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Karlheinz Fingerhut 
Kennst du Franz Kafka?

Was für ein komischer Kauz muss dieser Kafka wohl gewesen sein, dass kaum ein Lehrer so recht weiß, wie ihn vermitteln. Dabei ließen sich Kafkas Texte mit Träumen vergleichen, und die kennt doch jeder.
Karlheinz Fingerhut ermöglicht in diesem Buch einen leichteren Zugang zum Menschen Kafka und zu seinen teils verwirrenden Werken.

Soldat im deutsch-französischen Krieg 1870/71

Soldat im deutsch-französischen Krieg 1870/71

Hans Herkes

Ein Militärpass gibt Auskunft

Den Zweiten Weltkrieg und damit den letzten deutsch-französischen Krieg habe ich als Kind erlebt. Mein Vater war gegen Ende des Ersten Weltkrieges eingezogen worden, aber nicht mehr zum Einsatz gekommen. Im Zweiten Weltkrieg machte er neben der Berufsarbeit eine Ausbildung bei der Heimatflak, Militär und Volkssturm blieben ihm erspart. Zu Lebzeiten meiner beiden Großväter gab es drei Kriege zwischen den Nachbarn, keiner von ihnen war Soldat, der eine 1914 mehrere Wochen bei der „kaiserlichen Fortifikation" westlich von Metz eingesetzt. Von einem meiner Urgroßväter weiß ich, dass er als Soldat am Krieg 1870/71 teilgenommen hat.
Porträtfoto von Johann D. (nach 1871)
Porträtfoto von Johann D. (nach 1871)

Johann D. war 1843 in Dillingen/Saar geboren worden. Im Jahr 1864 trat er in das stehende Heer ein und wurde in die 12. Kompanie des 8. Rheinischen Infanterieregiments Nr. 70 eingegliedert. Das steht auf Seite 5 seines Militärpasses. Damals überschrieb man dieses Dokument Militair-Paß. Auf Seite 6 liest man, dass er am 31. Juli 1867 nach erfüllter Dienstpflicht zur Reserve entlassen wurde.

Als 1870 der Krieg ausbrach, wurden viele Reservisten aus der Saargegend wieder mobilisiert und aufgefordert, sich beim 4. Rheinischen Infanterieregiment Nr. 30 in Mainz zu melden, so auch mein Urgroßvater. Dieses Regiment sollte zunächst die Festung Mainz sichern, wo bei Kriegsbeginn das preußische Hauptquartier war, dann wurde es nach Süden in Marsch gesetzt, um im Elsaß in den Krieg einzugreifen.

Dazu die Aufzeichnungen meines Urgroßvaters, der damals in Geislautern (heute Völklingen) wohnte: 

Soldatengruppe. Rechts außen (mit Armbinde): Johann D.
Soldatengruppe. Rechts außen (mit Armbinde): Johann D.

Die Mobilmachung fand am 12. Juli statt. Am 17. Juli gingen wir von hier fort nach Saarbrücken und fuhren mit der Eisenbahn nach Engers, von da nach Koblenz, dann nach Mainz. Dort waren wir bis am 4. August. Dann fuhren wir mit dem Dampfschiff nach Mannheim, wo wir nachts um 12 Uhr ankamen. 7 Tage waren wir dort im Quartier. Von da marschierten wir nach Ludwigshafen, dann nach Diedesfeld (bei Neustadt a. d. Weinstraße), dann nach Ingenheim (bei Bad Bergzabern) ins Quartier. Von da ging's über die französische Grenze und durch die Stadt Weißenburg bis Cleeburg (südlich von Weißenburg) ins Quartier. Dann in die Stadt Hagenau. Dann am 16. August kamen wir bei Straßburg an zur Belagerung. Die dauerte bis zum 27. September. Da kapitulierte es mit 1700 Mann. Am 28. marschierten wir ein und blieben drin bis am 3. Oktober, da gingen wir zu Fuß weiter bis Wangenau ins Quartier. Am 5. ging's in die Vogesengebirge, zwei Marschtage, und am 7. waren wir durch. Dann kamen wir in die Stadt Raon-l'Etape, dann in die Stadt Rambervillers. Dann in die Stadt Epinal, wo die Mosel durchläuft.

Die Seiten 10 und 11 des Militärpasses geben Auskunft darüber, an welchen Kämpfen mein Urgroßvater im Verlauf dieses Feldzuges teilgenommen hat.

Ist in Folge Mobilmachung wieder eingezogen worden, stand vom 19.7.70 bis 11.6.71 bei der 12. Kompanie, 4. Rheinischen Infanterieregiments Nr. 30 und hat an folgenden Schlachten und Gefechten teilgenommen: 

a) Schlachten:
Belagerung von Straßburg 17.8. - 28.9.70
Schlacht bei Belfort 15.1. - 18.1.71

b) Gefechte:
Scharmützel bei Lamarche 9.11.70
Gefecht bei Pâques 27.11.70
Gefecht bei Longeau 16.12.70
Gefecht bei Langres 18.12.70
Recognotierung (unleserlich) 9.1.71
Gefecht bei Chavanne 13.1.71

Führung: sehr gut
Strafen: keine

Sierck, den 11. Juni 1871
(Unterschrift)
Leutnant und Kompanieführer

Nach dem Krieg war das Regiment in Diedenhofen (Thionville) und Trier stationiert, ab 1876 in Saarlouis.

 

*****

- Vorschaubild: preußische Pickelhaube
- Die Fotos im Text stammen aus dem Privatbesitz von Hans Herkes.