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Der Bronstein-Defekt

und andere Geschichten 

Christoph Werner

"Ich stellte bald an mir selbst die Verführung durch Zählen und Auswerten fest und empfand die Wonne, Gesetzmäßigkeiten bei gewissen Massenerscheinungen festzustellen. Nichts war vor mir sicher. Als erstes machte ich mich über die Friedhöfe her..."

Der neu gestaltete Klostergarten des Benediktinerklosters Tholey

Der neu gestaltete Klostergarten des Benediktinerklosters Tholey

Johannes Naumann

„Gott der Herr, legte in Eden einen Garten an und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte. Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume waschen, verlockend anzusehen und mit köstlichem Früchten, in der Mitte des Gartens aber der Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse." Gen 2, 8-9

Die geschichtlichen Grundlagen

Wenn die Geschichte aller Gärten im Garten Eden ihren Anfang nimmt, so fängt sie in Tholey an, als an der Stelle der Abtei eine römische Palastvilla stand. Derartige Großbauten waren landschaftsgärtnerisch in ein Konzept eingebettet. Vielleicht stammen einige der heute noch sichtbaren Terrassierungen bereits aus dieser Epoche. Mit Sicherheit kann davon ausgegangen werden, dass zur Römerzeit schon neue Obstsorten oder auch mediterrane Kräuter und Gemüse in unserer Region eingeführt wurden. Als sich zu Beginn des 7. Jahrhunderts eine klösterliche Gemeinschaft in Tholey niederließ, hat man neben den antiken Bauten sicherlich auch die Gärten auf irgendeine Weise weiter genutzt. Der zu Beginn des 8. Jahrhunderts zu datierende Übergang des Konvents von einer iro-schottischen Form zu einer Benediktinerabtei dürfte auf den Gartenbau positive Auswirkungen gehabt haben. Die körperliche und geistige Arbeit stand nunmehr gleichberechtigt neben dem Chordienst und Gebet. Im Mittelalter wurden eigene Schriften im Bereich der Gartenkultur entwickelt. Es seien hier nur an die Werke des Benediktinerabtes Walahfrid Strabo, etwa der Hortus oder sein Gedicht De cultura hortorum aus dem 9. Jahrhundert und die Schriften der Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert erinnert. Bemerkenswert für Tholey ist, dass ein Bruder der hl. Hildegard namens Roricus Mönch der Abtei St. Mauritius war. Man wird annehmen dürfen, dass die hl. Hildegard bei ihren vielen Reisen auch durch das verkehrsgünstig gelegene Tholey gekommen ist. Ob sie neben ihrem Bruder wohl auch den Abteigarten besuchte?

Die Klostergärten wurden klassisch in vier Bereiche geteilt:

  • Der Herbularius oder Heilkräutergarten
    Die angebauten Heilkräuter dienten als Rohstoff für die Klosterapotheke. Das antike Wissen wurde ständig ausgebaut, alles in der festen Überzeugung, dass die Apotheke Gottes gegen jede Krankheit ein Kraut bereithält.
  • Der Hortus oder Gemüsegarten
    Neben dem Getreide bildete Gemüse die Grundlage mittelalterlicher Ernährung. Je nach Saison wurde die Klosterküche mit unterschiedlichsten Gartenprodukten versorgt, darunter verschiedene Salate, Kohlsorten und Hülsenfrüchte. Gerade die Fastenvorschriften und das Autonomiegebot der Benediktsregel regten zu einem intensiven Gemüseanbau der Klöster an.
  • Das Pomarium oder der Obstgarten
    Neben den unzähligen Apfel- und Birnensorten wurden auch Pflaumen, Kirschen, Quitten, Esskastanien sowie Wal- und Haselnüsse kultiviert. Die Weinberge, oft auch Weingarten genannt, stellten je nach naturräumlicher Gegebenheit eine Sonderkultur mit hoher wirtschaftlicher Bedeutung dar. Die Tholeyer Weinberge lagen wegen des rauen Klimas außerhalb. So waren die Besitzungen der Abtei Tholey rund um Veldenz an der Mosel, in Altenbamberg in der Nordpfalz, im unteren Bliestal und im mittleren Saartal Weinanbaugebiete.
  • Das Viridarium oder Zier- und Grüngarten
    Hierbei handelt es sich um den geschichtlich jüngst etablierten Klostergartenbereich, dessen erste Belege in das 13. Jahrhundert zurückreichen. Der Dominikaner Albertus Magnus, Theologe und Philosoph, verfasst ein wissenschaftliches Grundlagenwerk mit dem Titel De vegitabilis libri VII und führt aus: „Nichts erquickt das Auge so sehr wie feines, nicht zu hohes Gras.".

