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Wilfried Bütow
Kennst du Heinrich Heine?

Kunstfertig in vielen Genres, geht Heine souverän mit den Spielarten des Komischen um, erweist sich als ein Meister der Ironie und der Satire und weiß geistreich und witzig zu polemisieren.
Doch hatte er nicht nur Freunde. Erfahre mehr vom aufreibenden Leben Heines, wie er aus Deutschland fliehen musste, in Paris die Revolution von 1830 erlebte und den großen Goethe zu piesacken versuchte.


 

Krieg an der Saar: Episode in Besseringen

Krieg an der Saar: Episode in Besseringen

Wilhelm Wöste

Wilhelm Wöste (1911 - 1993), von 1969 bis 1976 Leiter des Katholischen Büros in Bonn und seit 1976 Weihbischof in Münster, kam als Militärgeistlicher Ende Oktober 1944 an die Saar, nach Mettlach. Seine hier wiedergegebene Tagebuchaufzeichnung macht deutlich, wie misstrauisch die Menschen beim Zusammenbruch des Dritten Reiches waren, wenn Unbekannte nach bestimmten Personen fragten. Man wusste, wie gefährlich es war, als Gegner der herrschenden Nazipartei verdächtigt zu werden. Andererseits erkennt man aus dieser und anderen Stellen des Kriegstagebuches des Divisionspfarrers Wöste, dass es den Nazis nicht gelungen war, in den zwölf Jahren ihrer Herrschaft - im Saargebiet waren es nur zehn - die zum großen Teil katholische Bevölkerung der Kirche und ihren Repräsentanten zu entfremden.

Hans Herkes

Aus demTagebuch eines Militärpfarrers

21.11.44
An diesem und dem folgenden Tag geht es kreuz und quer durch den Divisionsbereich, um Truppen, vor allem auch in Bunkern, zu besuchen. Ich benutze alle Verkehrsmittel: nur einen Pkw kann man wegen der Jabos nicht mehr benutzen. Endziel war Besseringen. In Brotdorf, wo ich beim Pfarrer übernachtete, wurden mir Grüße aufgetragen an den Pfarrer in Besseringen. Der Ort sei geräumt, aber der Pfarrer halte sich versteckt. Als ich morgens gegen 9 Uhr am Ortsrand von Besseringen ankam, stand ein Bauer vor der Tür, der wohl zur Feuerwache gehörte. Meine Frage: „Wo finde ich den Pfarrer?" Er wird ganz verlegen: vom Pfarrer wisse er nichts. Ich sage ihm: „Ich weiß, dass er hier ist, Sie können es mir ruhig sagen. Ich bin Feldgeistlicher", und zeige ihm das Kreuz vor meiner Mütze, „ich muss ihm Grüße bestellen." Der Bauer war immer noch verlegen. Da schaute er durch ein offenes Schlafzimmerfenster und zeigte auf ein Kruzifix, das dort an der Wand hing. Seine Frage: „Können Sie das beschwören bei dem, der dort an der Wand hängt?" Meine Antwort: „Ich schwöre es." Da atmete er auf, zeigte die Straße, die im Dorf herunterging, und sagte: „In dem zweitletzte grünen Haus ist er im Keller." Als ich an dem Hause ankam, stiegen gerade einige Leute die Kellertreppe herauf: Der Pfarrer hatte seine Messe gehalten. Ich steige herunter und bestelle dem Pastor die Grüße. Er hat sich sehr gefreut. Kaum hatten wir ein Gespräch angefangen, da erschien der Bauer oben auf der Treppe, um sich zu überzeugen, dass alles seine Richtigkeit habe.

 

*****

Quelle: Aus dem Kriegstagebuch von Kriegspfarrer Wilhelm Wöste, 25.10.44 bis 21.3.45. In: Zeitschrift des Katholischen Militärbischofsamtes 2/1992/34. Jahrgang.

* Weitere Auszüge aus dem Tagebuch von Wilhelm Wöste in der Saarland-Lese:
21.11.4/32.11.44: Von Dreisbach über Nohn nach Orscholz
24.12.44: Weihnachten 1944