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Bewegte Jahre

Klaus Beer

Es sind bewegte, ereignisreiche und unsichere Jahre: die Zeit des Krieges, der russischen Besetzung und der Aufbaujahre der DDR. Der etwas andere Bericht der Jahre 1940-1960, frisch erzählt, sozusagen "von Leber weg" mit allerlei Gelegenheiten zum Erinnern und Schmunzeln.

Ludwig von Nassau-Saarbrücken

Ludwig von Nassau-Saarbrücken

Uta Plisch

Ludwig von Nassau-Saarbrücken
Ludwig von Nassau-Saarbrücken

Ludwig war der letzte Fürst von Nassau-Saarbrücken, und mit ihm endete die Ära der aufgeklärt-absolutistischen Herrscher in dieser Region. 1745 geboren, war er der erste Sohn von Wilhelm-Heinrich von Nassau-Saarbrücken und dessen Ehefrau Prinzessin Sophie Christiane zu Erbach. Wie sein Vater vor ihm studierte er später an der Universität Straßburg und unternahm im Anschluss daran eine siebenjährige "Erbprinzenreise" (1759-1766). Diese führte ihn zunächst an den Hof König Ludwigs XV. nach Versailles. Er verstand sich gut mit dem französischen Monarchen. Die guten Beziehungen zu Frankreich schlugen sich später in den Verträgen von 1773 und 1774 nieder, die die Freizügigkeit zwischen Frankreich und den nassauischen Landen garantierten. Weitere Stationen seiner Reise waren England, die Niederlande, Italien, Frankreich und die Fürstenhöfe Deutschlands.

Am 30. Oktober 1766 heiratete der Fürst die fünfzehnjährige Wilhelmine von Schwarzburg-Rudolstadt. 1768 wurde Sohn Heinrich geboren. Die Ehe war nicht glücklich, und so zog sich Wilhelmine, damals schon an diversen Krankheiten leidend, mit ihrem Sohn auf Schloss Halberg zurück, damit er ohne den Einfluss des Hofes aufwachsen konnte.

Fürst Ludwig weilte oft zu Besuch am Hofe König Ludwig des XV. Er galt als leichtlebig und dem weiblichen Geschlecht sehr zugetan. Als er wieder einmal aus Paris zurückkam, hatte er sich für seine Geliebten etwas ganz Besonderes ausgedacht. Als Geschenk brachte er jeder eine identische Robe aus blauer Seide mit. Am darauf folgenden Sonntag, als die Glocken zum Gottesdienst läuteten, stolzierten plötzlich aus allen Gassen Frauen in leuchtend blauen, weit ausladenden Prachtgewändern zur großen Belustigung der anständigen, ehrsamen Saarbrücker Bürger. Der "blaue Sonntag" blieb ihnen noch lange im Gedächtnis. Und ihr Landesvater zeigte damit eine ganz besondere Art von Humor.

Mit einer seiner Mätressen, Freifrau Frederike Amalie von Dorsberg, hatte er zwei uneheliche Kinder. In deren Haushalt lernte er die Kammerzofe Katharina von Kest kennen, die später seine große Liebe wurde. Jeder Saarländer kennt auch heute noch die Geschichte von der Gänsegretel von Fechingen, die später die rechtmäßige Gemahlin des Fürsten wurde.

Wappen der Fürsten von Nassau-Saarbrücken
Wappen der Fürsten von Nassau-Saarbrücken

1768 starb Fürst Wilhelm Heinrich, und zwei Jahre später übernahm Fürst Ludwig die Regierungsgeschäfte in Nassau-Saarbrücken. Seine wichtigste Aufgabe bestand darin, den riesigen Schuldenberg seines Vaters abzubauen, ein Mäzen der Saarbrücker Industrie. Allerdings fehlte ihm bald das nötige Geld, um die Wirtschaftspolitik seines Vaters fortsetzen zu können, und er sah sich gezwungen, Ländereien zu verpfänden. Auch seine Hofhaltung in Saarbrücken konnte er nicht mehr aufrechterhalten und benutzte die kleineren Jagdschlösser im Saarbrücker Umland als Regierungssitz. Zu diesen gehörten Jägersburg-Neunkirchen, Neuhaus, Dudweiler und Karlsbrunn. Trotzdem gelang es ihm, weitere Bauvorhaben durchzuführen. 1769 ließ er die Schloss- und Gartenanlage Ludwigsberg auf dem Malstatter Bann errichten. Die Ludwigskirche, die sein Vater bei dem berühmten Baumeister Friedrich Joachim Stengel in Auftrag gegeben hatte, stellte er 1775 fertig.

Fürst Ludwig schaffte die Folter ab, reformierte die Prozessordnung und setzte zahlreiche Neuordnungen im Schulwesen und in der Land- und Forstwirtschaft durch.

1793 erreichte die Französische Revolution das Saarland. Fürst Ludwig, gesundheitlich schwer angeschlagen, musste nach Aschaffenburg fliehen, wo er ein Jahr später starb. Das nötige Geld für die Flucht musste er sich borgen.

1995 wurden seine Gebeine durch eine Initiative des "Freundeskreis Fürst Ludwig" von der Laurentiuskirche in Usingen nach Saarbrücken gebracht und in der Schlosskirche in Saarbrücken neben seinem Vater Wilhelm-Heinrich in dessen Gruft beigesetzt.