Das Wissen um die Tholeyer Gärten

Leider sind nur wenige Urkunden und Archivalien erhalten, die eine genauere Vorstellung von den Tholeyer Klostergärten geben. Einige erhaltene gedruckte Bücher aus der Klosterbibliothek beschäftigen sich mit Gartenkunde. Hinzu kommen Pflanzlisten und Ertragsverzeichnisse aus Sequesterrechnungen der 1770er Jahre.
Klosteranlage mit Gärten aus der Zeit um 1790
Klosteranlage mit Gärten aus der Zeit um 1790

Bemerkenswert ist auch, dass mehrere Klostergärtner des 18. Jahrhunderts namentlich bekannt sind. Der letzte Abteigärtner vor der Französischen Revolution namens Didas konnte bei der Aufhebung der Abtei das Kapitelsaalgebäude und einen Teil der Gärten erwerben. Er und seine Nachfahren sorgen somit für einen Nachhall der klösterlichen Gartenkultur bis zur Wiederbesiedlung der Abtei.

Gewisse bauliche Strukturen, wie die Stützmauern, Brunnen, Weg und der Teepavillon von 1715 sowie Gartenskulpturen legen neben Karten des 18. Jahrhunderts materielles Zeugnis vom einst prächtigen Klostergarten ab.

Vom Ende des 18. Jahrhunderts liegt eine bemerkenswerte Nachricht aus einer botanischen Zeitschrift vor, dass es dem Abt Salabert „zum Erstaunen aller Fachleute gelungen ist in Tholey eine Magnolia grande flora zur größten Pracht und Blüte" geführt zu haben.

Die vorgefundene Situation

Die knapp vier Hektar große Garten- und Grünfläche südlich der Abtei stellt nur noch einen Bruchteil der barocken Gartenanlage dar. Der westliche Teil lag ehemals außerhalb der Klausurmauer und war Grünland. Durch Pfleglosigkeit war dieser strukturarme Bereich in Großteilen verwildert. Der östliche Bereich war von jeher Gartenland. Neben historischer Substanz waren gerade im 20. Jahrhundert etliche Kleinbauten hinzugekommen, die ästhetisch fragwürdig und funktional zum Teil gegenstandlos geworden waren. Auch hatte der Zahn der Zeit an ihnen genagt, so dass diese Gebäude nun saniert oder abgetragen werden mussten. Nicht zu verschweigen ist, dass die Abtei in den letzten Jahren schon viel Mühe und Geld in die Wiederherstellung der alten Umfassungsmauer, der Stützmauern und der Treppen investiert hatte.

Die Umgestaltung von 2009 bis 2012

Im Zuge der Restrukturierung, die mit der Sanierung des Kapitelsaalgebäudes und der Erweiterung des Gästehauses verbunden ist, stellte sich die Frage der Umfeldgestaltung. Das Wiederaufleben des Klostergartens ist dem Engagement der Eheleute Edmund und Ursula Meiser zu verdanken, die früh das Potential der Anlage erkannt haben. Mit Begeisterung und Fachwissen wurde unter Berücksichtigung der historischen Substanz und den Bedürfnissen des Konventes ein großzügiges Konzept entwickelt, dessen Finanzierung die Eheleute Meiser übernahmen und dessen Planung und Umsetzung sie bis in die Details mit Hingabe maßgeblich betrieben.

