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Charles-Nicolas Peaucellier

Charles-Nicolas Peaucellier

Hans Herkes

Geb. 1832 in Saarlouis, gest. 1919 in Reims, bestattet in Wallerfangen

Wallerfangen, am Fuß des Limbergs gelegen, der von der Höhe des Saargaus bis nah ans Ufer der Saar vorstößt und so das Saarlouiser Becken im Nordwesten begrenzt, zählt nicht zu den großen Dörfern im Saarland. Wenn man über den Wallerfanger Friedhof geht und auf den Grabsteinen die deutschen und französischen Namen von Persönlichkeiten und Familien liest, die über die Grenzen nicht nur des Dorfes, sondern auch der Region hinaus bekannt geworden sind, ist man erstaunt. Dass Franz von Papen, Reichskanzler gegen Ende der Weimarer Republik, hier sein Grab hat, werden die meisten wissen. Weniger bekannt sind die Bestatteten mit französischem Namen. Einer von ihnen, der hier seine letzte Ruhe fand - in seinem Fall ist diese Wendung in besonderer Weise angemessen - ist Charles-Nicolas Peaucellier.

Er war 1832 in Saarlouis als Sohn eines Arztes geboren worden, machte Karriere in der französischen Armee, brachte es zum General, starb 1919, wurde in Paris bestattet, im selben Jahr nach Dillingen und zehn Jahre später nach Wallerfangen überführt.

Wer war Charles-Nicolas Peaucellier? Im Großen Brockhaus von 1996 findet man unter seinem Namen keinen Artikel, jedoch wird er erwähnt unter dem Stichwort „Inversor". Dort liest man: „Mathematisches Gerät zur Konstruktion einer Inversion, bes. der von dem frz. Ingenieur A. Peaucellier 1867 entwickelte Peaucellier-I.." Es folgt die Beschreibung des Gerätes, das dazu dient, eine geradlinige Bewegung in eine kreisförmige zu übertragen oder umgekehrt.

Die Stärke des Charles-Nicolas Peaucellier lag also auf dem Gebiet der Mathematik und der Bewegungstechnik. Wie passt das zu seiner Militärkarriere? Diese begann in Toul in einer Pioniereinheit (un Bataillon du Génie). In dieser Zeit, im Jahr 1863, gelang ihm die Erfindung, die in der Geschichte der Technik bis heute mit seinem Namen verbunden ist. Aber fuhren damals denn nicht schon seit drei Jahrzehnten Eisenbahnen durch Europa, deren Lokomotiven mit einem solchen Gestänge zur Kraftübertragung ausgerüstet waren? Wohl. Aber es war noch nicht möglich, Dampfmaschinen kleinerer Bauart in der Industrie (Textil, Keramik), der Landwirtschaft (Dreschen), auch beim Militär zu verwenden. Auf diesen Gebieten konnte nun Peaucelliers Inversor eingesetzt werden.

Wie es dazu kam, dass der 1919 in Reims verstorbene General seine letzte Ruhestätte in Wallerfangen fand, ist im einzelnen nicht bekannt. Die Gründe werden in der Familiengeschichte zu suchen sein. In erster Ehe war er mit einer Tochter der Dillinger Industriellenfamilie Defrance verheiratet. Marie-Hélène Defrance starb nach vierjähriger Ehe mit 28 Jahren. Seine zweite Frau, Marie-Thèrèse Sthème de Jubecourt, stammte aus Wallerfangen, wo ihr Vater als Ingenieur und technischer Direktor in der Keramikindustrie tätig war. Sie wurde nur dreißig Jahre alt und starb nach sechs Ehejahren.

Haben die Kinder aus diesen zwei Ehen oder andere Familienmitglieder die beiden Umbettungen des Verstorbenen nach Dillingen und Wallerfangen veranlasst? Herr Rainer Darimont, der Verfasser des umfangreichen und interessanten Artikels in „Unsere Heimat", glaubt nicht, dass dieses Rätsel gelöst werden könne.

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Vorschaubild: Modell des Inversors von Peaucellier. Lizenz: CC-BY-SA-3.0-en, by en.wikipedia.org.