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Es war mir ehrlich gesagt völlig egal

Es war mir ehrlich gesagt völlig egal 

Sie schlagen sich so durch - die Jungs in Frank Meyers Geschichten. Dabei lassen sie sich von weiblichen Hosenanzügen beirren, stellen ihre grenzenlose Coolness beim Moped-Trinken unter Beweis und sorgen dafür, dass der Großvater fast die Sportschau verpasst.

Frank Meyer
Frank Meyer bei einer Autorenlesung
Frank Meyer bei einer Autorenlesung

Frank Meyer hat sich mit Erzählungen aus seiner saarländischen Heimat einen  Namen gemacht. Der Leser bekommt bei seinen Texten "das Gefühl, als seien sie aus einer ganz trivialen Begebenheit heraus geboren und das Geschriebene gehe nicht weit darüber hinaus. Doch gerade im Kleinen, in der scheinbaren Trivialität der Figuren und Orte, wird der Keim erkennbar, aus dem Großes möglich werden kann - und das geschieht zwischen den Zeilen." (hEFt, Erfurt, Jan. 2009).

Ich bin mir sicher, dass der Autor mit diesem Zitat zu seinem neuesten Buch, "Es war mir ehrlich gesagt völlig egal", völlig einverstanden ist. Seine Figuren sind Saarländer, wie er selbst. Es sind Kinder, Halbwüchsige oder Männer aus dem ländlichen Norden des kleinen Bundeslandes - und zumeist naive, aber bauernschlaue Provinzler, bei denen eine  kaum erwartete Spannweite von heimlichen Abgründen bis zu heroischem Lakonismus überrascht.

Frank Meyer selbst würde mir wohl nicht widersprechen, wenn ich ihn - der Gefahr des Klischees durchaus bewusst - als typischen Saarländer bezeichne: Vor allem ist er so leutselig und gesprächig (neudeutsch nennt man so etwas wohl: kommunikativ), wie man es eben von einem Saarländer erwartet, aber er ist auch auf eine selbstbewusste Art provinziell und heimatverbunden. Zu Letzterem muss gesagt werden, dass er zu den Zurückkommern gehört, nicht zu den Dableibern. Nach dem Abitur studierte er Anglistik und Germanistik in Trier und Oxford. Nach einem kurzen Intermezzo bei der Tageszeitung "Luxemburger Wort" zog es ihn wieder zurück an die Universität: In Hildesheim arbeitete er sechs Jahre als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fach Englisch. Mehrere Jahre war er regelmäßig Gastdozent an der Hochschule Antwerpen am dortigen Institut für Übersetzen und Dolmetschen.

Nach seiner Promotion im Fach Anglistik ging er zurück zur Universität Trier, wo er heute als Studienberater und Geschäftsführer des Graduiertenzentrums arbeitet. Und er wohnt, sozusagen nach längerem Arbeitsexil, wieder in seinem saarländischen Heimatort Primstal.

Unübersehbar ist seine Liebe zu den Britischen Inseln. Erzählungen wie "Die Deutschen von Nefyn", "Strohfeuer" oder "Das Dinner" spielen in Wales, Irland und England, wo Frank Meyer, wenn man seine Studienzeit sowie zahlreiche, zum Teil auch längere Reisen und Forschungsaufenthalte berücksichtigt, inzwischen mehr als zwei Jahre verbracht hat. Dies spiegelt sich auch in seinem literarischen Werdegang wider: Bevor er eigene Erzählungen veröffentlichte, ging er zunächst durch die, wie er heute selbst sagt, unschätzbar wertvolle Schule des literarischen Übersetzens. Neben der bekannten walisischen Lyrikerin Gwyneth Lewis übersetzte er vor allem Short Stories moderner Autoren aus Wales, die er als Herausgeber in der Sammlung "Tee mit der Königin" 1996 dem deutschsprachigem Lesepublikum zugänglich machte. Er selbst betont, dass ihn diese Übersetzer- und Herausgebertätigkeit nicht nur zu eigenen Erzählungen motiviert, sondern auch mit dem notwendigen handwerklichen Rüstzeug zum Schreiben ausgestattet hat.

Nachdem im Laufe der Neunziger Jahre einzelne Gedichte und Erzählungen in Sammelbänden veröffentlicht wurden, erschien 2002 sein erster Kurzgeschichtenband, "Raum 101. Erzählungen über Männer" im Bertuch Verlag. Hier fand Frank Meyer seine verlegerische Heimat - auch das bereits erwähnte "Es war mir ehrlich gesagt völlig egal. Erzählungen." erschien 2008 in dem Weimarer Verlag.

Derzeit schreibt Frank Meyer an seinem ersten Roman ... und der spielt, was Wunder,  ebenfalls wieder im ländlichen Nordsaarland.

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Fotos: Florian Russi