Gemäß den Erfordernissen eines Klosters wurde mittels eines stattlichen Zaunes die Klausur wieder hergestellt. Das Kloster und sein Garten stellen nunmehr wieder einen eingefriedeten und in sich geschlossenen Bereich dar. Dies ist für das monastische Leben eine unabdingbare Voraussetzung. Der westliche Teil des Klostergeländes wurde naturnah gestaltet. Das Gelände wurde der Hangsituation gemäß mit Erdreich modelliert und die Verbuschung entfernt. Der vor Jahren neu angelegte Fischteich musste entschlammt und somit saniert werden. Die vorhandene Zufahrt zur Straße „Im Klosterbrühl" wurde erneuert und mit einer Lindenallee versehen. Unschöne Böschungen wurden mit Erdreich modelliert und mit hunderten von Rhododendren-Stöcken verschönert. Die Pflege kann künftig weitestgehend maschinell erfolgen. Die neu entstandene Fläche wurde unter Beibehaltung vorhandener und Pflanzung neuer Bäume sowie die Anlage dreier Pflanzrondelle im Stil eines Englischen Gartens gestaltet.

Der Bereich des Mönchsfriedhofes wurde ebenfalls gärtnerisch neu gefasst. Die Verlegung eines Fußweges sowie die Sanierung einer Grenzmauer in Kooperation mit der Zivilgemeinde verbesserte die Situation ebenso wie die Entfernung standortfremder Fichten und die Neupflanzung von Blühgehölzen.

Der östliche Bereich der Anlage mit erhaltenen Barockgartenstrukturen wurde ebenfalls saniert. Durch die Entfernung von Nadelgehölzen, den Abriss des maroden Gewächshauses und zweier Betonkleinbauten, Ikonenatelier und Imkerei, sowie die Versetzung eines Strommastes außerhalb des Gartens erhielt die Anlage ihre einstige Großzügigkeit zurück. Die oben aufgeführten Bestandteile eines Klostergartens wurden auch in dem neuen Konzept umgesetzt. So wurde der Obstgarten durch eine neue Spalierobstpflanzung heimischer Obstsorten ergänzt. Ein neues Gewächshaus, das nun einen geeigneten Standort gefunden hat, versorgt die Klosterküche und das Gästehaus mit Gemüse. Durch Erweiterung eines vorhandenen Baues in der Südostecke der Anlage, nahe dem Schwesternheim, ist ein kleiner Betriebshof mit Garage und Werkstatt entstanden. Dort hat auch die Imkerei von Bruder Martin eine neue Heimat gefunden.

Das Teehaus von 1715
Das Teehaus von 1715

Auf der mittleren Ebene des Barockgartens wurden Rabatte mit Buchsbaum, Lavendel und Rosen angelegt. Überarbeitung und Neuanlage von Wegen ergänzen die Gartengestaltung ebenso wie die neuen Bänke.

Ein barocker Pavillon aus dem Jahre 1715 stellte sich als Teehaus heraus. Die Abtei leistete sich damals einen Kammermohren, der hohen Gästen Tee, Kaffee oder Schokolade servierte. Dieser kleine Bau ist leider in schlechtem Zustand. Erfreulicherweise konnten Bundes- und Landesmittel zur Instandsetzung gewonnen werden. Die Sanierung des barocken Teehauses kann somit in der zweiten Jahreshälfte 2012 erfolgen. Das Untergeschoss wird weiterhin als Werk- und Stauraum der Gärtnerei dienen. Im Obergeschoss wird ein kleiner Tagungs- und Versammlungsraum in wiederhergestellter barocken Art entstehen.

Das neue Abteitor in barocker Form
Das neue Abteitor in barocker Form

Bereits gelungen sind die Sanierung des Gartenbrunnens, den nun eine schmiedeeiserne Turmhaube ziert sowie die Versetzung einer Toranlage von 1753 zur Ausfahrt in Richtung Schwesternheim.

Dieses Tor hat schmiedeeiserne Torflügel in hochbarocker Formensprache erhalten, die ebenfalls ein Geschenk der Familie Meiser sind. Ein prächtiges Tor als Zugang zum Garten im Bereich zwischen Kirche und Gästehaus St. Lioba wird Mitte November errichtet. Dieses Kunstwerk wird sicherlich einen würdigen Einlass in den Klostergarten bieten.

Der historische Barockgarten wird nach Abschluss der Arbeiten der Öffentlichkeit zu bestimmten Zeiten zugänglich sein, die übrigen Gartenteile bleiben dem Konvent als Klausurbereich vorbehalten.

 

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Fotos: Johannes Naumann