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Goethe hat ihn bewundert

Goethes Begegnungen mit Felix Mendelssohn Bartholdy.

Horst Nalewski

Der Musikkenner und international geachtete Literaturwissenschaftler Horst Nalewski erzählt anhand fünf ausgewählter Beispiele von dem außergewöhnlichen Aufeinandertreffen und Zusammenwirken zweier Künstler. Eine CD mit den Musikstücken liegt diesem Büchlein bei.

Blieskastel

Das „barocke Kleinod" des Saarlandes

Die Stadt Blieskastel, der Hauptort des Biosphärenreservates Bliesgau, grenzt an Rheinland-Pfalz und das französische Département Moselle. Mit 21.885 Einwohnern (Dez.2010) und 15 Stadtteilen umfasst ihre Fläche 108,3 km2, wovon rund 60% landwirtschaftlich genutzt werden, 27% sind Wald.

Im Stadtrat (39 Sitze) bilden CDU, Bündnis90/Die Grünen und der FDP-Abgeordnete eine sog."Jamaika-Koalition", die Bürgermeisterin, Annelie Faber-Wegener (CDU), wurde am 10.04.2005 mit 51,8% direkt gewählt.

Die Stephanuskirche, erbaut um 850
Die Stephanuskirche, erbaut um 850

Dieses Gebiet an der Blies ist uraltes Siedlungsland, wie der Gollenstein, ein 4000 Jahre alter Menhir, 12 hallstattzeitliche Grabhügel (750-450 v.Chr.) sowie Reste einer römischen Villa bei dem Stadtteil Bierbach (Der Heilige Pirminius) belegen. Die um 850 erbaute frühromanische Stephanus-Kirche im Stadtteil Böckweiler ist die älteste Kirche des Saarlandes.

Die Gründungsgeschichte liegt allerdings ebenso im Dunkeln wie auch die durch nichts belegte Ableitung des Namens vom römischen „Castellum ad Blesam".

Erste urkundliche Erwähnung findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 1098 auf der als Zeuge ein Graf Gottfried von Castele erscheint. Erster Nachweis einer Siedlung bei der Burg datiert auf das Jahr 1275, es folgten Jahrhunderte, in denen die Besitzer häufig wechselten. 1522 brannte Franz von Sickingen (1481-1523) in seinem Kampf gegen den Kurfürsten von Trier die Siedlung nieder. Der 30 jährige Krieg (1618-1648) forderte auch im Bliesgau seinen Blutzoll, so befanden sich - wie in einem Bericht zu lesen - 1651 in Blieskastel noch vier Haushaltungen mit drei Pferden und einer Kuh.

Orangerie
Orangerie

Die eigentliche Entwicklung der Barockstadt Blieskastel ist mit dem Adelsgeschlecht derer Von der Leyen verknüpft, einem uralten Geschlecht (879 erstmals erwähnt), das aus der Moselgegend stammt (Schloss Gondorf bei Kobern-Gondorf).

Entscheidend war dabei die Wahl Carl Caspers von der Leyen 1652 zum Kurfürsten und Erzbischof von Trier. Mit politischer Weitsicht und den nötigen Geldmitteln kaufte er zusammen mit seinen Brüdern, den Freiherrn Hugo Ernst und Damian Hartard, dem späteren Kurfürsten von Mainz, dem verarmten Adel im Bliesgau dessen Besitzungen ab.

1661 begannen die Bauarbeiten an dem Schloss, das nach Meinung von Historikern das eindrucksvollste Renaissancegebäude Südwestdeutschlands war, wie man an dem einzig erhaltenen Teil, der sog. „Orangerie" noch erahnen kann.

Palais am Schlossberg
Palais am Schlossberg

Ihre Glanzzeit begann für die Stadt nach 1733, als der regierende Reichsgraf Franz Carl von der Leyen und seine Gemahlin Marianne von der Leyen, geb. von Dalberg ihre Residenz von Koblenz nach Blieskastel verlegten. Von der folgenden, regen Bautätigkeit zeugen noch heute die stattlichen Palais an der Schlossbergstraße, das spätbarocke Rathaus I, gebaut als Zucht-, Arbeits- und Waisenhaus, die Franziskaner-Klosterkirche, die sog „Schlosskirche" sowie der großzügig gestaltete Paradeplatz.

