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Luther im Himmel

Das jünste Gericht

Christoph Werner

Der große Reformator steht vor dem jüngsten Gericht; er ist angeklagt, auf Erden wahrhaft unchristlich gehandelt zu haben, da er Hexen, Juden und andere Gegner zu ersäufen oder zu pfählen empfahl. Nun muss er sich vor Gott rechtfertigen, warum er gegen das biblische Gebot der Nächstenliebe verstoßen habe.

Thomas Burg
Thomas Burg
Thomas Burg

Die Gemeinde Überherrn liegt unmittelbar an der saarländisch-lothringischen Grenze und pflegt traditionell freundschaftliche Beziehungen zu den benachbarten französischen Gemeinden. Thomas Burg ist Bürgermeister der rund 12.500 Einwohner zählenden Grenzlandgemeinde - und die Art und Weise, wie Thomas Burg Bürgermeister wurde, war mir bis dahin ebenfalls nur aus der französischen Kommunalpolitik bekannt: Ohne von einer der örtlichen Parteien oder Organisationen vorgeschlagen oder unterstützt zu werden, ließ sich Thomas Burg - im Wahljahr 1999 gerade 33 Jahre alt - in die Bewerberliste eintragen. Da er neben vier weiteren Kandidaten als „freier Bewerber" kandidierte, benötigte er rund 100 Unterschriften von Überherrner Bürgern, die seine Kandidatur befürworteten. Zur Überraschung vieler wurde er bereits im ersten Wahlgang mit über 51 % der Stimmen zum Bürgermeister der Gemeinde Überherrn gewählt.

Die Gemeinde Überherrn und das „Leben an und mit der Grenze" ist seitdem für den Politik- und Verwaltungswissenschaftler Thomas Burg nicht nur angestammte Heimat, sondern auch berufliche Wirkungsstätte. Bei der Bürgermeisterwahl im Jahr 2007 bestätigten die Überherrner Bürgerinnen und Bürger - diesmal sogar mit über 80% - Thomas Burg in seinem Amt.

Vorgaben für sein politisches Engagement fand Thomas Burg auch im Elternhaus. Schon der Vater Gerhard Burg war in der Zeit vor der Gebiets- und Verwaltungsreform Amtsvorsteher und nach 1974 Bürgermeister des Amts- bzw. Gemeindegebietes Überherrn. Und dessen Kamerad, der Überherrner Helmut Bulle, späterer Finanzminister des Saarlandes, war Taufpate des 1966 geborenen Thomas Burg. Vater und Patenonkel hatten sich als Jugendliche beim gemeinsamen Versuch, einem verunglückten Jungen das Leben zu retten, kennengelernt und angefreundet. Später hatten beide im 2. Weltkrieg in der Marine gedient und nach dem Krieg in Überherrn eine Marinekameradschaft mitgegründet. Aus dieser Initiative entwickelte sich eine Partnerschaft zur Bundesmarine, die u. a. ihren Ausdruck fand in der Patenschaft der Gemeinde Überherrn zu dem früheren Minensuchboot „Herkules" - und heute die Patenschaft mit einem Minenjagdboot unterhält, die den Namen der eigenen Gemeinde trägt: „Minenjagdboot Überherrn".

Auch sonst ist der Name Überherrn wohl seit Bestehen der Großgemeinde bekannter geworden. Im Industriegebiet Häsfeld entstanden mehrere erfolgreiche, teilweise international agierende Gewerbebetriebe. Auf den Höhen des Ortsteils Berus befinden sich das einzigartige Europadenkmal, eine nachgefragte psychosomatische Klinik, die beliebte Wallfahrtstätte „St. Oranna" und die Sendeanlage des französischen Rundfunkdienstes „Europa I". Die restaurierte Teufelsburg, dem Ortsteil Felsberg zugehörig, der „Alte Grenzweg", der die Gemeinde mit Frankreich verbindet, auch die Partner- und Freundschaften der Ortsteile zu mehreren französischen Kommunen, das Tagungshotel und die Jagdschule „Linslerhof" sowie zahlreiche Spuren einer über trausendjährigen Geschichte tragen ebenso zur Attraktivität Überherrns bei.

Sechs Ortsteile bilden die Gemeinde Überherrn insgesamt: Altforweiler, Berus, Bisten, Felsberg, Überherrn mit dem jüngsten, heutigen selbstständigen Ortsteil „Wohnstadt". In dieser sehr schönen vom Warndtwald teilweise umgebenen Region - eingebettet in das Tal der Bist - ist es nachvollziehbar, dass Thomas Burg sehr gerne auch als Wanderer in seiner Heimat diesseits und jenseits der Grenze unterwegs ist.

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Foto oben rechts: Thomas Burg
Vorschaubild: Florian Russi