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Roland Opitz
Kennst du Fjodor Dostojewski?

Das Leben Dostojewskis glich einer Achterbahnfahrt: stetig pendelnd zwischen Verehrung und Verachtung, zwischen Erfolg, Spielsucht und Geldnot. Mit 28 Jahren wurde er wegen revolutionärer Gedanken des Hochverrats angeklagt und zum Tode verurteilt, landet dann aber im sibirischen Arbeitslager.
Er gilt als Psychologe unter den Schriftstellern, derjenige der hinab schauen kann in die Abgründe der menschlichen Seele. Diese Biografie ist gespickt mit Auszügen aus seinen Meisterwerken sowie mit einigen seiner Briefe, die einen offenherzigen Menschen zeigen.

Die Grafen von Saarbrücken (11. - 15. Jh.)

Die Grafen von Saarbrücken (11. - 15. Jh.)

Uta Plisch

Die Grafschaft Saarbrücken entstand im 11. Jahrhundert, als der Graf des Saargaus Sigebert I. (1080 - 1105) (auch Sigibert oder Siegbert in anderen Quellen genannt) sämtliche Besitzungen des Bistums Metz an der Saar, am Rhein und im Elsass 1080 als Lehen erhielt. Zuvor hatte Kaiser Heinrich IV. dem Bischof von Metz, Adalbero III. von Luxemburg, die Grafschaft Saarbrücken verliehen.

Die Grafen von Saarbrücken stellten im 12. Jahrhundert einen Machtfaktor im Südwesten Deutschlands dar. Sie besaßen große Läauml;ndereien an der Saar, im Bliesgau, im Elsass, in der Pfalz und am Mittelrhein. Auch standen ertragreiche Vogteien unter ihrer Schirmherrschaft. Die Macht der Grafen kann man daran ermessen, dass aus ihren Reihen im 12. Jahrhundert zweimal die Erzbischöfe von Mainz berufen wurden. Wahrscheinlich durch Heirat kamen zusätzlich um 1100 die Zweibrücker Lande hinzu. Die Saarbrücker Grafen waren Vasallen der Bischöfe von Metz.

Friedrich I., ein Sohn des Gaugrafen Sigebert I., erbte 1105 die Saarbrücker Herrschaft und führte als erster Saargaugraf ab 1123 den Titel „Graf von Saarbrücken". Er hatte zwei Brüder, Bruno, Bischof in Speyer, und Adalbert, Erzbischof in Mainz. Friedrich war verheiratet mit Gisela, die die Ländereien um das Kloster Hornbach mit in die Ehe brachte.

Ihm folgte sein Sohn Simon I. (1135 - 1183). Zwischen 1182 und 1190 erfolgte eine Erbteilung. Der älteste Sohn Simon II. erhielt den westlichen Teil der Herrschaft. Der jüngere Sohn Heinrich erbte alle Ländereien östlich der Blies und damit auch die Hornbacher Waldmark sowie die Lothringer Lehen und nannte sich ab diesem Zeitpunkt Heinrich I., Graf von Zweibrücken. Somit nahmen die Zweibrücker Lande eine eigenständige Entwicklung als Grafschaft Zweibrücken.

Miniatur von Friedrich Barbarossa, der auf einem seiner Vergeltungsfeldzüge gegen diverse Kirchenfürsten Saarbrücken zerstörte.
Miniatur von Friedrich Barbarossa, der auf einem seiner Vergeltungsfeldzüge gegen diverse Kirchenfürsten Saarbrücken zerstörte.

Heinrich, der die Vogtei über das Kloster Hornbach besaß, musste damit auch die Gerichtbarkeit in der Gegend ausüben. Jedes Jahr an Mariä Geburt saß er im Kloster zu Gericht und urteilte über Streitigkeiten zwischen Rittern, Leibeigenen und Hubern. Huber waren Bauern, die als Ackerland eine Hube (Hufe) besaßen. Die Hube oder Hufe ist ein Flächenmaß von ca. 30 Morgen und entsprach damals der Fläche, die mit einem Pflug bestellt werden konnte. Daher stammt auch der häufige Familienname Huber. Für die Ausübung dieser Pflicht der Gerechtsamkeit musste der Abt Heinrich jedes Mal 12 Heller für Fleisch und Brot sowie ein Maß Wein und für sein Pferd 20 Bund Stroh zahlen. Das alles wissen wir aus den klösterlichen Unterlagen dieser Zeit.