1793 floh die Gräfin vor den anrückenden Revolutionstruppen, Blieskastel wurde Kantonshauptstadt des „Département de la Sarre" (gegründet 1798, nach dem Wiener Kongress 1815 aufgelöst).

Blieskastel, Lithographie nach Neumann, 1837
Blieskastel, Lithographie nach Neumann, 1837

Nachdem Kaiser Napoleon I. die „Völkerschlacht" bei Leipzig (1813) verloren hatte, gelangte der Kanton Blieskastel 1816 zum „Rheinkreis", der späteren Pfalz. Die Blieskasteler Bevölkerung war jetzt bayerisch!! Die damalige Einteilung zeigt sich heute noch in der kirchlichen Zuordnung dieses ehemals bayerischen Teiles des Saarlandes. Er ist dem Bistum Speyer bzw. dem Erzbistum München und Freising zugeordnet, während der „preußische", nördliche Teil zum Bistum Trier bzw. zum Erzbistum Köln gehört.

Die industrielle Entwicklung des 19. Jahrhunderts ging an Blieskastel vorbei, so dass die weitere Entwicklung auf dem Niveau einer Kleinstadt stagnierte.

Heute ist Blieskastel ein staatlich anerkannter Kneippkurort und ein bekannter Wallfahrtsort (s. dazu: Blieskastel und sein Gnadenbild).

Paradeplatz
Paradeplatz

Blieskastel bietet dem Gast eine Fülle von Sehenswürdigkeiten in seinem barocken Stadtkern mit seinen 154 Einzeldenkmälern, z.B. der Herkulesbrunnen (1691) oder der zu Ehren Napoleons I. errichteten sog. „Schlangenbrunnen". Im malerischen Würzbachtal findet man als Reste der Philippsburg, den „Roten Bau" und den „Annahof". 

Die Stadt liegt an der Barockstraße SaarPfalz, die auf ihrer Hauptroute von Ottweiler über Homburg, Zweibrücken, Blieskastel nach Saarbrücken führt und ist Etappe des Jakobsweges Pfalz-Saar vom Kloster Hornbach nach Herapel in Lothringen.

Auf dem Bliestal-Freizeitweg, der auf der Trasse der ehemaligen Bliestalbahn angelegt wurde, ist der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim (www.europaeischer-kulturpark.de) leicht per Fahrrad, zu Fuß oder auf Inlinern zu erreichen. Dort sind die Ausgrabungen einer gallo-römischen Siedlung mit ihrer Thermenanlage zu besichtigen, als auch keltische Grabhügel mit dem (begehbaren) Grab einer keltischen Fürstin.

Die Stadt ist Partner des jährlich stattfindenden Junior Weltcup Radrennens, der Trofeo Karlsberg, im Juli findet auf den Blieswiesen eines der größten Volksfeste im Saarland statt, das Webenheimer Bauernfest.Blieskastel ist darüber hinaus auch idealer Standort für Tagesausflüge in das nahe lothringische Metz, nach Luxemburg oder Trier.

 

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Textquellen:
- der offiziellen Webseite der Stadt Blieskastel entnommen, mit freundlicher Genehmigung
- Artikel über Blieskastel in wikipedia.de
- Heimatbuch des Kreises St. Ingbert (Saar), ein Volksbuch für Heimatkunde, herausgegeben vom Landrat des Kreises St. Ingbert, St.Ingbert, 1954.

Bildquellen:
- Das Vorschaubild "Schlossberg" und die Fotos Stephanuskirche, Orangerie, Palais am Schlossberg und Paradeplatz stammen von der Offiziellen Website der Stadt Blieskastel, entnommen mit freundlicher Genehmigung.
- Lithographie Blieskastel nach Neumann (1837): wikimedia.commons