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Florian Russi

Im Zeichen der Trauer
Tröstungen für Hinterbliebene

Dieses Büchlein will denjenigen helfen, die durch den Verlust eines geliebten Menschen in Trauer, Schmerz und seelische Not geraten sind. 

Weinbau im Bliesgau
„Ein guter Wein erfreut des Menschen Herz", dieses lateinische Zitat gilt wohl seit über 8000 Jahren, denn so alt sind die Ursprünge der Kultur von „Vinis vinifera", der Weinrebe. Als Ursprungsland des Weines gilt das antike Persien. So kann man in einer Fabel (etwa 2500 v.Chr.) lesen:
"Es steht geschrieben, dass ein König seine Trauben im Keller lagerte. Diese gärten nach einiger Zeit und somit begann die Weinkultur. Man dachte zu erst, die Trauben seien von bösen Geistern besessen und vergiftet. Als die Königin von diesem wohlschmeckenden Getränk nahm, um vor ihrer Migräne in den Selbstmord zu fliehen, wurde sie nicht nur von ihren Kopfschmerzen befreit, sondern sie wurde in fröhliche Stimmung versetzt. Aus diesem Grund wurde der Wein zum offiziellen Getränk."

Über die Ägypter, Phönizier und Griechen breitete sich die Kultur im Mittelmeerraum aus, mit der Eroberung Galliens (etwa 50 v. Chr.) gelangte der Weinanbau nach Norden und damit zu uns. Mit dem Untergang des Römischen Reiches ging dann auch der Anbau zurück, erlebte aber eine neue Blüte durch die Gründung von Klöstern, benötigte man doch zu jeder Messfeier auch den entsprechenden Messwein.

Neben den Klöstern wurde Weinanbau auch von den Feudalherren betrieben, da sie rasch feststellten, dass Wein eine profitable Handelsware war. So ergab es sich, dass der Weinanbau im Mittelalter praktisch im gesamten Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation verbreitet war. Eine der ersten urkundlichen Erwähnungen des Weinbaus im Bliesgau stammt aus dem Jahr 1291. In ihr ist folgendes zu lesen: "Die genannten Edelfräulein Ida und Lyza (Töchter des Ritters Heinrich Roter von Saarbrücken) sollen uns, die Vorgenannten, auch darüber unterrichten, wie groß der Weinberg ist, den sie in Eschringen angelegt haben."¹

1241 wurde bereits eine Schenkung eines Weinbergs auf dem Berg von Mengen (Bliesmengen) an das Kloster Wörschweiler beurkundet.¹

Auch andere Klöster in der Region wie Hornbach (s. Artikel über den Hl. Pirminius), Gräfinthal oder das Stift St. Arnual betrieben eigenen Weinbau in dieser Zeit.

Man kann sich heute schwer vorstellen, welche Rolle der Wein im Mittelalter als Getränk gespielt hat. Nach Schätzungen belief sich der Verbrauch auf 150 Liter pro Kopf und Jahr - heute sind das gerade mal 23 Liter¹!

Die in der Zeit kultivierten Rebsorten waren der Elbling, die Gutedeltraube, der Riesling und der Trollinger, der auch unter dem Namen „Hammelhoden¹" bekannt war.

Weil die Weiterverarbeitung und Lagerung des Weines noch in den Kinderschuhen steckte, musste der Wein meist innerhalb eines Jahres getrunken werden, da er sonst leicht „umkippte" und durch den Kontakt mit Sauerstoff durch Essigsäuregärung zu Essig wurde. Da die damaligen sog. Grundweine „pur" oft kaum genießbar waren, wurden sie meist mit diversen Kräutern, Honig oder Beerenfrüchten versetzt. Diese Praxis , die schon die Römer bei ihrem Wein, Mulsum genannt, praktizierten, ist bis heute noch üblich z.B. bei unserem „Glühwein", der ja oft auch nicht die „edelsten" Weine als Grundlage hat.

In den folgenden Jahrhunderten (15. bis 17. Jahrhundert) durchlebte der Weinanbau einen enormen Einbruch. Zahlreiche Kälteperioden und der 30-jährige Krieg mit seinen Folgen, wie der Entvölkerung ganzer Landstriche, waren dafür die Gründe.

Ab dem 18. Jahrhundert blühte der Weinbau dann im Bliesgau wieder auf. Dies war vor allem der Verdienst der Reichgräfin Marianne von der Leyen (1745-1804), die den Wein- und Obstanbau in der Grafschaft Blieskastel sehr förderte; genannt werden von ihrem Biographen Ludwig Eid namentlich vier Dörfer: Auersmacher, Kleinblittersdorf, Habkirchen und Bliesmengen-Bolchen.¹

Im Gefolge der Französischen Revolution und der Säkularisierung der Klöster erlitt der ohnehin nicht sehr produktive Weinbau im Bliesgau einen weiteren Rückschlag, zumal die Qualität seiner Produkte meist nicht gerade „berauschend" war.

Den endgültigen Niedergang brachte dann die „Reblausseuche" (Phylloxera), die aus Amerika eingeschleppt worden war, sowie die praktisch parallel dazu auftretenden Pilzerkrankungen Peronospora (Falscher Mehltau), Oidium (Echter Mehltau) und Botrytis (Graufäule) Ende des 19.Jahrhunderts.

Aber auch die gesellschaftlichen Umwälzungen - Stichwort Industrielle Revolution - spielten eine Rolle. Immer mehr Bauern wurden zu Arbeitern in den Fabriken und Kohlengruben und gaben den unrentablen Weinbau auf. Getränke wie Bier und Kaffee wurden immer populärer und viele Bauern wandelten einen Teil ihrer ehemaligen Wingerte in pflegeleichtere Obstbaumwiesen („Streuobstwiesen") mit Quetschen und Mirabellen um. Andere Weinberge wurden sog. Sozialbrache und verbuschten.

In neuerer Zeit versuchen einige Hobbywinzer und Enthusiasten eine Renaissance des Weinbaus im Bliesgau. Durch die Zertifizierung der Region als UNESCO- Biosphärenreservat haben diese Projekte einen starken Auftrieb bekommen, zumal sie als Regionalprodukte sicherlich einen Absatzmarkt finden könnten. Der Unternehmer und Sommelier Klaus Ruffing versucht sogar eine Wiederbelebung des professionellen Weinbaus im Bliesgau zu initiieren (www.blieswein.de, kr@blieswein.de).

Vielleicht können dann die Bürger des Bliesgau in naher Zukunft mit Produkten „vun dehemm" selbst überprüfen, was es mit dem Zitat des griechischen Philosophen Plutarch(*45 - †125) auf sich hat:

Der Wein ist unter allen Getränken das nützlichste, unter den Arzneien die schmackhafteste und unter den Nahrungsmitteln das angenehmste!"
- Na denn Prost!

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¹Roland Schmitt, Zur Geschichte des Weinbaus im Bliesgau und an der Oberen Saar (Saar-Blies-Winkel),Wiesbaden 2010, Schriften

Textquellen:
 - Roland Schmitt, Zur Geschichte des Weinbaus im Bliesgau und an der oberen Saar(Saar-Blies-Winkel), Wiesbaden 2010, Schriften zur Weingeschichte Nr.167
- www.eschringen.de, Weinbaugeschichte im Saar-Blies-Winkel und Saarbachtal, Geschichtswerkstatt vom 20.11.2006
- Wikipedia, die freie Enzyklopädie

Bildnachweise:
Bild oben rechts: Herbert Kihm
Bild unten links: By Stan Shebs, CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Commons