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Luther im Himmel

Das jünste Gericht

Christoph Werner

Der große Reformator steht vor dem jüngsten Gericht; er ist angeklagt, auf Erden wahrhaft unchristlich gehandelt zu haben, da er Hexen, Juden und andere Gegner zu ersäufen oder zu pfählen empfahl. Nun muss er sich vor Gott rechtfertigen, warum er gegen das biblische Gebot der Nächstenliebe verstoßen habe.

Kuno I. in Tholey

Der grausame Mord an Kuno von Pfullingen

Benediktinerkirche und -abtei Tholey
Benediktinerkirche und -abtei Tholey

Als man im Jahr 1960 die Benediktinerabtei von Tholey renovierte, stieß man in der Nähe der Sakristei auf ein altes Grab, in dem sich zersplitterte Knochen befanden. Es waren die Gebeine des Heiligen Konrad von Trier, der hier im Jahr 1066 beerdigt worden war. Veranlasst wurde die Beerdigung durch Bischof Theoderich von Verdun, der sich seinem Amtsbruder Konrad verbunden fühlte und Beziehungen zum Tholeyer Kloster unterhielt.

Konrad war im Jahr 1066 zum Bischof von Trier ernannt worden. Dies aber war der Grund dafür, dass er wenig später ermordet wurde.

Konrad, auch Kuno, bzw. Kuno von Pfullingen genannt, war bis zu seiner Berufung zum Bischof von Trier Dompropst in Köln gewesen. Sein Onkel, Anno II., residierte dort von 1056 bis 1075 als Erzbischof.  

Anno II.
Anno II.
Anno (oft auch: Hanno), der sehr ehrgeizig und machthungrig gewesen sein soll, war es, der den damals im „Heiligen Römischen Reich" amtierenden Kaiser Heinrich IV. dazu veranlasste, seinen Neffen Konrad bzw. Kuno als Bischof von Trier einzusetzen. Damit hatten er und der Kaiser allerdings ihre Befugnisse überschritten. Nach damaligem Recht hätten der betroffene Klerus sowie der Adel und die Bürgerschaft von Trier vorher gefragt werden müssen. In Trier fühlte man sich deshalb übergangen und es kam zu heftigen Protesten. Die gelangten auch Erzbischof Hanno zu Ohren. Er beauftragte daher Bischof Einhard von Speyer, den Neffen mit militärischem Schutz nach Trier zu begleiten, damit er dort sein neues Amt antreten könne. Die Trierer waren jedoch so sehr erbost über die von ihnen als unwürdig empfundene Fremdbestimmung, dass sie ebenfalls einen Trupp von Soldaten zusammenstellten. Die ließen Konrad gar nicht erst bis in die Bischofsstadt vorrücken, sondern überfielen ihn, nachdem er mit seinen Begleitern in Bitburg ein Zwischenlager aufgeschlagen hatte. Bischof Einhard wurde von ihnen gefoltert, ausgeraubt und dann freigelassen. Konrad aber entführten sie auf die Burg Ürzig an der Mosel (zwischen Zeltingen und Kröv gelegen).
Auflistung der Bischöfe von Trier im Trierer Dom
Auflistung der Bischöfe von Trier im Trierer Dom

Nachdem sie ihn dort 14 Tage in Haft gehalten hatten, beauftragten sie vier von ihren Männern, den damals 50-jährigen zu töten. Die vier führten den Armen zu einem Felsvorsprung und stürzten ihn von dort hinab. Kuno überlebte jedoch den Sturz, worauf die Männer ihr Vorgehen noch zweimal wiederholten. Als Konrad daraufhin immer noch nicht tot war, hieben sie ihm den Kopf ab. Die Leiche ließen sie liegen. Sie wurde später von ortsansässigen Bauern gefunden und 30 Tage nach dem Mord in der Nähe beerdigt. Der mitleidige Bischof Theoderich von Verdun veranlasste wenige Tage später deren Überführung in die Abtei von Tholey, wo sie am 10. Juli 1066 beigesetzt wurde.

Auf Betreiben des damaligen Mainzer Erzbischofs Siegfried wurde Konrad in den Kanon der Heiligen und Märtyrer aufgenommen. Seine Mörder wurden exkommuniziert. Noch heute wird des tragischen Heiligen in einigen Gegenden Lothringens besonders gedacht. Er wird - wie sollte es anders sein - als Nothelfer bei Hüftleiden oder Gliederschmerzen angerufen. Sein Gedenktag ist der 1. Juni, der Tag, an dem er ermordet wurde.

 

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Bilder:
- Vorschaubild:: Wappen eines Erzbischofs. übernommen von wikimedia commons
- Foto "Benediktinerkirche und -abtei Tholey": Florian Russi
- Anno II., Erzbischof von Köln mit Modellen von ihm gestifteteter Kirchen und Klöster (um 1180).
- Auflistung der Bischöfe von Trier im Trierer Dom. Urheber: Holger Weinandt, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons