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Marienfloss bei Sierck-les-Bains

Marienfloss bei Sierck-les-Bains

Hans Herkes

Als Papst Johannes-Paul II. im Oktober 1988 Frankreich besuchte, erwähnte er in seiner Ansprache im Metzer Dom Marienfloss. Dieser Wallfahrtsort, ganz nah bei Sierck im Tal des Baches von Montenach gelegen, ist den Marienverehrern nicht nur in Lothringen, sondern auch im angrenzenden Saarland und in Luxemburg wohl bekannt. Der Name gibt Rätsel auf. Meint er „Maria am Fluss", oder geht er auf das lateinische Wort flos für Blume zurück?

In dem wasserreichen Tal - die Stelle hieß Bruch - ist im 10. Jahrhundert ein Dorf bezeugt mit einer Kirche „St.Lorenz auf den Feldern". Dorf und Kirche fielen 980 einem Brand zum Opfer und wurden nicht wieder aufgebaut. An dieser Stelle gründeten 1238 Herzog Matthias II. von Lothringen und sein Gemahlin Katharina von Limburg eine Zisterzienserinnenabtei. Sie bestand bis 1414. Die Töchter des hl. Bernhard von Clairvaux verehrten die Muttergottes in besonderer Weise. In dieser Periode entstand der Name Mariefloss.

Von 1415 bis 1431 lebten Kartäusermönche im Kloster im Bruch, in Marienfloss, verließen das Tal jedoch, um bei Rettel am Ufer der Mosel eine neue Abtei zu gründen. Ein weiterer Versuch, einen Mönchsorden für den Ort zu gewinnen, scheiterte nach fünf Jahren. Arnold VI. von Sierck fand eine Lösung, der sowohl der Herzog von Lothringen als auch der Kurfürst und Erzbischof von Trier zustimmten, so ungewöhnlich sie für die Zeit war. Er überließ das Haus 1436 einer Gruppe von Weltpriestern des Dekanats Perl, die nun in Marienfloss gemeinsam lebten, aber auch Pfarrer ihrer jeweiligen Gemeinden blieben und diese versorgten. Der Perler Pfarrer war zeitweise der Vorsteher der Gemeinschaft. Das dauerte zwei Jahrhunderte, bis im Dreißigjährigen Krieg das Kloster zerstört, die Kirche beschädigt wurde. Danach ging die Anlage in den Besitz der Kartäuser von Rettel über, damit wenigstens an den kirchlichen Festen Gottesdienste stattfanden. In der Französischen Revolution wurde die Kirche zerstört.

Die Ruinen vor den Mauern der Stadt Sierck-les-Bains sind also traurige Zeugen einer längst vergangenen Zeit? Nicht nur! Ab 1963 und bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts wurden auf Veranlassung des damaligen Siercker Pfarrers Joseph Lecomte Renovierungsarbeiten vorgenommen. Die linke Seitenkapelle der ehemaligen Klosterkirche ist wieder hergerichtet und heute das eigentliche Ziel der Pilger. Den Grundriss der Kirche deuten Säulenstümpfe und die Umfriedung des Platzes an, die an die Perlenschnur des Rosenkranzes erinnert.

1982 wurde die neu gestaltete Anlage eingeweiht. Bei der Feier war neben dem Bischof von Metz ein Vertreter des Bistums Essen anwesend. Dieser Umstand wie auch die Erwähnung von Marienfloss durch den Papst in der Metzer Kathedrale bedürfen einer Erklärung. Sie ist schon angedeutet mit dem Hinweis auf die rosenkranzähnliche Einfriedung des Ortes.

Nach dem Scheitern ihrer Ehe mit Herzog Karl II. von Lothringen verließ Herzogin Margarete von Bayern Nancy und zog sich in das Schloss von Sierck zurück. Sie kannte den Trierer Kartäuserprior Adolf von Essen und lud ihn ein, das von den Zisterzienserinnen verlassene Kloster zu übernehmen und ihr geistlicher Führer zu werden. Er folgte der Einladung mit seinem Schüler Dominik von Preußen und einigen anderen Ordensbrüdern. Die beiden Kartäuser gelten als die Erfinder des Rosenkranzes, eines meditativen Gebetes, in dem die Ereignisse aus dem Leben Jesu mit dem „Gegrüßet seist du, Maria" verbunden werden. Gewiss lehrten sie die vom Leben enttäuschte Herzogin diese Art zu beten. Sie wird darin Trost gefunden haben so wie viele andere Beter seit jener fernen Zeit.

 

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Quelle: Archiprêtre Joseph Lecomte, Notre-Dame de Marienfloss, Berceau du Rosaire