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Frank Meyer

Raum 101
Erzählungen über Männer

Von dem Konflikt mit dem Vater beim Froschschenkeljagen, den abenteuerlichen Gefühlen einer Kinderliebe, den bleibenden Momenten mit dem besten Freund, die erschütternden Erlebnisse beim Bund...teils einfühlsam, teils derb erzählen die Geschichten dieser Sammlung, wie Jungen und Männer sich in verschiedenen Lebensabschnitten bewähren... oder wie sie versagen. 

Peter Wust

Seine Eltern waren arm, doch der aufgeweckte Junge schrieb an den damaligen deutschen Kaiser Wilhelm II. und bat ihn um eine Bücherspende. Die wurde ihm gewährt und der junge Peter Wust nutzte sie zur persönlichen Fortbildung. In dem 2002 herausgegebenen Buch „Peter Wust - Ungewissheit und Wagnis"¹ stellen die Professoren Rohde und Schüßler Leben und Schaffen Wusts wie folgt vor:

Aus dem Vorwort von Hubert Rohde

„Der christliche Existenzphilosoph Peter Wust (1884–1940) wurde 1930 an die Universität Münster berufen. Er war ein ausgezeichneter akademischer Lehrer. Zu seinen Vorlesungen ließ er die Zuhörer an seinem Philosophieren teilnehmen. Jeden Samstag konnten seine Studentinnen und Studenten an seiner Wanderung teilnehmen und so mit ihm in ein ungezwungenes Gespräch treten. Man ist an Platon und Aristoteles wie auch an Zenon erinnert, von letzterem sagten seine Schüler: „Sein Leben war seiner Lehre gleich."

Von schwerer Krankheit gezeichnet schrieb er 1939 sein bekanntes „Abschiedswort" an seine Hörer: „... Das Gebet, als letzte Hingabe gefasst, macht still, macht kindlich, macht objektiv..."

Peter Wust hatte dem Zeitgeist widerstanden:
... Nie habe ich meine Knie vor Baal gebeugt..."

Peter Wust - eine biographische Skizze

Werner Schüssler

Peter Wust wird am 28. August 1884 in Rissenthal bei Losheim im Saarland geboren. Nach dem Abitur 1907 studiert er zwei Semester in Berlin, u. a. bei Friedrich Paulsen Philosophie, daneben - als Brotberuf - Anglistik und Germanistik mit dem Ziel des Gymnasiallehrers. 1908 wechselt er an die Universität Straßburg. Dort hört er vor allem bei dem Philosophen Clemens Baeumker, einem katholischen Philosophiehistoriker, der sich besonders um die Erforschung der mittelalterlichen Philosophie verdient gemacht hat. 1910 macht er sein philologisches Staatsexamen und ist danach 20 Jahre lang im höheren Schuldienst tätig, u. a. in Neuß, Trier und Köln.

Schon früh entsteht bei Wust „der Konflikt zwischen Brotwissenschaft und Lieblingswissenschaft". „Um mir ein gewisses Ventil zu schaffen", schreibt Wust, „fuhr ich im Spätherbst 1911 nach Bonn und sprach mit Professor Oswald Külpe über meinen dringenden Wunsch, mich ganz intensiv mit der Philosophie neben meiner Unterrichtstätigkeit zu befassen. Er zögerte anfangs sehr, mir ein Spezialthema für irgendeine Arbeit zu geben. Aber schließlich gab er dann doch nach und beauftragte mich, die ‚Logik der Geisteswissenschaften‘ in der Philosophie John Stuart Mills, des berühmtesten Empiristen in der englischen Philosophie seit David Hume, näher zu untersuchen. - 1914 wird Wust mit dieser Arbeit zum Dr. phil. promoviert.

Der Wechsel nach Köln im Jahre 1921 bedeutet für Wust eine entscheidende geistige Bereicherung, denn hier macht er schon bald die Bekanntschaft mit Max Scheler, dem Begründer der modernen philosophischen Anthropologie. Wust selbst spricht in diesem Zusammenhang von „einer völligen inneren Umwandlung", „einer ‚Metanoia‘ größten Stiles". Die Begegnung mit Scheler verändert sein Leben: „Damit war ein Schritt getan in eine völlig neue, in eine völlig veränderte Welt. Ich verspürte sofort, dass in den Räumen, in denen ich mich beim ersten Besuch befand, die große philosophische Achsendrehung sich vollzog, die dem ganzen Zeitalter die Wendung zum Objektiven geben sollte, sollte, denn solche großen Ereignisse des Geistes vollziehen sich unter vielfachen Hin- und Herschwankungen, unter dauernden Ruckschlägen und Wiederneuanfängen. jedenfalls aber war für mich das große Neue darin zu suchen, dass ich in diesem Augenblick zum ersten Male dem wahrhaftigen Genius des Geistes gegenüber- getreten zu sein mir bewusst wurde, dem tragischen Genius zwar, aber dem wirklichen Genius, der ganz im Bann der ‚großen Mächte‘ stand, der dämonisch-dunklen Mächte der Nacht und der lichtvollen Mächte des Ewigen Tages."

Hat Wust noch zu Anfang Pläne, sich bei Scheler zu habilitieren, so muss er dieses Vorhaben doch bald aufgeben; seine inzwischen auf drei Kinder angewachsene Familie zwingt ihn dazu, den Lehrerberuf beizubehalten, und so bleibt für eine Habilitation keine Zeit. Im Oktober 1930 wird Wust dann - für ihn selbst unerwartet - auf den Lehrstuhl des 1929 verstorbenen Philosophen Max Ettlinger in Münster berufen. Hier lehrt er bis zu seinem Tode im Jahre 1940.

