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Goethe hat ihn bewundert

Goethes Begegnungen mit Felix Mendelssohn Bartholdy.

Horst Nalewski

Der Musikkenner und international geachtete Literaturwissenschaftler Horst Nalewski erzählt anhand fünf ausgewählter Beispiele von dem außergewöhnlichen Aufeinandertreffen und Zusammenwirken zweier Künstler. Eine CD mit den Musikstücken liegt diesem Büchlein bei.

Joan Thimmel

Begegnet man Joan Thimmel, so fallen zuerst seine neugierigen Augen und sein sanftes Wesen auf. Im Gespräch ist er stets freundlich und verbindlich und erklärt dem Betrachter gerne, wie seine Werke entstanden sind.

Joan Thimmel ist 1950 in Moldawien/Rumänien geboren. Dort erhält er auch seine künstlerische Ausbildung an der Hochschule für Bildende Künste in Bukarest. Er muss ohne Mutter aufwachsen, zu seinem Vater hat er mindestens zeitweise ein schwieriges Verhältnis. Durch seine familiäre Situation fühlt er sich in Rumänien nicht mehr zu Hause, das kommunistische System unter dem Diktator Nicolae Ceau?escu empfindet er zudem immer stärker als Zwangskorsett. Der junge Mann will folglich weg. Der Westen mit seiner Freiheit und seiner Musik übt eine große Anziehungskraft auf ihn aus und er träumt von den Entfaltungsmöglichkeiten, die sich ihm als Künstler im freien Westeuropa böten. Die erst beste Gelegenheit nutzt er deshalb zur Flucht, um über Jugoslawien, Italien, Monaco und Marseille schließlich nach Deutschland zu kommen. Wenn er heute betont, dass sein zweiter Tag in Deutschland der 1. Advent war, weiß man, dass er angekommen ist.

Er ist seit 1984 in Deutschland und er lebt und arbeitet seit vielen Jahren im Kreis Merzig-Wadern mit besonderem Bezug zum Dreiländereck Deutschland, Frankreich und Luxemburg, wo viele seiner Arbeiten zu finden sind.

Joan Thimmel ist ein Bildhauer im klassischen Sinne, der besonders die Materialien Stein und Holz „gerne hat", wie er betont. Er selbst sieht als grundlegende Voraussetzung für seine Kunst sein handwerkliches Können, das es ihm erlaubt, seine Ideen umzusetzen. So finden wir an seinen Steinskulpturen sowohl unbearbeitete als auch grob bearbeitete sowie glatt geschliffene feine Flächen, die sich wohlig anfühlen und wahre Handschmeichler sind. Er überrascht den Betrachter aber immer wieder mit ungewöhnlich erfrischenden Materialkombinationen. Mit Vorliebe kombiniert er Stein und Holz, die natürlichen Materialien. „Metall", so sagt er, „ist nicht meine Sache".

Dennoch kombiniert er zu Stein oder Holz auch Gegenstände aus Metall mit erstaunlichen Ergebnissen. Er kreiert sowohl kleine Plastiken, die man sich in den Wohnraum stellen kann, als auch überdimensionale Steinmonumente und -figuren. Viele seiner Werke sind im öffentlichen Raum zu finden wie beispielsweise die Perla, eine überdimensionale, sehr elegante Steinfigur, die die Weinregion Obermosel symbolisiert. Gelegentlich haben seine Werke eine politische Dimension, wenn er mit seiner Skulptur "Dreiklang", die vor dem Perler Rathaus steht, an das Zusammenleben im Dreiländereck und an das Schengener Abkommen erinnert. Immer wieder präsentiert er einzigartige Plastiken und Skulpturen aus Materialkombinationen, die den Arbeiten einerseits die Kraft der Erdverbundenheit verleihen und gleichzeitig eine wohltuende Leichtigkeit ausstrahlen. Sie ziehen den Betrachter in ihren Bann, bringen ihn aber auch mitunter zum Schmunzeln über die witzigen Ideen, die seine Skulpturen unverwechselbar machen. Er selbst kommentiert solche Arbeiten gerne mit einem verschmitzten Lächeln.

„Philosoph mit Hammer und Meißel" ist er schon mal genannt worden. Und in der Tat beschäftigt er sich oft mit Philosophie und lässt sich von ihr inspirieren. Er sagt selbst, dass er mit seinem künstlerischen Schaffen eine Verbindung zwischen Antike und Moderne herstellen will. Spätestens hier merkt man seine tiefe Verwurzelung im europäischen Kontinent und seiner Kultur. So verwundert es nicht, dass er sich immer wieder mit der europäischen Einigung thematisch auseinandersetzt.

Der gelernte Restaurator Thimmel ist ein besessener Arbeiter, der sich intensiv mit seinem Material auseinandersetzt. Denn durch die Beschäftigung mit dem zu bearbeitenden Material tastet er sich an die Idee für sein Kunstwerk heran. „Wenn dann die Muse kommt", wie er es nennt, beginnt die gestalterische Arbeit. Als Beispiel erzählt er die Entstehung eines seiner Werke. Im Wald hat er ein Stück Holz gefunden, das ein Blitzschlag vom übrigen Baum abgetrennt hatte. Zu Hause legte er es beiseite. Irgendwann ging er wieder an diesem Holz vorbei, in diesem Augenblick hatte er eine Idee und er hat sofort ohne Aufschub mit der Bearbeitung angefangen. Er spricht in diesem Zusammenhang davon, dass die Sachen ihn rufen und er dem Ruf nachkommen muss.

Der in der christlich-orthodoxen Tradition Südosteuropas aufgewachsene Thimmel sagt aber auch, dass er sich oft geführt fühlt bei der Gestaltung seiner Kunstwerke. Denn er glaubt fest daran, dass der, der ihm die Begabung gegeben hat, ihm auch die Ideen eingibt. Und er bekennt, dass er „im Herzen religiös" ist und deshalb gerne Altäre gestaltet, die in verschiedenen Kirchen und Kapellen der Region zu bewundern sind.

Der freischaffende Bildhauer Joan Thimmels hatte zahlreiche Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen und beteiligte sich an namhaften Künstlersymposien, u.a. hat er das Saarland auf der internationalen Kunstmesse art.metz vertreten.

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Fotos: Ferdinand Luxenburger