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Flechtwerk
Lebendige Nachbarschaft und Integration

so heißt die erste Ausgabe unserer neuen Zeitschrift

FLECHTWERK - Lebebendige Nachbarschaft und Integration

Die Deutschen sind ofener geworden und haben gleichzeitig mehr Sinn für Heimat, Familie und Nachbarschaft entwickelt. Es müssen neue Wege gesucht werden, um Ausgrenzung und Anonymität zu verhindern.

Erwin Strempel

Im Frühsommer 1941 spielte der VfL St. Ingbert in der Fußball-Gauliga gegen Borussia Neunkirchen. Borussia gewann 4:0. Überragend: St. Ingberts l7jähriger Torhüter Erwin Strempel. „Der kann einmal ein ganz Großer werden; ein überdurchschnittliches Talent", stand am nächsten Tag in der Zeitung. Im Frühsommer 1951 spielte der 1. FC Saarbrücken bei Englands Traditionsklub FC Liverpool; Endergebnis 1:1. Überragend: Saarbrückens 27jähriger Torhüter Erwin Strempel. „Ein Meister seines Fachs", titelte am nächsten Tag die Zeitung in Liverpool. Der 1. FC Saarbrücken, der in jener Zeit kreuz und quer durch Europa tingelte, war zum „British Football-Festival" an die Anfield Road eingeladen worden. Bei einem Spanien-Trip etliche Wochen zuvor hatten die „Molschder" beste Werbung für sich gemacht: 4:0-Sieg hei Real Mad-id, 4:0-Sieg in Bilbao und 2:2 in La Coruña. Und jetzt das Unentschieden in Liverpool, wo die Fans der Hafenstadt den tollkühnen Torhüter aus dem Saarland mit Applaus überhäuften. Aber es kam für den Saarländer noch toller:
Der FC Liverpool meldete sich hinterher „mit einem guten Angebot" bei Erwin Strempel. In der Nachbarstadt Manchester huldigten die Fußballanhänger einem deutschen Torhüter - Bert Trautmann war nach der Kriegsgefangenschaft da geblieben. Und jetzt wollte der FC Liverpool auch einen Deutschen zwischen die Pfosten stellen?

Strempel machte den Plan der Engländer zunichte. „Ich wäre damals 18 Monate gesperrt worden bei der Freigabeverweigerung durch den 1. FCS." Bei dem „No" des Mannes aus Lautzkirchen aber dürfte auch die Heimatverbundenheit eine Rolle gespielt haben. Fragt man heute Erwin Strempel nach Spielen, die er nicht vergißt, nennt er spontan als Nummer 1 „das in Liverpool", und fügt an; „Es gab für mich eine ganze Reihe schöner Spiele." Beispiele; Das deutsche Finale 1952 gegen den VfB Stuttgart (2:3) und die Begegnungen in der WM-Qualifikation 1953/54. Vor welchem Offensivspieler seiner Zeit hatte der Schlußmann aus dem Bliesgau den meisten Respekt? Die Antwort: „Respekt hatte ich vor keinem. Ob das Fritz Walter war, ob Ottmar Walter, Helmut Rahn, ob Hans Schäfer oder der Neuendorfer Schmutzler." Gegnerische Namen hätten ihn wenig interessiert; „meine Aufgabe war es, den Kasten dichtzumachen". Im Sturm-Metier hatte er auch seine Erfahrungen gesammelt, l6-jährig in der A-Jugend von Blieskastel. Da wurde der junge Strempel je nach Personalbedarf im Tor und im Angriff eingesetzt. „Im Tor aber war ich stärker, deshalb bin ich dort geblieben", war dieser Pendelverkehr zwischen den Positionen für ihn rasch beendet.

Über seiner großen Zeit in Saarbrücken sind Licht und Schatten zurückgeblieben. Das Gute: „Wir haben schönen Fußball gespielt, waren eine verschworene Gemeinschaft, hatten viel Erfolg und waren glücklich dabei." Nach dem Spiel habe man sich zusammengesetzt und einige Bierchen getrunken. „Heute", so ereifert sich Erwin Strempel, „setzen sich die Herren Spieler nach dem Duschen in ihren Mercedes und fahren schnell heim." Auch an das weniger Angenehme in seiner FCS-Zeit erinnert er sich; „Kurt Clemens, Karl Schirra und ich hatten es nicht leicht, uns zu behaupten. Wir waren keine Molschder, und dort wurde zwischen Preußen und Bayern unterschieden. Nur mit eiserner Zähigkeit konnte ich mich so lange in Saarbrücken halten." Das genannte Fußballertrio kam aus der bayerischen Pfalz.

Trainer, die ihn besonders geprägt haben? Er nennt Helmut Schön und Gustl Jordan. Ausschließlich im finanziellen Bereich sieht er die Unterschiede im Fußball der 50er und der 90er Jahre begründet. Die vielen Verletzungen in der Gegenwart seien auf Geld und großen Erfolgsdruck zurückzuführen, weil deshalb viel zu hart gespielt werde „Wir waren mit dem damals verdienten Geld zufrieden, haben manierlich gelebt, brauchten aber nicht so knallhart zur Sache zu gehen." Der 1. FCS hätte vor mehr als vier Jahrzehnten technisch noch mehr gebrach „wenn wir jeden Tag hätten trainieren können." Ja, das liebe Geld! Es diktierte auch da Geschehen in Erwin Strempels zweiter sportlicher Karriere, dem Tennisspiel. Nachdem er den Torhüterpulli für immer in die Kleidertruhe gelegt hatte, übte er sich im Umgang mit dem Racket: Gründungsmitglied des TC Blieskastel, 26 Jahre Tätigkeit im Vorstand, ein Dutzend Jahre erster Vorsitzender, zweiter Vorsitzender, Sportwart, Senioren-Kreismeister Ostsaar, Saarland-Vizemeister der Altersklasse II. Das ist Vergangenheit. Erst ist Erwin Strempel zum Fußballtor, dann auch zum Tennisnetz auf Distanz gegangen.

 

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In der saarländischen Nationalmannschaft spielten auch:
- Herbert Binkert
- Kurt Clemens
- Herbert Martin