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B-Z! Das ist nett! (Teil 2)

Dresdner Schrift-Sprach-Erwerb - 3. Heft

Anne Volkmann und Annett Zilger

Arbeitsheft zum Schreibenlernen

Das Arbeitsheft beinhaltet die Erarbeitung und Positionsanalyse aller noch fehlenden Konsonanten. Diese werden in Silben, Wörtern und Texten gelesen und geschrieben

Die Kröte unter dem Breitenstein

Die Kröte unter dem Breitenstein

Ferdinand Luxenburger

Im schönen Saargau lebte einmal ein überaus geiziger Bauer. Der war so habgierig und auch hartherzig, dass er keinem Bettler und keinem Fremden jemals auch nur ein winziges Stückchen Brot gegeben hatte. Bei den Leuten in der Gegend war der Geizhals gar nicht gut angesehen, weil er bei jeder Gelegenheit aufs Neue versuchte, für sich das meiste herauszuschlagen.

Ihm lag weder viel an den Menschen noch viel an Gott, dafür aber mehr an Gold und Silber. Immer wenn die Leute aus dem Dorf am Sonntagmorgen in der Kirche waren, öffnete er seine Schatztruhe und begann seine Gold- und Silbertaler zu zählen. Für ihn war es der Zustand allergrößten Glücks, wenn er mit beiden Händen in seinen Geldsack greifen und seine Taler, von denen er eine beträchtliche Anzahl besaß, durch seine Finger gleiten lassen konnte. Von diesem Glücksgefühl konnte er gar nicht genug bekommen.

Eines schönen Sonntagmorgens ergötzte er sich wieder einmal an seinen goldenen und silbernen Talern und ließ sie in höchster Verzückung durch beide Hände gleiten, als aus den über alles geliebten Talern plötzlich quickende Ratten wurden, die begannen an ihm zu nagen. Da es aber so viele wurden, wie er Taler hatte, konnte er nicht mehr Herr über das Ungeziefer werden und schließlich fraßen sie ihn mit Haut und Haaren auf. Am Ende blieb nur noch das Rippengestell übrig.

Seit dieser Zeit spukte es jede Nacht in diesem Hause. Man hörte draußen erbärmliche Schreie, die das ganze Dorf in Aufruhr versetzten. Alle wollten den Spuk loswerden und wieder Ruhe haben. Unterhalb der Burg Montclair gab es eine Armenhütte. Dort wohnte ein Mann, von dem man sagte, er sei der Bruder des Grafen von Montclair und von diesem um sein Erbe gebracht worden. Dieser bot sich an, dem Spuk ein Ende zu machen. Tatsächlich aber wollte er sich an dem Grafen für dessen Missetat an ihm rächen. Man sah ihn in das Spukhaus gehen und dann drang ein Rumoren aus dem Gebäude. Nach einiger Zeit trat der wunderliche Mann mit einem Sack auf dem Rücken auf die Straße und machte sich auf zur Saarschleife.

Fortan trieb in einer Höhle unter dem Breitenstein unterhalb der Burg Montclair eine Kröte ihr Unwesen. Wenn sie ihre Höhle verließ und durch den Wald hüpfte, verdorrten alle Pflanzen, die sie berührte auf der Stelle. Sogar die Fische, die in der Saar am Breitenstein vorbeischwammen, starben alle. Außerdem verbreitete sie einen unerträglichen Gestank unter dem Menschen und Tiere in der Gegend litten. Es war so schlimm, dass der Graf die Feste Montclair aufgab und mit seinem ganzen Gefolge die Burg verließ und von dannen zog. Es schien, als hätte der betrogene Bruder sein Ziel erreicht.

Dann gab es aber an der Saar einen langen und sehr kalten Winter. Als nach langen Wintermonaten das Eis zu schmelzen begann, lockten die ersten warmen Sonnenstrahlen die Kröte aus ihrer Behausung. Da sie aber das Licht nicht mehr gewohnt war, wurde sie von der Sonne und vom Schnee derart geblendet, dass sie auf dem Eis vor ihrer Höhle ausrutschte und ins Fallen kam. Sie überschlug sich im Schnee und es entstand sofort ein Schneeballen mit der stinkenden Kröte in der Mitte, der bergab rollte, schnell riesengroß wurde und krachend in die Saar stürzte. Dabei muss die Kröte ertrunken sein, denn sie wurde seitdem nicht mehr gesehen. Sogar der Graf kam mit seinem Gefolge auf die Montclair zurück. Der Graf und die Menschen im Saargau lebten fortan glücklich und waren froh, von dem unseligen Wesen befreit zu sein.

 

*****

Quelle: vgl.: Sagen und Geschichten des Kreises Merzig Wadern, herausgegeben von Matthias Enzweiler, Saarhölzbach 1955 

Vorschaubild: Bufo terrestris.Quelle: Wikimedia.commons