Von etwa 1905 ab hatte Wust dem christlichen Glauben ziemlich passiv gegenübergestanden: „Ich zerriss zwar nicht die Fäden, die mich äußerlich noch an die Kirche knüpften", schreibt er, „aber ich hatte im Grunde den Glauben ver1oren."‘ Das ändert sich, als er 1918 die Bekanntschaft mit Ernst Troeltsch macht. Wust berichtet darüber: „Bei Gelegenheit einer Tagung in Unterrichtsfragen war ich am 4. Oktober 1918 zu dem berühmten Religionsphilosophen Ernst Troeltsch, mit dem ich damals im Briefwechsel stand, zu einer kurzen Aussprache unter vier Augen eingeladen worden. Tief erschüttert von der Situation der Zeit, versuchte Troeltsch damals neue Kräfte des Glaubens in mir aufsteigen zu lassen. ‚Diese äußere Niederlage, die wir jetzt erleben‘, so sagte er mir, ‚braucht Sie nicht zur Verzweiflung zu fuhren. Denn diese äußere Niederlage ist nur die konsequente Folge jener inneren Niederlage, die wir bereits seit dem Tode Hegels dauernd erleiden, insofern wir den großen alten Väterglauben an die souveräne Macht des Geistes aufgegeben haben. Wie ein Blitzschlag durchzuckten diese Worte in jenem Augenblick meine Seele, und nun fügte Troeltsch, anspielend auf meine Glaubensnöte, die ich ihm brieflich geschildert hatte, noch die Mahnung hinzu: ‚Sie sind noch jung. Wenn Sie noch etwas für die Kräfteerneuerung unseres Volkes tun wollen, dann kehren Sie zurück zum uralten Glauben der Vater und setzen Sie sich in der Philosophie ein für die Wiederkehr der Metaphysik gegen alle müde Skepsis einer in sich unfruchtbaren Erkenntnistheorie."

Wust greift dieses Anliegen Troeltschs in seinem ersten größeren Werk „Die Auferstehung der Metaphysik" von 1920 auf. Die Begegnung mit Troeltsch versteht Wust als einen „ersten schweren Stoß der Gnade", der schließlich dazu fuhrt. dass er in den Ostertagen 1923 wieder „in die Arme der ‚Una Sancta Ecclesia" zurückkehrt. „Seit jenem Heimkehrtag aber war alle müde Skepsis mit einem Male hinweggefegt worden", schreibt Wust. „Seit jenem Tage war ich wieder naiv gläubig wie ein Kind. Seitdem beschäftigte mich auch die Erscheinung der Naivität, der ich 1925 in dem Buche ‚Naivität und Pietät‘ meine besondere Aufmerksamkeit zugewendet habe. In dieser Schrift konzentrierte sich mir das ganze tiefgreifende Kontrasterlebnis, das ich seit etwa dreißig Jahren in dem Übergang von der Ruhe der Dorfidylle zur unseligen Unruhe des städtischen Lebens immer tiefer erfahren hatte. Und dahinter steckte ja auch das ganze quälende Menschenrätsel, das in den späteren Jahren die Philosophie immer mehr in ihren Bann lockte."

In der Polarität von Naivität und Pietät sieht Wust „ein Tor, das zu den wunderbarsten Geheimnissen der Menschennatur und der Geistesbewegung in der Menschheitsgeschichte führen konnte, wenn nur jemand den rechten Schlüssel fand, um dieses Tor zu öffnen". Das in „Naivität und Pietät" angesprochene Thema führt Wust weiter „zu der Frage nach der ewigen Unruhe des Menschengeistes", die er in dem 1928 veröffentlichten Werk „Die Dialektik des Geistes" aufarbeitet. Es waren wohl diese drei Werke, die ihn auch ohne Habilitation berufungsfähig machten.

1937 erscheint sein bedeutendstes Werk, geradezu eine Zusammenfassung seiner Grundgedanken, unter dem Titel „Ungewissheit und Wagnis". Noch im selben Jahr erkrankt Wust an Oberkieferkrebs. Schon den Tod vor Augen - Wust stirbt am 3. April 1940 qualvoll an dieser Krankheit -‚ schreibt er am 18. Dezember 1939 an seine Studentinnen und Studenten sein bekanntes „Abschiedswort", das mit den folgenden Worten schließt:

„Und wenn Sie mich nun noch fragen sollten, bevor ich jetzt gehe und endgültig gehe, oh ich nicht einen Zauberschlüssel kenne, der einem das letzte Tor zur Weisheit des Lebens erschließen könne, dann würde ich Ihnen antworten: ‚jawohl'. Und zwar ist dieser Zauberschlüssel nicht die Reflexion, wie Sie es von einem Philosophen vielleicht erwarten mochten, sondern das Gebet. Das Gebet, als letzte Hingabe gefasst, macht still, macht kindlich, macht objektiv. Ein Mensch wächst für mich in dem Maße immer tiefer hinein in den Raum der Humanität - nicht des Humanismus -‚ wie er zu beten imstande ist, wofern nur das rechte Beten gemeint ist. Gebet kennzeichnet alle letzte ‚Humilitas‘ des Geistes. Die großen Dinge des Daseins werden nur den betenden Geistern geschenkt. Beten lernen aber kann man am besten im Leiden."

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¹Neu herausgegeben im Auftrag der Peter-Wust-Gesellschaft von Werner Schüßler und F. Werner Veauthier, Lit. Verlag, Münster - Hamburg - London (ISBN: 3-8258-6066-3)