arbeit erweist sich plötzlich als vergebens, sein Karriereaufstieg ist gefährdet, seine Ehe gescheitert, alle Erwartungen enttäuscht. Auf der Suche nach Genugtuung und nach Rechtfertigung begibt er sich auf Wege, die gefährlich weit in die Netze der organisierten Kriminalität ziehen.

Eine packende Mischung aus Entwicklungsroman und spannendem Thriller.

auch als E-Book erhältlich

Ernst Dadder

Musikpädagoge, Komponist, Kanute und Camper

Er war der Vater meines Mannes, 45 Jahre älter als dieser und zu Beginn des Jahres 1968 verstorben. Leider habe ich ihn nicht mehr persönlich kennengelernt, was ich hier über ihn schreibe, weiß ich von Erzählungen aus der Familie und von Freunden sowie aus erhalten gebliebenen Dokumenten.

Ernst Dadder war Musiker und Komponist und ein engagierter Kanute und Camper. Zehn Jahre verbrachte der 1897 in Mayen (Eifel) geborene zudem in Kriegen und Gefangenschaft. Er durchlebte die Kaiserzeit, den ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, die Saargebietszeit (1920-1935), den Nationalsozialismus und den 2. Weltkrieg, die Zeit des französischen Protektorats über das Saarland (1945-1957) und schließlich die Bundesrepublik Deutschland. Der Geschichte geschuldet führte er ein bewegtes Leben.

Er war der vierte Sohn einer Familie, deren Vorfahren aus dem Rheinland und aus Thüringen stammten. Der Vater, der starb, als Ernst 13 Jahre alt war, war Landgerichtsrat in Koblenz. Der Sohn studierte in Köln und Bonn Musik und war Assistent bei den Professoren Bölsche und Schiedermair. Bei Schiedermair promovierte er über den Bachschüler Goldberg. Sein Studium fiel in die Zeit der großen Inflation in der Weimarer Republik. Wenn er während der Semesterferien Klavierunterricht gab, mussten die Schüler das Entgelt vor Beginn der Unterrichtsstunden bar abliefern. Die Mutter nahm das Geld dann in Empfang und lief damit zum Händler. Am Ende der Musikstunden wäre es nur noch die Hälfte wert gewesen.

Ernst Dadder musizierte viel, u. a. mehrmals mit Paul Hindemith auf Schloss Monrepos in Neuwied vor den adligen Fräulein zu Wied. Einer seiner Klassenkameraden war Theo Mackeben, der später ein sehr erfolgreicher Komponist leichter Musik („Du hast Glück bei den Frau'n, Belami") wurde. Ernst Dadder komponierte u.a. ein Klavierkonzert und drei Streichquartette. Letztere wurden von namhaften Interpreten, so dem Assmann-, dem Hansen-, dem Fehse- und dem Versailler Quartett aufgeführt.

Konzert-Flyer von 1945
Konzert-Flyer von 1945
1924 kam er als Musiklehrer an die beiden Oberschulen in Saarlouis. Bis zur Pensionierung lehrte er als Studienrat Musik und Erdkunde am Humanistischen Gymnasium in Saarlouis. Unter seinen Schülern entdeckte und förderte er das Gesangstalent von Karl Christian Kohn, der später Kammersänger in München und Direktor des Salzburger Mozarteums wurde. Ein dankbares Publikum fand er nach dem 2. Weltkrieg, als er in Saarlouis einen gemischten Chor und ein Symphonieorchester gründete. Mit diesen brachte er u.a. den Messias, Die Schöpfung und Die Jahreszeiten zur Aufführung. Im Musikzimmer seines Wohnhauses, in dem auch eine Orgel installiert war, fanden unter seiner Leitung und Mitwirkung häufig Kammerkonzerte statt. Oft stand dann vor dem Haus ein Ü-Wagen des Saarländischen Rundfunks, der die Musik direkt an die Radiohörer übertrug. Im Auftrag des Dirigenten Karl Ristenpart instrumentalisierte er Haydns Kantate „Ariadne auf Naxos".
Entspannung beim Camping
Entspannung beim Camping
Ebenso wie die Musik bestimmten Kanufahrten und Campen sein Leben. Er gründete den Kanuclub „Untere Saar", nahm an vielen Rennen und Wettbewerben teil und unternahm mit einem Freund die Erstbefahrung des Rhônezuflusses Isère, einem sog. Wildwasser. „Est elle navigable?" (Ist sie (überhaupt) befahrbar?), rätselte damals eine lokale Zeitung. Ernst Dadder organisierte für den Kanubund viele Gruppenfahrten und internationale Begegnungen. Bis zum 2. Weltkrieg vertrat er als offizieller Delegierter den deutschen Kanuverband bei der Internationalen Camping-Föderation (IFCC, heute FICC). Aus dieser Zeit bewahrte er sich viele Freundschaften, u.a. auch mit dem IFCC-Präsidenten John Champion. Als im Jahr 1949, vier Jahre nach dem Ende der Hitlerherrschaft und dem 2. Weltkrieg im belgischen Ort Spa erstmals wieder ein großes internationales Campingtreffen („Rally") stattfand, wurde er zusammen mit seinen beiden Kindern als einziger Deutscher dazu eingeladen. In der Teilnehmerstatistik wurden die drei als „Sarrois" (Saarländer) geführt. Im Jahr 1953 gründete er den Saarländischen Campingclub und 1955 richtete er selbst in Saarlouis das jährliche große internationale Campingtreffen aus. Ihren Campingplatz hat die Stadt nach Dr. Ernst Dadder benannt.
Ernst Dadder 1916
Ernst Dadder 1916

Er war außerordentlich belesen und konnte stundenlange Gespräche mit seiner Kollegin Dr. Maria Caspar über Literatur, Erd- und Sternenkunde sowie Religion führen. Von seinen Freunden wurde er als unterhaltsamer Gesprächspartner geschätzt.

Als 17-jähriger hatte er sich, wie viele seiner Generation, freiwillig zum Dienst im 1. Weltkrieg gemeldet. In beiden Weltkriegen kämpfte er an verschiedenen Fronten und schließlich auch beim sogenannten Endkampf in Berlin. Er, der durch seine länderübergreifenden Freundschaften zum Pazifisten geworden war, hat fast nie über seine Kriegserlebnisse gesprochen. Ein mitleidiger Arzt, der ihm eine - nicht vorhandene - Krebserkrankung bescheinigte, sorgte dafür, dass er noch im Jahr 1945 aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Saarlouis zurückkehren konnte.

Als sich deutsche und französische Camper 1966 zu einem „Friedensrally" bei den Schlachtfeldern von Verdun trafen, stellten Ernst Dadder und einer seiner französischen Freunde fest, dass sie sich im 1. Weltkrieg als junge Soldaten genau gegenüber gelegen hatten. Es war Zufall, dass sie sich nicht gegenseitig ums Leben gebracht hatten.

 

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Alle Fotorechte: R. Dadder