1168 zerstörte Friedrich Barbarossa Saarbrücken und drei weitere Burgen der Grafen. Dies hatte zur Folge, dass die Saarbrücker Grafen aus der Reichspolitik ausschieden.

Simon II. übte von 1183 bis 1207 die Regierungsgeschäfte als Graf von Saarbrücken aus. Er war verheiratet mit Liutgard von Leiningen. Nach seinem Tod übernahm der älteste Sohn Simon III. die Herrschaft. Der jüngste Sohn Friedrich erbte 1212 die Grafschaft Leiningen, nachdem die Grafen von Leiningen ohne Nachkommen geblieben waren. Er begründete die jüngere Linie der Grafen von Leiningen. 

Belagerung von Damiette/Ägypten während des 5. Kreuzzugs
Belagerung von Damiette/Ägypten während des 5. Kreuzzugs

Simon III. war verheiratet mit Laurette von Lothringen, Tochter von Friedrich II., Herzog von Lothringen. Er war ein Anhänger der Staufer und unterstützte sie im Thronfolgestreit. Später gehörte er zum engeren Kreis Friedrichs des II. und nahm von 1217 bis 1219 am Fünften Kreuzzug teil. Er war beteiligt an der Belagerung von Damiette im Jahr 1218.  

1227 starb sein einziger Sohn Dietrich. Um der weiblichen Linie das Erbe der Grafschaft Saarbrücken als Metzer Lehen zu sichern, schloss er einen Vertrag mit dem Metzer Bischof Johann von Apremont. Der Nachfolger Johanns, Lorenz von Leistenberg, wollte den Vertrag aber nicht anerkennen, als Simons Tochter Mathilde ihrer Schwester Laurette als Gräfin von Saarbrücken folgte. Die Auseinandersetzungen zogen sich hin bis nach Mathildes Tod. Die Metzer Lehnshoheit verkam im Laufe der Jahrhunderte zu einer Formsache, bis sie bei der Reunionspolitik Ludwigs XIV. wieder eine Rolle spielte.

Um 1234 starb Graf Simon III., und mit ihm hörte die männliche Linie der Grafen in Saarbrücken auf zu existieren. Es folgte zuerst Tochter Laurette als Regierende. Nach ihrem Tod übernahm Tochter Mathilde die Macht. Sie war in erster Ehe verheiratet mit Simon von Broyes, Graf von Commercy. Ihrem Sohn Simon IV. (1271 - 1308) gelang es schließlich, die Herrschaft über die Grafschaft Saarbrücken dauerhaft zu sichern. Er begründete das Haus Saarbrücken-Commercy. Ihm folgten sein Sohn Johann I. (1308 - 1342) und sein Enkel Johann II. (1342 - 1381).

Wappen ders Saarlandes
Wappen ders Saarlandes

Das Wappen der Grafen von Saarbrücken-Commercy stellt einen silbernen Löwen mit goldener Krone dar, das Feld bestreut mit den silbernen Kreuzen des Stadtwappens von Commercy (Bild oben links). Erhalten geblieben ist dieses Wappen im Wappen des Saarlandes im linken oberen Feld.

Simon IV. erbte von seinem Vater die Herrschaft Commercy an der Maas und 1274 von seiner Mutter Mathilde die Grafschaft Saarbrücken. Er übte somit eine Doppelherrschaft aus. Aus dieser Zeit stammten die guten Verbindungen der Grafen von Saarbrücken zum französischen Königshaus. 1322 erhielt die Doppelstadt Saarbrücken und St. Johann und 1324 die Stadt Commercy die Stadtrechte verliehen.

1341 fand eine Erbteilung im Hause Saarbrücken-Commercy statt, wodurch sich der französische Besitz halbierte. Die männliche Linie des Grafenhauses starb 1381 mit dem Tod von Johann II. aus. Im gleichen Jahr starb auch Erbtochter Johanna. Erbe war ihr Sohn Philipp aus der Ehe mit Graf Johann I. von Nassau-Weilburg. Somit fiel die Grafschaft Saarbrücken 1381 an Nassau-Weilburg. Die Territorien an der Saar wurden mit den Gütern an Lahn und Main zusammengelegt. 1442 wurden sie geteilt in eine linksrheinische Linie „Nassau-Saarbrücken" und eine rechtsrheinische „Nassau-Weilburg" (jüngere Linie Nassau-Weilburg).